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"Gläserner Globus": Geduschtes Fleisch und frisches Brot

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Maintal. Dass ein großer Supermarkt gut funktioniert, ist für uns als Kunden selbstverständlich. Wie viel Arbeit und Leidenschaft dahintersteckt, kann nur ein Blick hinter die Regale zeigen und den ermöglicht regelmäßig das Handelsunternehmen Globus in Maintal mit seinen Kundenführungen unter dem Motto „Gläserner Globus“.

Von Monica Bielesch

Die Wirtschaftsjunioren Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern nahmen nun diese Gelegenheit wahr und die zwölfköpfige Gruppe war am Ende begeistert. „Das war ein sehr interessantes Erlebnis“, bedankte sich David Bauer, einer der Sprecher der Wirtschaftsjunioren, bei Cornelia Godde, die die Gruppe knapp zweieinhalb Stunden begleitete. Die Bereichsleiterin ist seit 26 Jahren im Unternehmen und mit viel Herz im Einzelhandel und insbesondere bei Globus. Seit seiner Gründung vor 190 Jahren im saarländischen St. Wendel durch Franz Bruch ist es ein Familienbetrieb. „Und wir als Mitarbeiter merken das“, sagt Godde.

Als Ururenkel des Firmengründers steht heute der 69-jährige Thomas Bruch an der Spitze von Globus, das viel Wert darauf legt, konzernunabhängig zu sein. Das Handelsunternehmen hat neben insgesamt 47 SB-Warenhäusern, 91 Baumärkten und sechs Elektrofachmärkten in Deutschland auch 27 Vollsortimenter in Tschechien und Russland sowie zwei Baumärkte in Luxemburg. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen 7,6 Milliarden Euro Umsatz.

Größte Filiale in Russland

Doch zurück ins Gewerbegebiet Dörnigheim, wo der Maintaler Globus rund 11 000 Quadratmeter Fläche hat und Steffen Stoldte seit einigen Monaten Marktleiter ist.

19 Kassen und 52 Kassiererinnen gibt es hier, die größte Globus-Filiale in Russland hätte 100 Kassen, berichtet Godde den staunenden Zuhörern. „Das sind da ganz andere Dimensionen.“ Aber das Haus in Maintal ist mit seiner hauseigenen Bäckerei und Metzgerei auch schon beeindruckend. Hier arbeiten insgesamt rund 300 Mitarbeiter, die allermeisten in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Als Globus das früher hier ansässige Real übernahm, wurden alle damaligen 124 Mitarbeiter übernommen. Aktuell machen 15 Auszubildende eine Lehre bei Globus Maintal.

Die Mitarbeiter sind mit viel Leidenschaft dabei. So wie Jeronimo Camacho, IHK-geprüfter Fachverkäufer an der Fischtheke, der den Teilnehmern die Theke mit den 80 verschiedenen Sorten Fisch zeigt und ihnen Meeresfrüchte-Salate kredenzt. Oder Bäckermeister Peter Schön in der Bäckerei, wo insgesamt 22 Mitarbeiter arbeiten, davon sechs Bäcker und vier Konditormeister. Nachmittags, wenn die Führung stattfindet, sind alle Öfen zwar schon lange aus, aber es duftet immer noch verführerisch nach frischem Brot und knusprigen Brötchen.

Ladenmetzger gibt Einblicke

Aus eigenen Silos, die hinter dem Verkaufsgebäude stehen, wird das Mehl über Rohre direkt in die Bäckerei geleitet. „In den Silos haben jeweils acht Tonnen Weizen- und Roggenmehl Platz“, so Schön. Die riesigen, silbernen Töpfe und Schüsseln sind so groß wie Badewannen. Peter Schön zeigt wie und wo die Teige gemischt und geformt werden. Er gewährt Einblick in den Garunterbrecher, wo die vorbereiteten Teiglinge garen und kühlen, bis sie von der nächsten Schicht in den großen Etagenbackofen gesteckt werden. 5000 Weizenbrötchen verlassen täglich die Backstube. Im Konditorenraum werden täglich mindestens 16 Tortensorten gemacht. Und natürlich Käsekuchen. „Das ist unser meistverkaufter Kuchen“, so Schön.

Weiter geht es in die Metzgerei, wo die Gerüche und Temperaturen in jedem Raum wechseln. Ladenmetzger André Wagenleitner gibt Einblicke in seine Arbeit, zeigt die Fleischhalle, in der nur zwei Grad herrschen, den Ausbein-Raum, wo eine Kreissäge von der Decke hängt und vier bis sechs Ausbeiner den ganzen Tag nur Tiere zerlegen. „Mit unseren Zulieferbetrieben arbeiten wir schon seit Jahrzehnten zusammen“, betont der Metzger. Das Rind- und Kalbfleisch kommt aus Frankreich, das Schweinefleisch wird aus Belgien bezogen. Im Kühlraum hängen gerade einige Rinder- und Kalbhälften an großen Haken.

Fast 100 000 Artikel

Ein Schienensystem an der Decke führt durch fast alle Metzgerei-Räume, daran werden die schweren Fleischstücke durch die Säle transportiert. Im Pökelraum ist der Geruch nach Einlege-Gewürzen überwältigend. In großen Wannen liegt das Fleisch in verschiedenen Würzlaken. Im nächsten Raum steht ein mannshoher Fleischwolf. „Das Hackfleisch ist bei uns immer frisch und sollte darum am selben Tag verbraucht werden“, betont Wagenleitner.

Für die Wurstzubereitung gibt es ebenfalls einen Raum, hier stellen vier Mitarbeiter den Brät für die hauseigenen Würste her, füllen sie und drehen sie von Hand ab. Im Räucher- und Kochraum werden Würste und Fleisch nicht nur in großen deckenhohen Maschinen geräuchert, sondern auch geduscht. „Das Kochfleisch wird in der Dusche runtergekühlt“, erklärt Wagenleitner.

Wieder im Markt, in dem es zwischen 80 000 und 90 000 Artikel gibt, zeigt Cornelia Godde auf die Sonderverkaufsfläche, wo jetzt noch Oktoberfest-Waren stehen. „In drei Wochen stehen hier Weihnachtsartikel, dann finden Sie hier Lebkuchenherzen“, lacht sie.

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