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Gericht glaubt Nebenklägerin: Weil er eine 16-Jährige Maintalerin vergewaltigt haben soll, wurde Niko T. von der 5. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Gericht hält Aussagen für glaubhaft

Vergewaltigung einer 16-Jährigen: Maintaler Niko T. zu drei Jahren Haft verurteilt

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 Zu drei Jahren Freiheitsstrafe hat das Hanauer Landgericht Niko T. am vergangenen Freitag verurteilt. Der Maintaler soll im Frühjahr 2016 eine 16-Jährige nach einem Streit in der Drogenszene in einem Frankfurter Hotelzimmer zweimal vergewaltigt haben.

Damit wich die 5. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichts-Vizepräsident Dr. Mirko Schulte nur unwesentlich von dem von Staatsanwältin Lisa Staab geforderten Strafmaß von dreieinhalb Jahren ab. „Der Verteter der als Nebenklägerin auftretenden Geschädigten, die Kammer und ich waren der Auffassung, dass die Schilderungen der Geschädigten absolut glaubhaft sind“, begründete Staab das Urteil auf Nachfrage unserer Zeitung. „Vor allem, weil das Vor- und Nachgeschehen der Tat auch durch andere Zeugen bestätigt wurde.“ 

Niko T.s Verteidiger hingegen hatte auf Freispruch plädiert und weitere Gutachten angefordert. Auf den Fall waren Ermittler 2017 aufmerksam geworden, als sich zwei Jugendliche wegen Drogenbesitzes selbst angezeigt hatten. Ihnen saßen nämlich drei Männer im Nacken, von denen sie die Drogen geklaut hatten. Als die Spur zu den eigentlichen Besitzern zurückverfolgt wurde, fanden die Ermittler den Personalausweis der Maintalerin in der Wohnung eines Mannes. 

Maintalerin sollte auf Drogen aufpassen

Kurzerhand wurde auch sie zur Vernehmung geladen und machte bei der Polizei eine Aussage, mit der weder ihre Eltern noch der Kriminalbeamte gerechnet hätten, wie sie als Zeugen schilderten: Im Frühjahr 2016 habe die damals 16-jährige Maintalerin für einen Tag auf eine größere Menge Haschisch und Gras für einen Bekannten aufgepasst. Da sie die Drogen, verstaut in einer großen Kühltasche, jedoch nicht mit nach Hause nehmen wollte, fuhr sie im Bus damit zu einem Spielplatz in Dörnigheim. 

Dort angekommen, traf sie ihren Freund Lukas, mit dem sie die Drogen unter einem Laubhaufen versteckte. Als das Mädchen kurz auf Toilette war, nutzte Lukas jedoch die Gelegenheit, einem Freund von dem Versteck zu erzählen, und der nahm die Tüte mit nach Hause. Am Abend standen dann der besagte Bekannte und dessen Bruder vor der Tür der Maintalerin und forderten die Rückgabe der Drogen oder den entsprechenden Geldwert. Als das Mädchen den jungen Männern jedoch nicht sagen konnte, wo die Drogen sind, hätten die sie mit zu einem Wettbüro in Dörnigheim genommen, wo Niko T. auf sie gewartet habe. 

16-Jährige habe aus Angst nicht versucht zu entkommen

Dort hätten die drei Männer das Verhör fortgesetzt, die Maintalerin geschlagen, ihr Schlüssel, Handy und Personalausweis abgenommen und sie erpresst. „Sie haben gesagt, dass sie mich so lang Anschaffen schicken, bis ich die ganze Summe abbezahlt habe“, erzählte die Maintalerin mit brüchiger Stimme im Zeugenstand. Da das Mädchen selbst nicht wusste, wo die Drogen waren, führte das zu keinem Ergebnis. Daraufhin habe T. die beiden anderen Männer nach Hause gefahren und die Maintalerin mit in ein Hotelzimmer in Frankfurt genommen. Dort hätten sie über das weitere Vorgehen gesprochen und sich später zusammen in das Doppelbett schlafen gelegt. 

Die Maintalerin habe angenommen, dass die Zimmertür verschlossen sei und sei so verängstigt gewesen, dass sie nicht versucht hätte, zu entkommen. In der Nacht habe T. das Mädchen zweimal vergewaltigt. Am nächsten Tag sei man dann wieder nach Maintal gefahren und dort hätten sich die drei Männer samt Mädchen mit Lukas getroffen, um ihn zur Rede zu stellen. Und es seien Regelungen getroffen worden, unter denen der Kontakt zur Maintalerin weitergeführt werden sollte. Lukas bestätigte die Vor- und Nachgeschichte im Zeugenstand, beteuerte, dass er die Drogen sofort habe zurückgeben wollen und dass er die Männer unbedingt dazu bringen wollte, das Mädchen gehen zu lassen, da der Vater bereits nach ihr gesucht und die Polizei eingeschaltet hätte. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Am selben Tag habe er das Mädchen nach Hause begleiten können, wo der Vater sie in Empfang nahm. Die Staatsanwaltschaft hatte T. außerdem wegen Freiheitsberaubung angeklagt. „Dieser Vorwurf hat sich in den Aussagen der Geschädigten allerdings nicht bestätigt“, so Staab. Bis zum Schluss hatte der Angeklagte sich nicht zu dem Fall geäußert. Im Falle eines Geständnisses hätten ihm, das hatte sein Verteidiger Thorsten Tuma gleich zu Beginn der Verhandlung abgefragt, zwei Jahre Haft gedroht. Von den drei Jahren Freiheitsstrafe gelten zwei Monate bereits als vollstreckt, da sich das Verfahren länger hingezogen hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

Der Fall 

Im Frühjahr 2016 soll der 22-jährige Niko T. eine 16-jährige Maintalerin nach einem Streit in der Drogenszene in einem Hotelzimmer mehrfach vergewaltigt und bis zum nächsten Morgen festgehalten haben. 

3. Mai 2018: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. 

20. Januar 2020: Beim Prozessauftakt vor der 5. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen. Die Maintalerin sagt als Zeugin aus und tritt als Nebenklägerin auf. 

21. Januar: Am zweiten Verhandlungstag treten die Eltern in den Zeugenstand. 

17. Februar: Ein Freund der Maintalerin gibt an, eine Falschaussage gemacht zu haben, um eine einstweilige Verfügung gegen T. und zwei in den Fall involvierte Männer zu erwirken. Ebenso berichtet der Ermittler über die Vernehmung der Maintalerin. 

24. April: Niko T. wird zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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