Ein Bild aus besseren Tagen: Doch seitdem der Fährverkehr ruht, wird aus Teilen der Politik wieder die Forderung nach einer Brücke zwischen Maintal und Mühlheim laut. (Archivfotos: Kalle)

Maintal

Wie geht es mit der Fähre weiter?

Maintal. Fährverbindung oder Brücke – seit der Stilllegung der Schiffsverbindung zwischen Maintal-Dörnigheim und Mühlheim Anfang Oktober ist in Teilen der Politik vor allem die Option einer festen Mainüberquerung wieder stark im Gespräch.

Von David Scheck

Doch weil eine konkrete Lösung weiterhin nicht in Sicht ist, wird eifrig darüber diskutiert, wer Schuld hat an dem ganzen Dilemma und wie es nun weitergehen soll.

Wer in diesen Wochen am Mainufer unterhalb der Altstadt von Dörnigheim unterwegs ist, bemerkt eine ungewohnte Ruhe. Auf der Mühlheimer Straße herrscht deutlich weniger Verkehr als früher. Ihr Name verrät es schon: Es ist jene Straße, die auf das gegenüberliegende Mainufer ins benachbarte Mühlheim führt – mit Hilfe der Fähre, versteht sich.

Ehemalige Pächterin will sich nicht öffentlich äußern

Doch diese Verbindung ist gekappt. Die Einheimischen und täglichen Pendler wissen längst Bescheid, doch ab und zu verirrt sich immer noch ein Autofahrer an die Fährrampe. Auch an dem Tag, als wir dort vorbeischauen, will der eine oder andere mit seinem Fahrzeug mittels Fähre auf die andere Seite – in der Regel sind es Pkw mit Frankfurter Kennzeichen.

Dort, wo sonst reger Fährbetrieb herrscht, sitzen in der Herbstsonne ein paar Passanten, alteingesessene Dörnigheimer, und unterhalten sich über die Fähre. Helga Spiegel, bis Anfang Oktober Pächterin der Fähre, kommt auch vorbei. Doch sie flüchtet geradezu bei unserem Eintreffen, sie will öffentlich nichts zu der ganzen Thematik sagen. Sie hatte die Fähre nach dem Tod ihres Mannes übernommen und mit ihrem Sohn und ihrer Tochter als Familienbetrieb weitergeführt.

Dörnigheimer wehren sich gegen Schließung

Der Vereinsring Dörnigheim hat seinen Protest gegen die Einstellung der Fährverbindung mit einem Flugblatt manifestiert. Darauf steht zu lesen: „Bürger wehrt euch. Dass die Fähre nicht mehr fährt, ist eine Entscheidung des Landkreises Offenbach.“ Am Ende des Zettels dann der Name des Offenbacher Landrats Oliver Quilling sowie dessen dienstliche E-Mail-Adresse und Anschrift in Dietzenbach. In Dörnigheim steht man eben zur Familie Spiegel und sieht die Ursache für die verfahrene Situation in den Dienstzimmern auf der südlichen Mainseite, beim Betreiber der Fähre, dem Landkreis Offenbach.

In diesen Amtsstuben wurde die fristlose Kündigung des Pachtvertrags entschieden, wegen „erheblicher Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften“, wie es hieß. Damit war eine Überladung der Fähre gemeint, mehr Autos als erlaubt seien transportiert worden. „Das lief doch jahrelang so, warum ausgerechnet jetzt die Kündigung?“, so die Kommentare der Passanten in Dörnigheim.

Knackpunkt ist die Finanzierung

Für wie lange die Fähre nun stillsteht, weiß keiner, wahrscheinlich nicht einmal der Kreis Offenbach. Der Kritik von vielen Seiten am Zustand des Schiffs zum Trotz, ist man in Dietzenbach von dessen Fahrtüchtigkeit überzeugt. Fachleute hätten testiert, so der Kreis, dass der sogenannte Fährkörper in einem dem Alter entsprechend guten Zustand sei und vermutlich noch 20 Jahre genutzt werden könne. Dazu muss man wissen, dass die Fähre mittlerweile rund 50 Jahre alt ist. Die Aussage zum Zustand beziehe sich allerdings nicht auf den Motor und Verschleißteile. Noch offen sei zudem der Reparaturbedarf an der Hochseilanlage, die Kosten hierfür betragen etwa 25 000 Euro, ließ der Landkreis wissen.

Ohnehin scheint die Finanzierung zum Knackpunkt zu werden, was die Zukunft der Verbindung betrifft. Als er Ende Oktober seinen Bericht zur Fähre mit der Nutzerstatistik vorlegte, spielte der Landkreis Offenbach den Ball auf die Nordseite des Mains: „Eine gesetzliche Verpflichtung den Fährbetrieb aufrechtzuerhalten, gibt es für den Kreis Offenbach nicht“, so das vielsagende Statement.

Main-Kinzig-Kreis sieht Zuständigkeit beim Kreis Offenbach

Die verklausulierte Botschaft wurde zwar gehört, aber – noch – nicht erhört. Der Main-Kinzig-Kreis ließ kurz nach Veröffentlichung des Berichts wissen, dass man die Zuständigkeit nach wie vor beim Kreis Offenbach sehe. Mittlerweile beschäftigen sich auch die Städte Maintal und Mühlheim beziehungsweise die dortigen Stadtparlamente mit dem Thema.

Die von der CDU (sowohl der Kreisverband Main-Kinzig als auch der Stadtverband Maintal) ins Spiel gebrachte Brücke scheint keine Option, zumindest keine kurzfristige Lösung. Von der Planung bis zur Realisierung würden etliche Jahre vergehen, bei geschätzten Baukosten von rund zehn bis 15 Millionen Euro.

Das könnte Sie auch interessieren