1. Startseite
  2. Region
  3. Maintal

Fragen um den Prozess gegen Maintaler wegen versuchten Totschlags

Erstellt: Aktualisiert:

Ein Prozess wegen versuchten Totschlags gegen einen 20-jährigen Maintaler läuft derzeit vor dem Hanauer Landgericht. Nächster Termin ist am Montag, 4. Februar. Archivfoto: David Kirchgeßner
Ein Prozess wegen versuchten Totschlags gegen einen 20-jährigen Maintaler läuft derzeit vor dem Hanauer Landgericht. Nächster Termin ist am Montag, 4. Februar. Archivfoto: David Kirchgeßner

Maintal/Hanau. Es ist ein Prozess, der zuweilen mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Dabei liegt ein Geständnis seit dem Auftakt der Verhandlung vor der Zweiten Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts am 8. Januar vor.

Von Martina Faust

Der angeklagte 20-jährige Maintaler räumt ein, einen 19-jährigen Schüler im Oktober vergangenen Jahres in einer Wohnung in der Dörnigheimer Waldsiedlung mit einem Messer schwer verletzt zu haben. Nun muss er sich wegen versuchten Totschlags verantworten.

Details zur Verletzung lieferte während der gestrigen Fortsetzung des Prozesses unter dem Vorsitz von Präsidentin Susanne Wetzel der Bericht der Gerichtsmedizinerin. Diese machte deutlich, dass die Verletzung durchaus lebensbedrohlich hätte verlaufen können. Schließlich hatte das Opfer durch den Stich eine Leberverletzung erlitten und musste notoperiert werden. „Bei einer scharfen Gewalteinwirkung im Bereich des Bauchraums sind lebensbedrohliche Verletzungen durchaus möglich. Ohne eine OP hätte ein hoher Blutverlust zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen können“, erläuterte sie. Die beiden Worte, die schließlich für das Gericht von Relevanz waren, lauteten: „potenzielle Lebensgefahr“.

Immer neue „Highlights“ sorgen für Kopfschütteln

Neben dem gerichtsmedizinischen Gutachten stand gestern zudem der zeitliche Ablauf der Ereignisse vor und nach der Tat im Mittelpunkt der Verhandlung, denn, so Wetzel, „es ist eine Geschichte, die nicht schlüssig ist“. Um die Chronologie und die Personen, zu denen der Angeklagte nach der Tat Kontakt hatte, besser klären zu können, wurden gestern Anrufliste und Chatverläufe ausgewertet. So hatte der Maintaler mehrmals einen „Seb“ angerufen. Er wisse aber nicht genau, wer das sei, so der Angeklagte. Durchaus einordnen konnte er die Sprachnachrichten an seine Ex-Freundin und seinen Kumpel „Heavy“, mit denen er sich verabschiedete. Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung und einem Gespräch mit seinem Verteidiger Dr. Jens-Arne Thömel will er dann „einiges klarstellen“. Überhaupt fallen dem jungen Mann immer wieder ein paar „Highlights“ ein, die bei Richtern und Staatsanwalt für Kopfschütteln sorgen.

Bereits am Nachmittag vor der Tat hatte er sich mit zwei Freunden verabredet, um abends nach Frankfurt zu fahren. Eine Verabredung, auf die er sich freute. Die Zeit bis dahin wollte er in besagter Wohnung überbrücken. Nachdem er nach der Tat in den Wald geflüchtet war, bat er seinen Freund, ihn an der Apotheke an der Wilhelmsbader Straße einzusammeln. Danach holten sie einen weiteren Bekannten in Hochstadt ab und fuhren nach Frankfurt in eine Shisha-Bar. Später traf er sich noch mit einem weiteren Freund in Frankfurt, bevor er mit seinem Onkel zur Polizei ging, um sich zu stellen.

„Das fällt Ihnen jetzt ein“

Es braucht Zeit, den Tatabend zu rekapitulieren. Wiederholt sorgen die Ausführungen des Angeklagten für Verwirrung und Zweifel. Zum Beispiel die Sprachnachrichten. „Die klingen nicht, als wären Sie neben der Spur gewesen, wie Sie es uns geschildert haben. Vielmehr haben Sie ziemlich geordnet gehandelt“, stellt die Beisitzende Richterin Coretta Oberländer fest. Denn die Mitteilungen machen deutlich, dass dem Angeklagten durchaus bewusst war, dass er seine Freunde für längere Zeit nicht sehen oder kontaktieren würde.

Doch das war noch lange nicht alles. Als der 20-Jährige einen weiteren Freund anführte, der zum Zeitpunkt der Tat ebenfalls in der Wohnung war, glich das einem Paukenschlag. Denn der Name fiel zum ersten Mal. „Das fällt Ihnen jetzt ein“, hakte Oberländer fassungslos nach und auch bei Wetzel kamen Zweifel auf, dass der Angeklagte den Ernst der Lage verstanden hat . In den bisherigen Zeugenaussagen tauchte der Name ebenfalls nicht auf. Aber er wird auftauchen.

Haftstrafe ist zu erwarten

Am finalen Prozesstag am Montag, 4. Februar, der bereits um 11 Uhr beginnen wird, soll der junge Mann gehört werden, bevor das Urteil gesprochen wird, das sich am Jugendstrafrecht orientieren wird.

Aufgrund der „enormen Brutalität der Tat, der mangelnden Empathie und fehlenden Einsicht“, so die Einschätzung einer Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe des Kreises dazu, ob der 20-Jährige nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollte, wird den jungen Mann allerdings eine Haftstrafe erwarten.

Auch interessant