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Fragen und Antworten zu Altlasten aus der Nachkriegszeit

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Der Westen von Bischofsheim war bis in die 1950er Jahre noch Feuchtgebiet, weil dort einst ein Altarm des Mains lag. Um das Areal für eine Bebauung nutzbar zu machen, wurde es mit wiederverwertetem Trümmerschutt aus dem zerstörten Frankfurt aufgefüllt. Foto: Axel Häsler
Der Westen von Bischofsheim war bis in die 1950er Jahre noch Feuchtgebiet, weil dort einst ein Altarm des Mains lag. Um das Areal für eine Bebauung nutzbar zu machen, wurde es mit wiederverwertetem Trümmerschutt aus dem zerstörten Frankfurt aufgefüllt. Foto: Axel Häsler

Maintal. Schadstoffe im eigenen Grund und Boden – welcher Eigentümer mag das schon haben? Doch einige Grundstücksbesitzer in Bischofsheim müssen sich damit auseinandersetzen, dass in ihrer Erde Altlasten aus der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs liegen beziehungsweise dort theoretisch liegen könnten.

Von David Scheck

In der vergangenen Woche informierten Vertreter der Stadt Maintal, des Main-Kinzig-Kreises sowie des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt betroffene Anwohner über die Situation. Mit Fragen und dazugehörigen Antworten der Stadt Maintal erläutern wir das komplexe Thema.

Unter dem Wort Altlasten kann man sich vieles vorstellen. Was genau liegt im Boden?Es handelt sich um Trümmerreste aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Als Folge der starken Zerstörung Frankfurts wurde Ende 1945 die Trümmerverwertungsgesellschaft gegründet. Diese sammelte die Trümmer der zerstörten Frankfurter Wohn- und Geschäftshäuser sowie von Fabrikanlagen ein und verwertete sie teils zu neuem Baumaterial.

Andere, dafür nicht brauchbare Schuttteile wurden dazu verwendet, Brachflächen aufzufüllen, um sie für eine Bebauung nutzbar zu machen. Letzteres geschah im Fall von Bischofsheim.

Welcher Bereich von Bischofsheim ist betroffen?Aufgrund aktuell vorliegender Ergebnisse des RP aus Baumaßnahmen, früheren Auswertungen und Zeugenbefragungen ist möglicherweise das Gebiet innerhalb der Straßen Waldstraße, Fechenheimer Weg, Friedhofstraße und Eugen-Kaiser-Ring betroffen.

Das Areal war bis in die 1950er Jahre ein Feuchtgebiet, weil dort einst ein Altarm des Mains floss, und damit als Baugrund nur schlecht geeignet. Um den Boden dafür nutzbar zu machen, wurde dieser mit Trümmermaterial aus Frankfurt verfüllt.

Wann wurden die Belastungen festgestellt?In den 1990er Jahren wurde im Zuge einer Kanalbaumaßnahme in der Straße An der Leuchte verunreinigtes Bodenmaterial im Untergrund festgestellt. Betroffene Anwohner und Eigentümer wurden seinerzeit im Rahmen einer Bürgerversammlung informiert, bei der auch eine Handlungsempfehlung des zuständigen Gesundheitsamts herausgegeben wurde.

Anschließend ruhte das Thema, bis es Ende 2016 buchstäblich wieder aus der Erde kam: Als die Waldschule ihren Erweiterungsbau realisieren wollte, wurden dort ebenfalls belastete Auffüllungen im Boden nachgewiesen. In der Folgezeit wurde der Schulhof aufwändig saniert sowie auch die benachbarte städtische Kita an der Gänsseestraße. Deren Bodensanierung ist weitestgehend abgeschlossen. Dort wurde an zwei Stellen Boden ausgetauscht.

Welche Schadstoffe befinden sich in den Altlasten?Bei den Untersuchungen wurden im Boden, teilweise im oberflächennahen Bereich, erhöhte Konzentrationen von Arsen, Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Nickel, Cyanid, polychlorierte Biphenyle (PCB) sowie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden.

Wie hoch sind die Belastungen im Boden?Im betroffenen Bereich muss mit erhöhten Gehalten insbesondere an polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Arsen und Schwermetallen im Boden sowie im Grundwasser gerechnet werden. Am häufigsten wurden PAK-Verbindungen festgestellt. Bei den Untersuchungen wurde der in der Bundes-Bodenschutzverordnung für Wohngebiete festgelegte Prüfwert mehrfach überschritten.

Da die verschiedenen Grundstücke unterschiedlich hoch aufgefüllt wurden, ist hinsichtlich möglicher Bodenbelastungen von inhomogenen Verhältnissen auszugehen, das heißt, die vorhandenen Bodenbelastungen variieren örtlich sehr stark.

Hausneu- oder -anbau, Gemüse anpflanzen oder einfach nur im Garten aufhalten – worauf müssen betroffene Anwohner achten?

Das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises hat unter Beteiligung der Bauaufsicht, der Stadt Maintal und des RP eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen erstellt. Diese betreffen im Wesentlichen die Nutzung des Bodens als Spielfläche für Kinder und zum Anbau von Nutzpflanzen sowie das Vorgehen bei Erdarbeiten und bei Baumaßnahmen.

So sollen zum Beispiel Säuglinge und Kleinkinder nicht direkt auf und mit der Erde spielen, Erwachsene sollten nach Garten- und Erdarbeiten die Hände immer gründlich waschen. Vom Anbau von Wurzel- und Knollengemüse wird abgeraten, Nutzpflanzen in Hochbeeten sind dagegen unbedenklich. Die vollständigen Informationen mit den Handlungsempfehlungen wurden den betroffenen Anwohnern und Eigentümern schriftlich zur Verfügung gestellt.

Außerdem hat die Untere Wasserbehörde des Main-Kinzig-Kreises im Juli 2018 ein Nutzungsverbot für das Grundwasser im betroffenen Bereich erlassen. Bei jeder Baumaßnahme, die genehmigungspflichtig ist, wird von der Bauaufsicht das RP miteinbezogen. Es wird dann im Einzelfall entschieden, welche Auflagen erforderlich sind.

Diese könnten beispielsweise Bodenuntersuchungen oder eine gutachterliche Begleitung des Bauvorhabens beinhalten. Zahlen muss die Bodenproben und Gutachten jeder Eigentümer selbst.

Was können betroffene Eigentümer tun?Wer genau wissen will, ob sich Schadstoffe und, falls ja, in welcher Konzentration in seinem Boden befinden, kann dies untersuchen lassen. Für die Kosten solcher Untersuchungen sowie für einen möglichen Austausch des Bodens müssen die Besitzer allerdings selbst aufkommen.

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