Bei einem Auftaktworkshop haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung gemeinsam mit den Zuständigen der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ den Ablauf des Projekts geplant. Foto: PM

Maintal

Flüchtlinge sollen den Aufbau kommunaler Strukturen kennenlernen

Maintal. Die Stadt Maintal ist eine von bundesweit sieben Modellkommunen, die ihr Wissen in Fragen der Kommunalverwaltung und -politik an syrische Geflüchtete weitergeben.

Laut Pressemitteilung hat sich die Stadt auf Initiative von Bürgermeisterin Monika Böttcher dafür beworben und wurde zusammen mit der Gemeinde Beverstedt, den Städten Darmstadt und Krefeld sowie den Landkreisen Donau-Ries, Gießen und Hameln-Pyrmont ausgewählt.

„Mit der Qualifizierung von syrischen Geflüchteten ermöglichen wir Einblicke in unsere Verwaltung und geben unser kommunales Know-how weiter. Damit können wir einen wertvollen Beitrag zum Wiederaufbau von tragfähigen Strukturen in Syrien leisten und ganz konkret zwei Geflüchteten eine berufliche Perspektive eröffnen“ erläutert Böttcher. So sollen im Rahmen des Modellprojekts zwei syrische Geflüchtete die Gelegenheit erhalten, ein einjähriges Praktikum in der Stadtverwaltung zu absolvieren.

Die Stadt Maintal hat dazu ein eigenes Praktikumsprogramm zusammengestellt. Für acht Monate werden die beiden Praktikanten die üblichen Abläufe einer Stadtverwaltung kennen lernen und dazu in den Fachbereichen Sicherheit und Ordnung, Finanzen und Beteiligungen, in der Hauptverwaltung und im Büro der Gremien mitarbeiten.

Für die weiteren vier Monate wird sich jeder Praktikant einen Schwerpunkt wählen und beispielweise im Frauen- und Gleichstellungsbüro, in der Freiwilligenagentur oder in den Fachbereichen Stadtentwicklung sowie Kinder, Familie und Jugend vertiefte Erfahrungen sammeln. Für Maintal sei die Maßnahme „ein weiterer Baustein zur Integration von Geflüchteten, die wir hier in Maintal gemeinschaftlich – mit engagierten Bürgern, Politik und Verwaltung – fördern“, so Böttcher.

Darüber hinaus sollen Informationsveranstaltungen besucht werden können, die die demokratischen Strukturen in Deutschland, das Selbstverständnis von Beteiligungsrechten und die Möglichkeiten zu politischem Engagement möglichst vielen Geflüchteten jeglicher Herkunft verständlich machen.

Dazu gehört beispielsweise auch ein Besuch in der Stadtverordnetenversammlung, der am 18. Juni stattfand und von der städtischen Integrationsbeauftragten, Verena Strub, organisiert sowie von Vertretern des Arbeitskreises Asyl begleitet wurde.

Die 26-köpfige Gruppe wurde vom Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz-Kaiser begrüßt. Im Anschluss an den Besuch stand er den interessierten Zuhörern Rede und Antwort. „Ich bin stolz darauf, dass wir hier in Maintal in der Kommunalpolitik immer einen fairen und respektvollen Umgang miteinander haben und uns gemeinsam für das Wohl der Kommune und ihre Bürger einsetzen“, sagte er.

Information findet jedoch nicht nur in eine Richtung statt: „Im Herbst wird es eine Veranstaltung geben, die sich an eine breite Öffentlichkeit richtet, in der wir erfahren werden, wie Syrien vor dem Krieg aussah, wie die Menschen dort gelebt haben und was sie an Erfahrungen sowie an Qualifikationen mit nach Deutschland gebracht haben“, so die Integrationsbeauftragte Verena Strub.

Finanzielle Fragen seien bereits geklärt: Die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ übernimmt die Kosten für die Praktikanten im Modellprojekt und bietet allen Kommunen Beratung, Information, Vernetzung und Erfahrungsaustausch an. Außerdem werden die Modellkommunen von der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ beraten und finanziell unterstützt. Das Projekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt. zeh

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