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Feuerwehr: Zwei Florians bei Wachenbuchener Floriansjüngern

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Die beiden waschechten Floriansjünger der Freiwilligen Feuerwehr Wachenbuchen: Florian Kaufhold (links) und Florian Reutzel machen der Bedeutung ihres Vornamens alle Ehre. Foto: Rainer Habermann
Die beiden waschechten Floriansjünger der Freiwilligen Feuerwehr Wachenbuchen: Florian Kaufhold (links) und Florian Reutzel machen der Bedeutung ihres Vornamens alle Ehre. Foto: Rainer Habermann

Maintal. Florian ist ein gebräuchlicher Vorname für Jungen, gehörte zu den beliebtesten in den 1980er und 1990er Jahren und rangierte manches Jahr sogar in den „Top Ten“ der deutschen Vornamen.

Von Rainer Habermann

Geschichtlich lässt er sich ableiten vom lateinischen „Florianus“ oder „Florus“ und bezeichnet laut Namenskunde einen blühenden, glänzenden oder prächtigen Menschen.

Florian von Lorch ist auch der Name jenes Heiligen in der katholischen und orthodoxen Kirche, der im dritten Jahrhundert nach Christus als Offizier der römischen Armee Oberbefehlshaber einer Einheit von Legionären war, die zur Feuerbekämpfung eingesetzt wurde. Und da dieser mit einem Wasserkübel bewaffnete Florian von Lorch gewissermaßen der erste Brandbekämpfer der Geschichte war, wurde er zum Schutzpatron der Feuerwehr. Deren Frauen und Männer man folgerichtig als Floriansjünger bezeichnet.

Wehrführer und Stellvertreter

Die Wachenbucher Freiwillige Feuerwehr hat den heiligen Namen gleich doppelt gepachtet, sozusagen. Der Wehrführer der Stadtteilfeuerwehr heißt mit Vornamen so, sein Stellvertreter ebenfalls: Florian Kaufhold und Florian Reutzel. Grund genug, die beiden Floriansjünger einmal im Feuerwehrhaus in der Bachstraße zu besuchen und mit ihnen einen Blick auf die Probleme zu werfen, vor denen eine relativ kleine Wehr mit derzeit 404 Fördermitgliedern im Verein, davon rund 35 Frauen und Männern in der Einsatzabteilung, steht.

Sie liegen altersmäßig ziemlich genau zwei Jahre auseinander, Florian-Chef und Florian-Stellvertreter. Kaufhold ist in Hanau geboren, 1981, Reutzel 1983 in Lich. Aufgewachsen ist Kaufhold in Wachenbuchen, ging zunächst in die Büchertalschule und später aufs Albert-Einstein-Gymnasium in Bischofsheim, wo er mit Mittlerer Reife abschloss. Später folgte dann das Fachabitur, aber erst nach einer Ausbildung bei der Hanauer Vacuumschmelze (VAC) zum Energieelektroniker.

Beide Azubis bei der VAC

Und hier liegt schon die zweite Gemeinsamkeit mit Reutzel, neben dem Vornamen. Denn auch der gebürtige Licher, der seine Kindheit zunächst in Gedern verbrachte, später mit seinen Eltern nach Wachenbuchen zog und die Erich-Kästner-Schule in Bischofsheim besuchte, stieg mit 16 Jahren als Azubi in die VAC ein und lernte Industriemechaniker.

Das ist aber noch nicht alles, was die beiden Floriane verbindet. Sie hatten jeweils schon in früher Jugend ihre Leidenschaft für die Feuerwehr entdeckt. 1994 trat Reutzel in die Jugendfeuerwehr ein, mit 13 Jahren, zwölf ‧Monate später, folgte Kaufhold. Die Übernahme in die Einsatzabteilung folgte jeweils auf dem Fuß, mit 17 und 18 Jahren, und seitdem haben die Wachenbucher Blauröcke zwei Floriane, 37 und 38 Jahre alt, die Verantwortung übernehmen.

Grenze der Belastbarkeit

Seit März 2018 ist Kaufhold hauptamtlicher Gerätewart und ehrenamtlicher Wehrführer, sein Arbeitgeber ist die Stadt Maintal. Reutzel ist als sein Stellvertreter auch ehrenamtlich tätig. Eifersüchteleien kennen beide nicht, sie arbeiten gerne und gut zusammen. Eine dritte Gemeinsamkeit der Floriane gibt es ebenfalls: beide sind Fußballfans, Reutzel nach eigenem Bekunden sogar „leidenschaftlicher Stadiongänger“. Und wohin? „Na, zur Eintracht natürlich!“, sagt er und grinst.

Es ist gemütlich im warmen Saal über den roten Lkw in der Garage. Unten stehen ein Löschgruppenfahrzeug, genannt LF, ein TLF (Tanklöschfahrzeug) und ein Mannschaftstransporter (MTF). Ein Thema, das bei sehr vielen Feuerwehren nicht nur im Main-Kinzig-Kreis ein brisantes ist, ist die Situation der ehrenamtlichen Feuerwehrmänner und -frauen, die allmählich an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen. Gerade wenn es um Wartung, Atemschutz, Schlauchreinigung und andere Gebiete der Technik geht.

Konkurrenz Fußball

Denn die Anforderungen – auch die bürokratischen – werden immer größer, die gesellschaftliche Akzeptanz der Retter hingegen wird zunehmend geringer. „Aber angepöbelt worden sind wir hier in Wachenbuchen noch nicht“, sagt Kaufhold und lächelt. Die Leistungsbereitschaft von Jugendlichen, der Spaß an der Feuerwehrarbeit zwischen dem zehnten und 17. Lebensjahr, bevor dann eine Übernahme von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung erfolgen kann, ist ebenfalls ein Thema.

„Wir haben hier natürlich starke Konkurrenz“, meint der ehrenamtliche Wehrführer Kaufhold. „Die Fußballer der Kewa machen eine tolle Jugendarbeit, Fußball ist angesagt bei den Jungs. Und auch das Blasorchester zieht durchaus viele Jugendliche an. Wir sind ja hier quasi 'auf dem Dorf', Wachenbuchen ist der kleinste Maintaler Stadtteil, da merkt man das schon. Aber unsere Jugendabteilung ist trotzdem sehr gut aufgestellt, wir haben rund 16 Jugendliche.“

Rund 170 Einsatzkräfte

Feuerwehrarbeit macht Spaß, sagen die Floriane, man muss aber auch eine gewisse Leidenschaft dafür entwickeln und mitbringen. Das wissen die rund 170 erwachsenen Einsatzkräfte insgesamt in der knapp 40 000-Einwohner-Stadt Maintal ebenso. „Wir haben nicht jeden Tag einen Großbrand“, sagt Reutzel. „Aber daneben gibt es eine Vielzahl von kleineren Bränden, wo wir ausrücken.

Ob mitten in der Nacht oder am Mittag: die Feuerwehr ist sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag einsatzbereit. Neben Bränden werden wir zu Hilfsleistungen gerufen, das Aufnehmen von Ölspuren, Bergung von Unfallopfern, oder das Auspumpen von Kellern beispielsweise gehören zu unseren Aufgaben. Brandsicherheitsdienste bei Festen und Veranstaltungen kommen hinzu, wir haben schon gut zu tun.“

Viel Zeit verbringen die Feuerwehrangehörigen auch auf Aus- und Weiterbildungen: „Wie gesagt, die Technik wird immer anspruchsvoller, die Gesellschaft auch“, sagt Kaufhold. An welches Ereignis können sie sich besonders erinnern? „Nun, ein Großbrand in Dörnigheim im Jahr 2005“, sagt Kaufhold. „Ich kam gerade von der Spätschicht damals, dann kam die Alarmierung. Und so wurde eine Doppelschicht draus“, sagt er und grinst.

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