Kräftezehrender Totalausfall: Eine Woche lang waren in dem 17-stöckigen Hochhaus an der Goethestraße beide Fahrstühle defekt. Beim Treppensteigen ging schnell die Puste aus: Die Hausverwaltung hatte auf jeder Etage zwei Stühle aufgestellt. Fotos: Jasmin Jakob

Maintal

Fernsehbeitrag hilft Hausverwaltung, Aufzüge zu reparieren

Maintal. Am Dienstag ist das Treppenhaus des Wolkenkratzers in der Goethestraße 138 wie leergefegt. Nur zwei Stühle in jeder Etage weisen noch darauf hin, dass hier in den vergangenen Tagen viel Verkehr war.

Von Jasmin Jakob

Da beide Aufzüge des 17-stöckigen Gebäudes defekt waren, schleppten sich die Bewohner mitsamt ihren Einkäufen eine Woche lang über das Treppenhaus bis in das 17. Stockwerk: Mütter mit kleinen Kindern auf dem Arm, ältere Menschen mit Gehschwierigkeiten und alle übrigen Bewohner. Durch einen Beitrag in der Hessenschau konnte jedoch der Monteur ausfindig gemacht werden, der die Aufzüge vor 26 Jahren eingebaut und als einziger die Lösung für das technische Problem kannte.

Mir taten vor allem die älteren Menschen leid“, sagt ein Bewohner des Hauses, als er am Dienstag auf den Fahrstuhl wartet. Die seien nämlich kaum aus ihrer Wohnung gekommen. „Ich kenne welche, die im 16. Stock wohnen, die haben gesagt, das war wie im Knast für sie.“ Einer der beiden Aufzüge sei bereits ein halbes Jahr außer Betrieb gewesen. Als dann auch noch der zweite ausfiel, blieb den Bewohnern nur noch der Weg über das Treppenhaus.

119 Wohnungen

119 Wohnungen liegen in dem 17-stöckigen Hochhaus. „Die beiden Aufzüge sind also permanent in Betrieb“, sagt Unternehmenssprecher Marko Rostock auf Nachfrage. „Da kommt es leider sehr häufig zu Ausfällen“. Schon seit längerem sei eine neue Aufzuganlage geplant, die allerdings erst im Frühjahr des kommenden Jahres eingebaut werden könne. Grund dafür sei die angespannte Marktlage. Fachfirmen seinen kaum kurzfristig zu bekommen. Dass beide Aufzüge kurz vor dem Umbau gleichzeitig ausfielen, sei besonderes Pech gewesen.

Dass die Reparatur dann nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags viel schneller lief, als angekündigt, hat nicht nur die Bewohner überrascht. Knapp eine Woche vorher hatte die Hessenschau berichtet: „Die erforderlichen Ersatzteile seien bestellt, deren Einbau erfolge in den kommenden vier Wochen.“ Doch kaum war das Fernsehteam abgerückt, hatte sich das Problem erledigt: Zwei Tage später, am Donnerstag ist zunächst der eine, am darauffolgenden Montag der zweite Aufzug wieder in Betrieb.

Die Anwohner konnten das zunächst nicht nachvollziehen: „Der eine geht schon ein halbes Jahr nicht und der andere macht dauernd Probleme“, sagt ein Mann, der im zweiten Stock wohnt. „Da wird einem ein halbes Jahr lang erzählt, wie schwierig es ist, Ersatzteile zu beschaffen und kaum ist das Fernsehen da, geht plötzlich alles wieder.“

Zunächst kein Fehler gefunden

Der Hauseigentümer, die Deutsche Wohnen, war zuvor von einem technischen Defekt ausgegangen. Mehrere Firmen seien bereits wegen der Störung beauftragt worden, hätten den entscheidenden Fehler jedoch nicht finden können: „Da jede Aufzuganlage individuell produziert wird, hat das Geheimwissen gefehlt“, erzählt Rostock. Denn es handelte sich um einen Systemfehler.

Der Monteur, der die Anlage vor 26 Jahren eingebaut hatte, sah den Beitrag der Hessenschau abends im Fernsehen und habe sich kurzerhand bei der Deutsche Wohnen gemeldet. Er selbst wolle allerdings nicht in die Öffentlichkeit.

Das Unternehmen, bei dem er arbeitet, Henss Aufzüge in Flörsbachtal, sagte auf Anfrage des TAGESANZEIGER nur: „Wir freuen uns, dass wir der Wohngemeinschaft weiterhelfen konnten und die nun nicht mehr Treppensteigen muss.“ Weitere Statements oder Ausführungen wollte es jedoch nicht abgeben.

Entschuldigung der Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen entschuldigte sich nochmal für die Unannehmlichkeiten. „Das war für alle sehr anstrengend, nervig und heftig“, räumt er ein. „Wir haben alles versucht, um die Situation so erträglich wie möglich zu machen“. So waren über vier Tage hinweg zwei Mitarbeiter eingesetzt worden, die einen Trageservice angeboten haben. Eine „recht unorthodoxe Hilfe“, findet die Hessenschau. Denn die Mitarbeiter waren jeden Tag von sieben bis 18 Uhr damit beschäftigt, Einkäufe, Kinderwagen und auch kleine Kinder die Stufen rauf- und runterzutragen. „Selbstverständlich gibt es auch eine Mietminderung für die Tage des Ausfalls“, so Rostock.

Außerdem wurden auf jedem Stockwerk zwei Stühle aufgestellt, auf denen die Bewohner verschnaufen konnten. Insbesondere für ältere Bewohner mit Gehschwierigkeiten war das jedoch ein schwacher Trost.

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