Eigenverantwortung und soziales Miteinander schließen sich für Thomas Schäfer nicht aus. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ist Fraport-Manager und lebt seit 1996 in Maintal. Foto:Christian Balke

Maintal

Feriengespräch mit FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Schäfer

​Maintal. Auf der Restaurant-Terrasse der Freien Turner Dörnigheim fand an einem sonnigen Juliabend das erste politische Sommergespräch des Jahres statt.

Von Christian Balke

Thomas Schäfer, 52 Jahre alt und Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, nahm sich für die Redaktion ganz viel Zeit für einen spannenden Austausch über Politisches und Privates.In den kommenden Tagen und Wochen folgen weitere Gespräche mit den politischen Entscheidern der Stadt.

„Entscheiden“, ist dabei ein gutes Stichwort für den als Diplomatensohn weit gereisten Thomas Schäfer. Entscheidungen trifft der Mann, der seit 23 Jahren in Maintal lebt, aus Überzeugung. Abgehoben ist er dennoch nicht, ganz im Gegenteil: Dem Gespräch folgt er sympathisch, offen, neugierig klug und hellwach.

Die Entscheidungs-Kompetenz eines Mannes

„Entscheidungen treffe ich gern“, sagt er, „dies gilt ganz sicher für meine Arbeit bei Fraport und auch für die Politik.“ Entscheidungen seien auch notwendig, sagt Thomas Schäfer, um Menschen und Themen, „zu entwickeln, Aufgaben zu lösen“.

Wer den Lebensweg des verheirateten Vaters einer Tochter nachvollzieht, der zweifelt nicht an der Entscheidungs-Kompetenz des Mannes, der seine Eltern im diplomatischen Dienst unter anderem nach Marokko, Mauretanien, Kamerun und nach Spanien begleitete.

Warum mussten es denn gleich zwei Diplome sein?

Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen – mit der TU Darmstadt „die“ Elite-Schmiede der naturwissenschaftlichen Ingenieurs-Studiengänge – lastete den jungen Schäfer nicht aus: „Da habe ich parallel noch ein Diplom in Wirtschaftswissenschaften gebaut“, sagt der Liberale lächelnd, „stimmt, damals hatte ich tatsächlich keine anderen Hobbys . . .“

Warum mussten es denn gleich zwei Diplome sein? „Ich nenne Ihnen ein Beispiel“, sagt der Mann aus dem Management des Frankfurter Flughafens. „Wenn der Vorstand mir in meinem Job eine Frage stellt, dann erwartet er eine schnelle, kurze und kompetente Antwort. Um die zu geben, bin ich, glaube ich, qualifiziert.“

Spaß an Leistung

Natürlich, sagt Schäfer, setze er ähnlich intensives, entbehrungsreiches Lernen nicht bei allen Mitmenschen voraus: „Nicht jeder kann so etwas leisten“, sagt Schäfer lächelnd, „aber ich finde es spannend und wichtig, Menschen zu Leistung zu motivieren.“ Natürlich müsse man alle Menschen dort abholen, wo sie gerade stünden. Deswegen habe seine Auffassung von liberaler Politik auch nichts Elitäres, sagt Schäfer. Spaß an Leistung und an Werten wie Fleiß und Sparsamkeit könne man bei allen Menschen wecken.

Freiheit, Leistung, Fleiß und Sparsamkeit: Worte und Werte, die auch für die Zukunft von Maintal zentral seien: „Um es gleich voraus zu schicken: Ich gehöre nicht zu denen, die die Arbeit der Bürgermeisterin und des Ersten Stadtrates komplett schlecht reden“, sagt Schäfer. „In vielerlei Hinsicht haben beide diese Stadt gut entwickelt.“ Vor dem Hintergrund sei auch die Entscheidung der Maintaler Liberalen zur Neuwahl eines Ersten Stadtrates zu sehen: „Wir sagen, dass der Herr Sachtleber viel richtig gemacht hat“, sagt Schäfer, „jetzt aber ist es Zeit für etwas Neues. Wir wollen einen Wettbewerb der Besten und in jedem Fall verhindern, dass SPD und CDU sich hier gegenseitig jeweils einen Stadtratsposten zuschustern.“

Keine Hochhäuser in Maintal

Bei allem Lob für den Magistrat: „Mehr Sparsamkeit wäre wichtig!“ Es sei naiv, zu denken, dass die Kommune sich in der Niedrigzinsphase ruhig verschulden könne: „Der Bumerang kommt in der nächsten konjunkturellen Krise garantiert mit Macht zurück geflogen.“ Er wolle nichts beschreien, aber volkswirtschaftliche Anzeichen für einen Abschwung seien da.

Er sei außerdem ein Gegner des derzeit viel diskutierten Hochhaus-Projekts in Dörnigheim. Die Kommune habe sich vor Jahren in der Frage klar positioniert: keine Hochhäuser in Maintal. Zu diesem Grundsatz der Stadtentwicklung stehe er nach wie vor. Natürlich gebe es für jede Regel Ausnahmen. Aber: „Wie wird es dort wohl in einigen Jahren aussehen, wenn der Lack erstmal ab ist? Besser, man baut maximal viergeschossig.“

Maintal wird weiter wachsen

Während er im Privat- und Wirtschaftsleben auf Freiheit, Leistung, Fleiß und Kreativität setze, sei der Staat bei der Bildung für die Kinder und Heranwachsenden in der Pflicht: „Überhaupt nicht sparen dürfen wir an der Bildung unserer Kinder. Die Attraktivität von Maintal hängt maßgeblich auch vom Bildungsangebot ab, das wir hier schaffen.“ Da sei noch viel Nachholbedarf.

Bauen müsse man in einer wachsenden Stadt ohnehin, sagt Schäfer. Weil Maintal weiter wachsen werde: „Ich sehe, dass wir ein Potenzial bis zu 45 000 Einwohnern haben.“ Wenn gebaut werde, bitte auch sozialen Wohnungsbau: „Für die Polizisten, die Krankenschwestern und die anderen hart arbeitenden Menschen und Familien, die sich keine Wohnung in Frankfurt mehr leisten können.“ Das Maintaler Immobilien-Angebot müsse von der bezahlbaren Mietwohnung bis zum freistehenden Haus reichen: „Ein guter Mix eben.“

Daneben sei es wichtig, die Menschen zusammen zu bringen: „Deswegen habe ich mir als Gesprächsort diese Terrasse ausgesucht“, sagt Schäfer, „hier im Verein tanzt meine Tochter, hier haben wir viele Freunde.“ Dieser Gemeinsinn trage dazu bei, dass „sein“ Maintal vor allem eines sei: „Ein lebenswerter Ort der guten Nachbarschaft.“

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