Der Liberalen-Landtagskandidat Thomas Schäfer bringt mit seiner Vorbereitung auf das Interview HA-Redakteurin Kerstin Biehl zum Schmunzeln: Den Apfelsaft zum Interview-Termin "Auf einen Äppler mit.." gibt es aus Gerippten mit FDP-Logo. Auch die passenden Bierdeckel hat der Maintaler parat. Foto: Hässler

Maintal

FDP-Kandidat Thomas Schäfer setzt sich für Freiheit ein

Maintal. "Darauf stoßen wir an" steht auf den Bierdeckeln, auf denen unsere Gerippten mit Apfelsaft platziert sind. Ein strahlender Thomas Schäfer ist darauf abgebildet. Genauso gut gelaunt sitzt er heute im Esszimmer seines Hauses in Maintal-Dörnigheim. Es ist Freitagvormittag, halb neun.

Von Kerstin Biehl

Schäfers Terminkalender ist voll. Neben dem Wahlkampf dürfen die beruflichen Verpflichtungen in nichts nachstehen. Spätestens um 11 Uhr muss der FDP-Landtagskandidat in Frankfurt sein. Bei Fraport arbeitet er dort als Abteilungsleiter, kümmert sich um Umweltfragen, hat 50 Leute unter sich. „Sehr fordernd, mit viel Verantwortung“, sagt der studierte Betriebswissenschaftler und Maschinenbauer.

Verantwortung übernimmt Schäfer bereits seit 1989 in seiner Partei. Jetzt will der langjährige Maintaler Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende in den Wiesbadener Landtag einziehen. Schäfers Tage sind lang. Auch am Wochenende stehen wieder Wahlkampfveranstaltungen auf dem Programm. Für sein Hobby, die Modelleisenbahn, bleibt da momentan keine Zeit. Für den angestrebten Posten will etwas getan werden.

Frühes politisches Engagement

Die Weichen für Schäfers politisches Engagement wurden schon früh gestellt. Als Sohn eines Diplomaten ist er mit Politik groß geworden. Als der Maintaler 1967 auf die Welt kam, lebten die Eltern gerade in Frankreich. Zwei Jahre später ging es nach Casablanca. Es folgten Aufenthalte in Tanger und Mauretanien.

„Dort, inmitten der Sahara, wurde ich eingeschult“, erinnert er sich. Geblieben ist die Familie nie lange an einem Ort. „Alle zwei, drei Jahre sind wir weitergezogen.“ Festere Kinderfreundschaften waren nicht möglich. „Man weiß ja, dass man nie wirklich lange bleiben wird, da schottet man sich automatisch ein wenig ab.“

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1978 ging es nach Gran Canaria, dort war Schäfers Vater Konsul. „Bis dahin war ich auf rein französischsprachigen Schulen. Dort bin ich dann auf ein deutsch-französisches Gymnasium gegangen.“ Den vom Vater vorgegebenen Lebensumständen verdankt Schäfer heute sein breites Repertoire an Fremdsprachen. Und seine Offenheit gegenüber fremden Kulturen.

„Ich kann mich an eine Szene erinnern, in der eine Nachbarin in Tanger meine Mutter fragte, ob sie mich noch verstehe.“ Schäfer schmunzelt. „Hintergrund war der Sprachmix, den wir Kinder damals benutzten. Wir mischten spanische, französische und deutsche Wörter in ein und demselben Satz. Für uns war das ganz selbstverständlich, weil wir mit diesem Mix an Sprachen aufgewachsen sind.“

1982 kam die Familie erstmals zusammen nach Deutschland, lebte in Bonn, wo Schäfer 1986 Abitur machte. Es folgten Wehrdienst und ein Studium des Maschinenbaus in Aachen, zu dem im vierten Semester ergänzend die Betriebswirtschaftslehre hinzu kam. Beide Studiengänge schloss Schäfer mit Diplomen ab. „Meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt in Kamerun. In den Semesterferien bin ich stets dort hin gependelt.“

Vater hat Interesse geprägt

Heute lebt die Mutter als Künstlerin in Bonn, der Vater ist verstorben. Er war es vorrangig, der das Interesse seines Sohnes an Politik geprägt hat. 1989 schloss sich Schäfer den Jungen Liberalen und der FDP an. Anfang 20 war er damals. „Ich habe in Bonn die Zeit der Absetzung Helmut Schmidts mitbekommen, die Nato-Doppelbeschlüsse und Großdemos. Auch das hat geprägt.“

Die Liberalen seien ihm vom Gedankengut her immer am nähsten gewesen. Relativ schnell engagierte sich Schäfer im Bundesvorstand der Jungen Liberalen. Bei der FDP ist er nach seinem Studium richtig eingestiegen. In der Zeit, in der er nach Maintal gekommen ist. Seit 2001 sitzt er dort im Stadtparlament, seit 2011 ist er Fraktionsvorsitzender.

Nach der krachenden Niederlage der Liberalen bei der Bundestagswahl 2013 hat Schäfer von der Basis aus viel vorangebracht, Aufbauarbeit geleistet. „Ich denke, wir hatten ein ganz gutes Comeback. 12,8 Prozent, von zwei auf sechs Sitze und ein Magistratsmitglied.“ Diesen Schwung habe er mitgenommen, um für den Landtag zu kandidieren. Auch für den Bundestag hat Schäfer bereits kandidiert. Das allerdings sei eigentlich eine reine Zählkandidatur gewesen.

Für die Landtagswahl gibt sich Schäfer, der auf Listenplatz 14 steht, optimistisch. „Ohne Überhangmandate benötige ich zwölf Prozent. Ich denke, es ist nicht ganz abwegig, dass es klappen könnte.“

"Ein Mann der klaren Linie"

Schäfer bezeichnet sich selbst als verlässlich, engagiert, als Mann mit klarer Linie. Er hat von dem, für das er sich im Landtag einsetzen möchte, eine klare Vorstellung. „Es gibt drei Bereiche, für die ich mich besonders engagiere. Das ist die frühkindliche Bildung mit einem Ausbau der Kitas für U3 und Ü3. Weiterhin setze ich mich für die Förderung der autonomen Mobilität zu Lande, auf der Schiene, zu Luft und zu Wasser in Hessen ein. Außerdem muss unsere Verkehrsinfrastruktur bei Schiene und Straße endlich gestärkt werden. Und die ordentliche Ausstattung der Kommunen mit finanziellen Mitteln durch das Land muss gesichert sein.“

Die Freiheit und die eigene Entscheidungsfähigkeit der Menschen müssten mehr Gewicht erhalten. Dafür müsse der Staat die Grundlagen legen, sagt Schäfer. Alles vorschreiben zu wollen, sei der falsche Weg. Vielmehr funktioniere Politik nur im Gespräch mit Andersdenkenden und in der Suche nach einem Kompromiss, der die Meinung nicht zukleistere.

In Bezug auf die AfD ist Schäfer jedoch nicht bereit, Kompromisse einzugehen. „Wenn es nach denen ginge, hätte es meine Tochter nie gegeben.“ Schäfers Ehefrau Anahit stammt aus Armenien. Die gemeinsame Tochter ist acht Jahre alt. Das erklärt die Vehemenz in Schäfers Aussage. Politische Probleme, sagt er, könne man sehr wohl ansprechen und die Sorgen der Menschen müsse man durchaus sehr, sehr ernst nehmen. Aber die AfD setze voll und ganz auf Fremdenhass. Dabei käme es darauf an, Lösungen anzubieten. Mit Ausländer- und Fremdenhass Politik zu machen, sei ein Unding.

„Es erschreckt zutiefst, dass hochgebildete Menschen für die AfD Politik machen und diese so unreflektiert einen derartigen Weg einschlagen. Umso wichtiger ist es, dass wir anderen Parteien uns um die breite Gesellschaft kümmern. Um die in der Mitte, die den Karren ziehen.“ Sacharbeit und Sachargumente seien hier gefragt, um zu versuchen, die Menschen zurückzugewinnen, die in Richtung AfD drifteten.

Die Erinnerung an sein Aufwachsen, an die Lebensumstände der Menschen in den verschiedenen Ländern, in welchen Schäfer gelebt hat, haben ihn geprägt. „Ich habe unheimlich viel von der Welt gesehen. Ich denke, ich kann Armut und Probleme in Deutschland dadurch ganz anders beurteilen und besser einordnen.“1996 hatte Schäfers Nomadentum ein Ende. Damals ist er als Trainee zu Fraport und damit nach Maintal gekommen. Und geblieben. Der Weltreisende hat Wurzeln geschlagen. Auch wenn der Flughafen nicht weit ist.

Hier können Sie den Kandidaten Fragen stellen:

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