Endlich: Die Mainfähre ist wieder an ihrer Anlegestelle in Dörnigheim. Foto: Axel Häsler

Maintal

Fähre wieder im Wasser - Verbindung ab nächster Woche aktiv

Maintal. Es war ein Mittwoch, der 11. Oktober 2017, als die Mainfähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim stillgelegt wurde.Genau 631 Tage später wurde sie nun zu Wasser gelassen. Voraussichtlich Anfang nächster Woche soll der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Von Carolin-Christin Czichowski

„Mir fällt echt ein Stein vom Herzen“, sagt Pächter Mahir Kolbüken mit Blick auf die Anlegestelle. „Es war ein langer Weg bis hierhin.“ Seit mehr als eineinhalb Jahren setzten sich Bürger für die Wiederaufnahme der Fährverbindung ein, Politiker und Verwaltungen stritten über die Verantwortung und die Kosten für den Betrieb und nicht zuletzt für eine aufwendige Sanierung des Schiffes. Sechs Wochen lang haben Viktor Rawwe und ein Kollege jeden Tag am Mainufer gewerkelt, haben unter anderem Bolzen erneuert und das Schiff in drei Schichten konserviert. „Außerdem haben wir den kompletten Rumpf ausgetauscht“, erklärt der Schiffbauer, der in der Nähe von Karlsruhe lebt.

Laut Pächter Kolbüken wären nicht all diese Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen jetzt schon nötig gewesen. Doch das nötige Fährzeugnis, eine Art Tüv-Plakette, wäre nur noch zwei Jahre gültig gewesen. „So bekommen wir das Zertifikat jetzt für die nächsten fünf Jahre“, sagt Kolbüken. „Wir dachten uns, dass wir das gleich alles überprüfen, wenn die Fähre jetzt schon einmal an Land ist.“

Schon ab 7 Uhr waren die Spezialisten im Einsatz

Auch gestern legt Schiffbauer Rawwe nochmal Hand an der „MS Dörnigheim“ an, ehe der rund 35 Tonnen schwere Koloss per Baukran in den Main gehievt wird. Mit dem Pinsel läuft er um das Schiff, das mit Schlaufen am Kran befestigt ist und einige Zentimeter in der Luft hängt. Hier und da bessert er noch ein wenig aus. „Das sind aber alles kosmetische Nachbesserungen.“

Schon ab 7 Uhr morgens waren die Spezialisten der Firma Eisele am Mainufer, haben zunächst den Baukran aufgestellt. 50 Tonnen Kontergewicht waren nötig, um die Fähre in die Luft zu heben und anschließend sicher auf dem Main abzusetzen. Kranführer Jans-Jörgen Heinrich aus Hanau hat die ganze Zeit die Handzeichen seiner Kollegen im Blick, während er das Schiff durch die Luft manövriert.

„Unser Kampf hat sich gelohnt“

Beinah minütlich bleiben Fahrradfahrer und Fußgänger am Mainufer stehen und beobachten das Spektakel. „Ich freue mich so“, sagt Monika G. „Ich werde mir direkt eine Zehnerkarte für die Fähre kaufen.“ Durch die Inbetriebnahme der Verbindung zwischen Maintal und Mühlheim werde ihre gesamte Familie entlastet. „Meine Tochter wohnt in Obertshausen. Wenn ich sie besuchen will, ist das ohne die Fähre eine halbe Weltreise.“

Außerdem arbeite ihre Tochter in Dörnigheim. „Sie kann jetzt auch morgens länger schlafen, weil sie nicht mehr so lange zur Arbeit braucht.“ Auch Dieter Winterstein, Mitglied der WAM-Fraktion und der Bürgerinitiative Mainfähre, schaut gestern Morgen am Mainufer nach dem Rechten. „Unser Kampf hat sich gelohnt“, sagt er. „Auch wenn wir schon viel früher damit gerechnet hätten, dass der Betrieb wieder aufgenommen wird.“

Kosten waren ein Streitpunkt

In zahlreichen Sitzungen hat die Mainfähre in den vergangenen Monaten die Maintaler Gremien beschäftigt, Bürger und Politiker haben sich unermüdlich für die Wiederaufnahme des Fährbetriebs eingesetzt. Doch oft sah es nicht nach einem glücklichen Ende aus. Im Oktober 2017 hat der Landkreis Offenbach, der nach wie vor Besitzer und Betreiber der über 100-jährigen Fährverbindung ist, dem damaligen Pächter gekündigt, weil dieser Sicherheitsvorschriften missachtet haben soll. Bis zum vergangenen Frühjahr hat es gedauert, bis ein neuer Pächter gefunden wurde. Doch einen Pächter für die mehr als 50 Jahre alte Fähre zu finden, war in dem ganzen Prozedere um die Reaktivierung der Verbindung über den Main allerdings nur eine der Baustellen.

Eine andere waren die Kosten für notwendige Reparaturen und für den Unterhalt des Betriebes. Denn der Landkreis Offenbach sah auch die Anrainerstädte Maintal und Mühlheim sowie den Main-Kinzig-Kreis in der Pflicht.

Fährbetrieb soll kommende Woche starten

Letztlich ging dann alles sehr schnell: Im März sagte die Maintaler Stadtverordnetenversammlung finanzielle Unterstützung zu, nur wenige Tage später zog Mühlheim nach. Es folgten die Vertragsunterzeichnung mit dem neuen Pächter Mahir Kolbüken, die Sanierungsmaßnahmen an dem Schiff sowie die sogenannte Landrevision, bei der das Fährzeugnis erteilt wurde.

Kommende Woche soll die Mainfähre zum ersten Mal seit mehr als eineinhalb Jahren nach Mühlheim übersetzen. Einen konkreten Termin dafür kann Pächter Kolbüken allerdings noch nicht nennen. „Wir hoffen, dass es schon am Montag so weit sein wird“, erklärte er am Donnerstag.

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