Am Fähranleger festgezurrt: Wenn man die MS Dörnigheim so am Ufer liegen sieht, wie hier Ende Juli, teilweise ins Mainwasser getaucht mit leichter Schlagseite, kommt die Frage auf, ob die Fähre tatsächlich in fahrbereitem Zustand ist. Dies hatte der Erste Stadtrat Sachtleber in der Stadtverordnetenversammlung gesagt. Archivfoto: Christian Balke

Maintal

Fähre: Vertrag gekündigt - Betreiber muss Geld zurückerstatten

Maintal. Parallel zur Veröffentlichung einer entsprechenden Pressemitteilung des Kreises Offenbach verkündete Maintals Erster Stadtrat Ralf Sachtleber am Montagabend Neuigkeiten in Sachen Mainfähre. Und die haben es in sich.

Von Christian Balke

Vor der Stadtverordnetenversammlung im Bischofsheimer Bürgerhaus sagte Sachtleber, dass der Vertrag des Fährbetreibers Mahir Kolbüken mit der Stadt Maintal ab sofort hinfällig sei. Dies sei die logische und rechtliche Folge der Beendigung des Vertragsverhältnisses vom Kreis Offenbach und dem Fährbetreiber.

Der Offenbacher Kreisausschuss habe laut Sachtleber beschlossen, dass der Kreis basierend auf eigenen Erkenntnissen und nach eigenem Ermessen das Vertragsverhältnis mit Kolbüken fristlos beende und für diesen Schritt nicht das Ende der offiziellen behördlichen Untersuchungen abwarte.

Polizei ermittelt weiter

Die Dörnigheimer Mainfähre war nach jahrelanger Unterbrechung der Fährverbindung am 8. Juli dieses Jahres wieder über den Main gefahren. Allerdings nur für vier Stunden. Dann riss, mutmaßlich durch einen Fahrfehler bedingt, eines der Stabilisierungsseile des Führungsseils.

Die Fähre trieb daraufhin mit Fahrgästen an Bord manövrierunfähig auf dem Main, was einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei zur Folge hatte. In den Tagen nach dem Unglück kamen öffentliche Zweifel auf, ob sich zur Zeit des Unglücks überhaupt jemand mit einem gültigen Fährpatent an Bord befunden habe. Zweifel, die sich in der Folge zur Gewissheit verdichteten. Die offiziellen polizeilichen Untersuchungen laufen freilich noch.

Versicherungsfachmann versuchte sich als Fährmann

Nur Tage vor dem Unglück hatten die Stadt Maintal, der Main-Kinzig-Kreis und der Kreis Offenbach in einer großen Pressekonferenz das neue Fährkonzept vorgestellt. Mit dem Fährbetreiber Mahir Kolbüken – eigentlich ein Versicherungsfachmann – war ein Dreijahresvertrag geschlossen worden.

Für die Laufzeit des Vertrages hatten die Stadt Maintal und der Main-Kinzig-Kreis Kolbüken insgesamt 50 000 Euro an Betriebskostenzuschüssen in Aussicht gestellt, die in Gänze vom Main-Kinzig-Kreis aufgebracht werden sollten. Eine ähnliche Regelung hatten auch der Kreis Offenbach und die Stadt Mühlheim mit dem mittlerweile gescheiterten Fährmann vereinbart. Auf der Stadtverordnetenversammlung kam am Montagabend die Frage auf, wie viel Geld Maintal dem Fährbetreiber bereits gezahlt habe und wofür das Geld verwendet werden solle.

Mahir Kolbüken (Archivfoto: Axel Häsler)Geld zurück

Maintaler Geld sei derweil nicht geflossen. Der Main-Kinzig-Kreis habe der Stadt Maintal einen Betriebskostenzuschuss von 50 000 Euro für drei Jahre überwiesen, sagte Sachtleber: „Wir haben den Betriebskostenzuschuss für das laufende Jahr anteilig an den Kreis Offenbach überwiesen“, so der Erste Maintaler Stadtrat. Außerdem, sagte Sachtleber, habe der Kreis Offenbach Betriebskostenzuschüsse in gleicher Höhe an den Fährbetreiber gezahlt. Der im Fährkonzept vorgesehene Instandhaltungszuschuss von 25 000 Euro sei nicht angewiesen worden, sagte Sachtleber.

Dennoch führten die im Voraus gezahlten Betriebskosten-Zuschüsse nun zu einem ganzen Kreislauf finanzieller Rückabwicklungen, sagte Sachtleber: Der Kreis Offenbach müsse von Kolbüken nun den Betriebskostenzuschuss der Fähr-„Förderer“ zurückfordern. Der Kreis Offenbach solle dann den Anteil des Main-Kinzig-Kreises zurück überweisen: „Wir zahlen dann das Geld an den Main-Kinzig-Kreis zurück.“

Neue Ausschreibung

Der Kreis Offenbach habe bereits angekündigt, das Geld von Kolbüken einzufordern, der Main-Kinzig-Kreis habe sich dahingehend noch nicht eingelassen, sagte Sachtleber. Nicht ohne eine gehörige Prise Zynismus erinnerte die CDU daran, dass man dem Fährbetreiber immerhin den Betriebskostenzuschuss für vier Stunden Fährbetrieb schulde: „Den Rest wollen wir zurück haben.“

Abgesehen von der Beendigung der Zusammenarbeit mit Fährbetreiber Mahir Kolbüken planen Maintal, der Kreis Offenbach und der Main-Kinzig-Kreis weiter mit der Mainfähre in Dörnigheim: „Wir haben beschlossen, eine neue Ausschreibung für die Mainfähre zu starten“, sagte Ralf Sachtleber dem versammelten Plenum, „und zwar so schnell wie möglich.“

Die Fähre sei in einem fahrtüchtigen Zustand, sagte Sachtleber, und die Beteiligten würden keinen Grund sehen, vom Vorhaben einer Fährverbindung abzurücken: „Allerdings hat der Kreis Offenbach gesagt, dass vorher eine intensive Beratung durch den Deutschen-Fähr-Verband erfolgen soll.“

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