Heute endet der Pachtvertrag für den Fährbetrieb auf dem Main zwischen Dörnigheim und Mühlheim. Schon am Dienstag lag das Gefährt abgehängt am Ufer. Ob sich ein neuer Pächter oder gar Käufer findet, ist ungewiss. (Foto: Kalle)

Maintal

Fährbetrieb: Kreis kappt die Reißleine

Maintal. Die Fähre zwischen Mühlheim und Dörnigheim gehört für viele zu Maintal wie die Skyline zu Frankfurt. Seit über 40 Jahren ist das Gefährt bereits in Betrieb und bringt täglich Menschen von Offenbach nach Maintal und in die andere Richtung. Doch jetzt ist erst einmal Schluss mit dem Übersetzen.

Von Elfi Hofmann

Der Kreis Offenbach als Eigentümer der Fähre hat den bestehenden Pachtvertrag fristlos zum heutigen Mittwoch gekündigt. Schon Dienstag, 10. Oktober, gab es keine Fahrten mehr.

Immer wieder stand die Fähre in den vergangenen Monaten still. Mal war es Hochwasser oder Treibeis, das den Betrieb unmöglich machte, mal Reparaturarbeiten, die ein Auslaufen verhinderten. Wann die Fähre diesmal wieder fahren wird, steht in den Sternen. Denn: Bei mehreren Kontrollen seien erhebliche Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften festgestellt worden, wie der Kreis Offenbach in einer Pressemitteilung erklärt.

Pächter haben Auflagen nicht eingehalten

„Die Fähre muss auf eine bestimmte Art und Weise beladen werden. Und manche Beladungen sind eben unzulässig“, sagt Ursula Luh vom Fachdienst Presse- und Bürgerinformation des Kreises. Alle fünf Jahre werde ein Fährzeugnis vergeben, für das es Auflagen im Sinne der Stabilität gäbe. „Das muss man sich wie beim TÜV vorstellen“, so Luh.

Die Pächterfamilie Spiegel habe sich allerdings nicht an diese Auflagen gehalten, obwohl ihnen mehrfach mitgeteilt worden sei, dass es Mängel gäbe. Irgendwann hätten sich die Verantwortlichen dann entschieden, die notwendigen Schritte einzuleiten, da auch die letzte Kontrolle keine Änderung ergeben habe. „Der Eigentümer – und das ist der Kreis – wäre dran, wenn etwas passiert. Und das wollten wir vermeiden“, erklärt Luh. Eine Alternative habe es in diesem Fall nicht gegeben.

Zwei Varianten für die Zukunft möglich

Wie es jetzt mit der Fähre weitergeht, steht noch nicht fest. Allerdings will der Kreis schnell eine Lösung finden, um den Betrieb wieder aufzunehmen. Zuerst muss aber eine Übergabe der Fähre bis zum 31. Oktober erfolgen, „ähnlich wie bei einer Wohnung“. Dabei wird zum Beispiel geprüft, ob die Pächter noch private Gegenstände auf dem Verkehrsmittel haben. Erst wenn das erledigt ist, könne man sich intensiv um eine Lösung bemühen. Im Moment stehen zwei Varianten im Raum: Entweder wird ein neuer Pächter gesucht oder die Fähre wird verkauft. Für beide Lösungen müssten sich allerdings Interessenten finden, die bereit sind, den Dienst zu übernehmen. Und der sieht vor, von Montag bis Samstag zwischen 6 und 21 Uhr überzusetzen und sich natürlich an die Regeln zu halten, was das Beladen betrifft.

Fähre soll bleiben

Dass die Fähre in Maintal bleiben soll, ist für die meisten klar, hängen doch auch viele Erinnerungen an dieser Institution. Bereits im Februar hatten die Kreis-Grünen in einem Antrag für die Anerkennung der Fährbetriebe in Mühlheim und Seligenstadt als Bestandteil des regionalen Mobilitätsgesetzes plädiert.

Außerdem sollte geklärt werden, ob die KVG (Kreisverkehrsgesellschaft) die beiden Mainfähren übernehmen und damit sichere Betriebszeiten garantieren könnte. Letztendlich wurde ein Antrag ausgearbeitet, laut dem in Mühlheim die Nutzerzahlen und deren weitere Entwicklung geprüft werden sollten.

Konstruktive Lösung muss her

Für die Wahlalternative Maintal – Soziale Gerechtigkeit (WAM) ist die momentane Entwicklung keine Überraschung. Nur den Pächtern möchte sie nicht die Schuld geben, schließlich sei die Fähre schon über 40 Jahre in Betrieb. Über eine Neuanschaffung sei „ernstlich nachzudenken“, heißt es in einer Pressemitteilung der WAM. Auch eine Fähre mit Elektroantrieb, wie es sie am Mittellandkanal gäbe, ist für die Verantwortlichen eine Alternative. Ganz oben steht für die WAM allerdings die Zusammenarbeit der zwei Kreise sowie der beteiligten Städte mit den Pächtern, um zu einer konstruktiven Lösung der derzeitigen Probleme zu kommen, wozu auch Personalengpässe gehören.

Dass die Fähre nicht mehr übersetzt, davon haben die meisten Bürger wohl aus der Zeitung erfahren. Eine Mitteilung hängt nämlich nicht an dem Gefährt, das schon gestern nicht mehr gefahren ist und bereits abgehängt einsam am Mainufer liegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema