Im Duell mit einem Weltstar: In der Fußball-Bundesliga lief Sarroca für Eintracht Frankfurt auch gegen Bayern München auf. Hier wird er von Lothar Matthäus unsanft von den Beinen geholt. Foto: Privat

Maintal

Ex-Fußballprofi Josef Sarroca ist Filialleiter einer Bäckerei

Maintal. Er hat mit Charly Körbel und Thomas Berthold gespielt, wurde von Lothar Matthäus umgegrätscht. Im ZDF-Sportstudio schoss er auf die legendäre Torwand. Heute ist Josef Sarroca Filialleiter der Schaan-Bäckerei in Bischofsheim.

Von Michael Bellack

Es ist ein eher ungewöhnlicher Werdegang für einen Fußballprofi, der auf 33 Bundesliga-Spiele für Eintracht Frankfurt und 153 Partien in der zweiten Bundesliga, die meisten für den FSV Frankfurt, zurückblicken kann.

Spieler, die heute ähnliche Statistiken vorweisen können, haben meist schon in der Mitte der Karriere ausgesorgt. In den 1980er Jahren war das keinesfalls so. „Das ist in keinster Weise vergleichbar“, erzählt Sarroca beim Gespräch in seiner Bäckerei-Filiale.

Auf die Fußballerkarriere folgt zunächst eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker

Er gehört noch zu der Generation Fußballprofis, die sich auch über die Zeit nach ihrer Karriere Gedanken machen mussten. „Erst gegen Ende meiner Karriere hatte ich einen Berater. Ansonsten war jeder für sich selbst zuständig. Was man nebenbei gemacht hat, hat keinen interessiert“, sagt der heute 59-Jährige. „Ich bin noch ganz normal zur Schule gegangen und habe meinen Berufsabschluss gemacht“, erzählt Sarroca, der in Saragossa geboren wurde und mit zwei Jahren nach Deutschland kam.

Anschließend folgte eine vierjährige Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, die Sarroca als Geselle abschloss. Nebenbei kickte er als Halbprofi für den FSV Frankfurt. In der Saison 1985/86 folgte nach einem einjährigen Engagement beim VfR Bürstadt der Sprung zur Eintracht in die Bundesliga. „Als Vollprofi hatten wir sechs bis sieben Trainingseinheiten“, so Sarroca. „Auch das ist mit heute nicht mehr zu vergleichen.“

"Ich bin absoluter Quereinsteiger"

Nach einer vielversprechenden Saison musste er dann Platz machen. Für keinen Geringeren als den späteren Welt- und Europameister Andreas Möller. „Völlig zu Recht. Der war mit 18 Jahren schon eine Granate“, erinnert sich Sarroca zurück. Es folgten die Stationen Viktoria Aschaffenburg und erneut der FSV Frankfurt. Beim KSV Klein-Karben ließ er seine Spielerkarriere ausklingen.

Da hatte er den Blick schon auf sein Leben nach dem Fußball gerichtet. Elf Jahre lang leitete er eine Videothek in Bischofsheim, ehe das Geschäft im Zuge der Streaming-Angebote im Internet einbrach. Über Bekannte bekam er dann das Angebot, als Franchise-Nehmer bei der Bäckerei Schaan einzusteigen. „Ich bin absoluter Quereinsteiger“, sagt Sarroca.

Der Vater zweier Töchter ist allein für die Filiale verantwortlich, eine Aushilfe unterstützt ihn gelegentlich. „Selbstständig heißt selbst und ständig. Ich versuche so viel wie möglich zu arbeiten.“ Dass er Spaß bei der Arbeit hat, sieht man im Umgang mit seinen Kunden. Viele sind Stammkunden und kommen regelmäßig vorbei. Hauptthema beim kurzen Plausch ist natürlich der Fußball.

Sarroca denkt noch gerne an die Highlights seiner Karriere zurück

Der hat Sarroca auch nach der Zeit als Aktiver begleitet. Als Trainer war er im Kreis beim Dörnigheimer SV, beim FC Büdesheim und beim SV Kilianstädten tätig. Nach seiner letzten Station bei der SG Riederwald hat er vor zwei Jahren aufgehört. Und zwar endgültig. „Ich habe darauf keine Lust mehr. Die Einstellung der jetzigen Generation ist mit meiner nicht vereinbar“, erzählt Sarroca. Dass der Fußball für viele nur noch an zweiter oder gar dritter Stelle steht, kann er nicht nachvollziehen.

Fragt man Sarroca nach den Highlights seiner Karriere, fallen schnell die Namen der großen Vereine wie Borussia Dortmund und Bayern München, gegen die er gespielt hat. Außerdem wurde ihm eine ganz besondere Ehre zuteil. Als Spieler des FSV Frankfurt wurde er nach dem Gewinn eines Pokalwettbewerbs ins ZDF-Sportstudio eingeladen.

Dort durfte er sich auch an der legendären Torwand versuchen. Mit bescheidenem Erfolg, wie er schmunzelnd zugibt. Kein einziger seiner sechs Schüsse fand den Weg ins Schwarze. Stolz auf den Auftritt ist Sarroca natürlich trotzdem.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema