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Evangelische Gemeinde Bischofsheim wappnet sich für die Zukunft

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Die evangelische Gemeinde Bischofsheim in Maintal arbeitet für die Zukunft. Archivfoto: Jan Max Gepperth
Die evangelische Gemeinde Bischofsheim in Maintal arbeitet für die Zukunft. Archivfoto: Jan Max Gepperth

Maintal. Sinkende Mitgliederzahlen und eine damit einhergehende finanzielle Schieflage in den Gemeinden, dazu viel Unmut in der Bevölkerung durch anhaltende Skandale: Kirche in Deutschland ist in der Krise.

Von Carolin-Christin Czichowski

Auch die evangelische Gemeinde Bischofsheim bleibt davon nicht verschont. Doch die Mitglieder des Kirchenvorstands rund um den geschäftsführenden Pfarrer Jens Heller und Pfarrerin Kirsten Schulmeyer haben konkrete Pläne für die Zukunft.

"Kirche muss heute dahin gehen, wo die Menschen sind"

„Kirche muss heute dahin gehen, wo die Menschen sind“, sagt Heller. Das will die evangelische Gemeinde Bischofsheim vor allem durch Präsenz auf öffentlichen Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt oder der Reihe „Maintal isst bunt“ schaffen. Auch den Gottesdienst bringen die Verantwortlichen dahin, wo die Bürger sind.

„An Himmelfahrt veranstalten wir zum Beispiel einen Gottesdienst am Anglersee“, so Heller. Außerdem will man das kulturelle Angebot erweitern und damit ein breiteres Publikum ansprechen. „Zum Beispiel durch Lesungen oder Vorträge“, erklärt Jan Max Gepperth, seit 2017 Mitglied des Kirchenvorstands. Zudem gibt es Pläne zu Kooperationen mit Vereinen und Institutionen vor Ort.

Auch in Bischofsheim verzeichnet die Gemeinde sinkende Mitgliederzahlen. „In 2011 hatten wir gut 3500 Mitglieder, heute sind es noch knapp 2900“, erklärt Heller. Ihre Hochphase hatte die Gemeinde in den 1960er Jahren mit knapp 6000 Mitgliedern. „Danach hat sich die Zahl bei etwa 5500 eingependelt“, so der Gemeindepfarrer.

Rückgang durch demografischen Wandel

Der Grund für den anhaltenden Rückgang auf mittlerweile nicht mal mehr 3000 Mitglieder sind vor allem der demografische Wandel, aber auch die Kirchenaustritte. „Man sieht zum Beispiel, dass Menschen nach der ersten Gehaltsabrechnung austreten, weil sie keine Kirchensteuer zahlen wollen“, erklärt der Pfarrer. Zum anderen sei mittlerweile der Austritt aus der Kirche nicht mehr mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. „Früher musste man zum Amtsgericht, um aus der Kirche auszutreten. Heute kann man das im Stadtladen erledigen“, erklärt Pfarrerin Kirsten Schulmeyer.

Auch Skandale in der katholischen Kirche wirken sich laut Pfarrer Heller negativ auf die evangelische Kirche aus. Als etwa die Debatte um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aufflammte, nachdem dieser sich für mehrere Millionen Euro eine Luxus-Residenz bauen ließ. Oder die Missbrauchsfälle durch Pfarrer, Priester und Nonnen, die nun nach und nach an die Öffentlichkeit gelangen. Auch die evangelische Kirche haben diese Vorfälle Mitglieder gekostet, sagt Heller.

Ein weiteres Problem, dem sich die Verantwortlichen ausgesetzt sehen, ist das manchmal überholte Bild, das viele Menschen von der Institution Kirche haben. „Wenn jemand etwa zuletzt vor 30 Jahren etwas mit der Kirche zu tun ‧hatte, zum Beispiel bei der Konfirmation“, erklärt Heller. ‧Dieses Problem kennt auch Vorstandsmitglied Christina Geißler. „Als ich mich vor sechs Jahren für den Vorstand habe aufstellen lassen, wurde ich schon schief angeguckt“, erklärt sie. „Man muss den Menschen klarmachen, dass Kirche nicht mehr Faltenrock und Dutt ist.“

Auf Menschen zugehen

Auch dass die Gemeindearbeit weit über den sonntäglichen Gottesdienst hinausgeht, machen sich viele nicht bewusst. „Gerade deshalb ist es umso wichtiger, offen auf die Menschen zuzugehen“, sagt Heller.

„Die sinkenden Mitgliederzahlen schwächen zunehmend den Finanzhaushalt unserer Gemeinde“, sagt der Pfarrer. Die prekäre Finanzlage hatte in den vergangenen Jahren auch schon Auswirkungen auf das Gemeindeleben in Bischofsheim: „Bis 2013 hatten wir eine volle Küsterstelle, die aber mittlerweile auf24 Wochenstunden reduziert ist“, erklärt Heller. Gleiches passierte auch in der Jugendarbeit der Gemeinde: Die volle Stelle wurde vor fünf Jahren auf eine halbe gekürzt.

Zudem ist die Zukunft der Kirchenmusik noch ungewiss: Um die Zusatzstunden der Kantorin Andrea Tetens zu finanzieren, will die Kirchengemeinde auf kreative Lösungen zurückgreifen. Eine Idee dabei ist, Sponsoren für die Kirchenkonzerte zu finden. „Das sind schon Einschnitte in den Gemeindealltag“, sagt Pfarrer Heller.

Verbesserung des Angebots

Dennoch habe es die Gemeinde geschafft, ihr inhaltliches Angebot in den vergangenen Jahren sogar zu verbessern. Doch auch da werde es immer schwieriger, die Angebote aufrechtzuerhalten. „Wir haben immer wieder Probleme, die nötige Anzahl von ehrenamtlichen Helfern zusammen zu bekommen“, so Heller. Rund 130 Namen zählt die Liste der Ehrenamtlichen in der Bischofsheimer Gemeinde. Von Gemeindebriefausträgern bis hin zu Aktiven in der Kirchenmusik ist dabei alles vertreten.

Pfarrerin Schulmeyer blickt trotz aller Probleme positiv in die Zukunft ihrer Gemeinde und der Kirche generell: „Es wird immer Menschen geben, die nach Sinn und Antworten suchen“, sagt sie. „Wenn es die Kirche vielleicht nicht immer in ihrer heutigen Form geben wird, wird sie dennoch fortbestehen.“

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