Eigenwilliger Theatermann rezitiert Schillerballaden im Comoedienhaus: Erland Schneck-Holze begeistert bei der Benefiz-Soiree mit seiner ganz eigenen Interpretation. Foto: Pauly

Maintal

Erland Schneck-Holze rezitiert Schiller bei Lions-Benefiz-Soiree

Maintal/Hanau. „Es wird etwas schaurig werden“, verspricht Literaturpädagogin und Germanistin Ursula Zerlinger in ihrer fundiert historischen und gleichzeitig launigen Einführung zur Benefiz-Soiree rund um Schillers Balladen im Wilhelmsbader Comoedienhaus, zu der der Förderverein des Lions Clubs Maintal geladen hatte.

Von Andrea Pauly

Der Hanauer Pädagoge und Gründer der Theatergruppe der Hohen Landesschule Erland Schneck-Holze, hatte gemeinsam mit Elke Hohmann, Leiterin der Volkshochschule (VHS) Hanau, diese Idee entwickelt und rezitierte auf seine unnachahmliche Weise eine Balladenauswahl des großen deutschen Dichters. Umrahmt wurden seine Interpretationen vom Klavierspiel der jungen virtuosen Pianistin Yeo-Jin-Park, Dozentin an der Paul-Hindemith-Schule, mit romantischen bis zu dramatischen Kompositionen von Franz Schubert und Edvard Grieg.

Im gut besuchten Comoedienhaus begrüßte Lions-Präsident Erhard Rohrbach das Publikum und namentlich auch die Ehrengäste, unter ihnen Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher. Anschließend bedankte sich der Präsident bei allen Sponsoren und Helfern, die die Veranstaltung möglich gemacht hatten und betonte die Bedeutung der VHS Hanau auch im Bereich des Kursangebotes für Flüchtlinge, die sich inzwischen nicht nur auf den Deutschunterricht beziehen.

„Balladenjahr“ 1797In einem poetischen Wettstreit zwischen den Dichtern und Freunden Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller seien im sogenannten „Balladenjahr“ 1797 sehr viele Balladen, wie Goethes „Der Schatzgräber“ und „Der Zauberlehrling“ und Schillers „Der Handschuh“ und „Der Taucher“ entstanden, erläuterte Ursula Zierlinger in ihrem folgenden Vortrag. In diesen Werken dienten die an das Mittelalter und die Antike angelehnten Schauplätze als Bühne zur Veranschaulichung abstrakt-weltanschaulicher und human-sittlicher Probleme.

Ziel war es, mit den Balladen „Literatur“ einem breit gefächertem Publikum zu präsentieren. Denn diese Gattung vereint Elemente der Dramatik, Lyrik und Epik in einem Werk. Dabei beinhaltet sie meist ein Balladenurteil, das wie in der Fabel eine moralische Lehre transportiert, die dem Leser direkt oder indirekt dargeboten wird. Mehrere Gattungen also in einem „Lied“, das den Zuhörenden aufwühlt, die Seele berührt und ihn Mores lehrt – das gilt auch für Schillers Balladen, die zum Großteil im alten Griechenland oder im finsteren Mittelalter spielen.

Gefühlswelt den Menschen hat sich kaum verändertWaren sie einst elementarer Bestandteil des bürgerlichen Bildungsgutes, könnte man sich fragen, was hat ein aufgeklärter Mensch unserer technisierten Gesellschaft mit diesen alten Zivilisationen noch zu tun? „Äußerlich“ erstmal wenig, aber auf der Gefühlsebene wird schnell klar, dass sich der Mensch in den letzten Jahrhunderten kaum gewandelt hat. Wird er doch auch heute noch oft genug von niederen Trieben geleitet und kann unter seiner dünnen zivilisierten Oberfläche immer noch als das viel zitierte „größte Raubtier“ unseres Planeten bezeichnet werden, was Schiller einprägsam und scharfsinnig in seinen Balladen darstellt.

Aber der Idealist Schiller, der im wahren Leben nicht selten „knapp bei Kasse“ war und dessen „Götterpläne“ sich im Hintergrund gezwungenermaßen oft als „Mäusegeschäfte“ erwiesen, zeigt auch Möglichkeiten zur Veredelung des Menschen auf. Vorbildlich sind zum Beispiel die Treue und gegenseitige Aufopferung der beiden Freunde in der „Bürgschaft“, die dann auch belohnt werden, vorbildlich die Tochter des Königs im „Taucher“, die dem Wahnsinn ihres Vaters Einhalt gebieten will.

Viel Einsatz von Schneck-HolzeSchneck-Holze, Kulturpreisträger und Gründungsmitglied des Maintaler Lions Clubs, rezitierte die Schiller-Balladen auf seine ihm eigene Façon mit ganzem Körpereinsatz, modulierendem Stimmvolumen, mal heiser flüsternd, mal dröhnend laut – eine spannende und eigenwillige Interpretation, die der Benefiz-Soiree ihren individuellen Charakter verlieh.

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