Vorgänger und Nachfolgerin: Jennifer Gutberlet verabschiedete am Montagabend zunächst Karl-Heinz Kaiser (beide SPD) als Stadtverordnetenvorsteher, ehe sie selbst neu in das Amt gewählt wurde.
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Vorgänger und Nachfolgerin: Jennifer Gutberlet verabschiedete am Montagabend zunächst Karl-Heinz Kaiser (beide SPD) als Stadtverordnetenvorsteher, ehe sie selbst neu in das Amt gewählt wurde.

Maintaler Politik

Erfolg für die SPD im dritten Wahlgang: Jennifer Gutberlet ist neue Stadtverordnetenvorsteherin

  • Carolin-Christin Czichowski
    vonCarolin-Christin Czichowski
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Es war ein zähes Unterfangen, doch im dritten Wahlgang setzte sich am Montagabend Jennifer Gutberlet (SPD) gegen Martin Fischer (CDU) durch: Sie ist die neue Stadtverordnetenvorsteherin und tritt damit die Nachfolge von ihrem Parteikollegen Karl-Heinz Kaiser an, der das Amt am Wochenende niederlegte und ab 1. September in den hauptamtlichen Magistrat wechselt

Maintal – Schon vor Beginn der Wahl von Kaisers Nachfolge, der wie berichtet am selben Abend als Erster Stadtrat ernannt worden war, sorgte die SPD-Fraktion für Furore: Die Stadtverordnetenversammlung wurde unterbrochen, und die Mitglieder tagten rund eine Dreiviertelstunde. Wie Fraktionsvorsitzender Sebastian Maier im Vorfeld der Sitzung gegenüber unserer Zeitung erklärte, habe bis Montagabend nicht festgestanden, wen die stärkste Kraft im Maintaler Parlament für dessen Vorsitz nominiert. „In unserer Fraktion gibt es nicht nur eine Person, die für diese Position geeignet ist“, sagte auch Karl-Heinz Kaiser.

Und so mussten sich die SPD-Stadtverordneten zunächst entscheiden, ob sie ihren Fraktionsvorsitzenden Sebastian Maier oder die bisherige stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin und Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses Jennifer Gutberlet ins Rennen um den ehrenamtlichen Posten schicken. Letztlich entschied sich die Fraktion für Gutberlet.

CDU-Fraktionshef Fischer kritisiert das Vorgehen der Maintaler SPD

Die CDU schickte ihren Fraktionschef Martin Fischer ins Rennen.

Bei den übrigen Fraktionen sowie bei den Zuschauern im Bürgerhaus sorgte das Verhalten der SPD größtenteils für Unverständnis. „Das war eine Zumutung“, erklärte CDU-Fraktionschef Martin Fischer im Nachgang gegenüber unserer Zeitung.

„Wenn die SPD nicht in der Lage ist, sich im Vorfeld der Wahl intern auf einen Kandidaten zu einigen und diesen auch den anderen Fraktionen vorzustellen und so für Mehrheiten zu sorgen, dann hat sie den Anspruch verwirkt, den Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung zu stellen.“ Zumal bereits seit Juni, nach der Wahl von Kaiser zum Ersten Stadtrat, klar gewesen sei, dass der Posten des Stadtverordnetenvorstehers neu zu besetzen sei. Deshalb habe sich die CDU als zweitstärkste Kraft auch dazu entschieden, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken: Der Fraktionsvorsitzende Fischer lag allerdings in allen drei Wahlgängen mit jeweils einer oder zwei Stimmen hinter der SPD zurück.

Maintal: Neu gewählte Stadtverordnetenvorsteherin entschuldigte sich für die SPD

Die frisch gewählte Jennifer Gutberlet fand gegenüber unserer Zeitung entschuldigende Worte dafür, dass ihre Fraktion die übrigen Stadtverordneten und die Zuschauer so lange im Ungewissen ließ – schließlich ist es seit jeher demokratische Tradition, dass die stärkste Kraft in einem Parlament auch dessen Vorsitzenden stellt: „Es war anders leider technisch nicht möglich. Bei den vorherigen Treffen waren entweder Herr Maier oder ich beruflich verhindert.“ Und so habe die Fraktion erst am Abend der Wahl über eine Nominierung entscheiden können. Mindestens bis März kommenden Jahres ist die Maintalerin nun Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung und erste Bürgerin der Stadt. „Sollte die SPD auch nach den anstehenden Kommunalwahlen noch stärkste Kraft sein, würde ich mich freuen, wenn meine Partei mir erneut ihr Vertrauen ausspricht.“

Auf ihre neuen Aufgaben als Stadtverordnetenvorsteherin freut sich die 44-Jährige. „Besonders darauf, Bindeglied zwischen den Fraktionen zu sein. Auch wenn ich in die großen Fußstapfen von Karl-Heinz Kaiser trete“, erklärt sie. Allerdings würden corona-bedingt einige – vor allem die repräsentativen – Aufgaben, die der ehrenamtliche Posten traditionell mit sich bringt, wegfallen. Neben der Leitung der Stadtverordnetenversammlung ist Gutberlet unter anderem die Vorsitzende des Beirats Städtepartnerschaften.

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