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Wer sich nicht bücken will, kann die Erdbeeren auch im Hofladen der Familie Steup oder an den Verkaufsständen in Wachenbuchen und Bruchköbel kaufen.

Mit Mundschutz im Erdbeerfeld

Erdbeersaison startet beim Landwirtschaftsbetrieb der Familie Steup trotz Komplikationen

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Erdbeerliebhaber in Maintal können aufatmen. Während vor knapp acht Wochen aufgrund der coronabedingten Grenzschließungen noch vielerorts nicht klar war, wie die Erdbeerernte ohne Saisonarbeiter aus dem Ausland gelingen kann, gibt Familie Steup in Wachenbuchen Entwarnung.

Die Ernte ist gesichert und der Starschuss für die Selbstpflücker gefallen. Dabei war auch bei dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie knapp die Hälfte der Erntehelfer ausgefallen. Sie wären zum Großteil aus Rumänien und vereinzelt aus der Türkei gekommen. 

„Die letzten Wochen waren für uns mit vielen Fragezeichen versehen“, sagt Ale‧xander Steup. „Vor Beginn der Saison wussten wir nicht, wie alles laufen soll und haben täglich die Regeln für den Verkauf in den Nachrichten verfolgt.“  Als in den Nachrichten über den bevorstehenden Saisonarbeitermangel berichtet wurde, hätten sich viele interessierte Menschen aus der Region bei Alexander Steup gemeldet. „Das war großartig, auf die konnten wir dann auch tatsächlich zurückgreifen. Größtenteils waren das Menschen, die jetzt wegen Corona arbeitslos geworden oder in Kurzarbeit gekommen sind.“ Eine neu dazugewonnene Erntehelferin habe beispielsweise am Flughafen gearbeitet und könne so die Verdienstminderung auffangen. „Wir hoffen trotzdem, dass unsere langjährigen Erntehelfer dieses Jahr noch nachkommen“, sagt Steup. 

Steup: Noch nie konnten Erdbeeren so früh geerntet werden

„In gewisser Hinsicht war es durch die aufwendige Einarbeitung der neuen Arbeitskräfte schon eine besondere Erschwernis für uns. Ein bisschen Fluktuation ist ja immer, aber nicht in dem Ausmaß.“ Hinzu komme, dass wenn man das schwere körperliche Arbeiten nicht gewohnt sei, für den sei die Ernte sehr anstrengend und das Anlernen dauere seine Zeit. „Aber die Erdbeeren sind jetzt reif und warten leider nicht, bis diese ganze Corona-Sache vorbei ist“, sagt Alexander Steup und lacht. Im Gegenteil. 

Im Folientunnel herrschen Idealbedingungen: Das Dach hält die Pflänzchen warm und trocken. Über Schlauchsysteme können sie gegossen werden. Marina Steup zeigt, wie die Erdbeeren geerntet werden.

Die Erdbeeren konnten laut Steup noch nie so früh geerntet werden, wie in diesem Jahr. Am 15. April, eine Woche vorher als sonst, begann die Ernte. „Ab März gingen die Temperaturen ja stark aufwärts“, sagt er. Hinzu kam der sonnenreiche April, der die Erdbeeren im Folientunnel mit Wärme versorgt und schneller reifen lassen habe. „Wir sind jetzt natürlich froh, dass die Saison so früh begonnen hat.“ Normalerweise geht die von Mitte Mai bis Mitte Juli. Geerntet wird täglich, je nach Wetterlage, immer abwechselnd auf den Feldern in Bruchköbel und in Wachenbuchen. „Wir fangen morgens immer ganz früh an, kurz nach Sonnenaufgang, das heißt ab halb fünf.“ Außer bei Regen. Denn Niederschlag und höhere Temperaturen wirken sich gravierend auf die Haltbarkeit der Erdbeeren aus, erklärt Steup. Deshalb müssen die Erntehelfer auch was die Tageszeiten angeht, flexibel sein. Geerntet wird jeden Tag. „Die Erdbeeren reifen ja jeden Tag nach.“

3,90 Euro für ein Pfund Erdbeeren

Dankbar für Hilfsbereitschaft: Alexander und Marina Steup haben viele Anfragen von Maintalern bekommen, die bei der Ernte helfen wollten.

30 000 Pflanzen gilt es auf einem Hektar Erdbeerfeld abzuernten, von denen der Familienbetrieb mehrere betreibt. Derzeit bedeutet das auch für Alexander Steup einen hohen Organisationsaufwand, denn er plant die Betriebsabläufe und springt dort ein, wo es gerade nötig ist. So hilft er beispielsweise auch an den Wochenenden im Verkauf, beliefert die Erdbeerstände mit frischen Waren und wenn es Engpässe bei der Ernte gibt, helfen er und seine Frau Marina auch dort. „Die Familie stemmt schon sehr viel“, sagt Alexander Steup. 

Durch den Mehraufwand bei der Einarbeitung von neuem Personal seien die Erdbeeren auch bei der Familie Steup in diesem Jahr etwas teurer als in den Vorjahren: 3,90 Euro kosten die Erdbeeren aktuell in der gepflückten 500 Gramm-Schale. „Bei den selbstpflückern ist die gleiche Menge natürlich günstiger“, sagt er. Hinzu kämen aber auch andere Faktoren, die den Preis steigern. „In diesem Jahr ist der Mindestlohn gestiegen, die Kosten für die Technik und Pflanzmittel steigen. Das schlägt sich dann natürlich auch im Preis zu Buche.“ Die Selbstpflückersaison startete bei den Erdbeerfeldern der Familie Steup bereits am 1. Mai. „An dem Wochenende war hier jede Menge los.“ 

Speisen im Café des Hofladens auch zum Mitnehmen

Mundschutz ist Pflicht: Ellen Choisi freut sich über die frischen Früchtchen auf dem Selbstpflückfeld.

Für diesen Fall hatte die Familie vorgesorgt, die Verkaufsstände mit Plexiglasscheiben ausgestattet und den empfohlenen Hygienemaßnahmen entsprechende Regeln aufgestellt. So empfiehlt die Familie beispielsweise auch auf dem Feld Mundschutz zu tragen und den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. „Normalerweise werben wir damit, dass unsere Kunden beim Pflücken auch naschen dürfen“, so Steup. „Das ist jetzt allerdings in sofern problematisch, als dass die Kunden die Erdbeeren zum Mund führen und danach andere Erdbeeren anfassen könnten, die sie doch nicht pflücken. Daher wollen wir eine dadurch mögliche Ansteckungsgefahr von Vornherein vermeiden und bitten die Kunden hier um Verständnis und Rücksichtnahme.“  

Da wie alle Restaurants auch das Café des Hofladens An den Gräberwiesen 1 vorrübergehend schließen musste, gibt es die hausgemachten Backwaren aus dem eigenen Getreide zum Mitnehmen für zu Hause. Im Hofladen kann man weiterhin, mit Mundschutz frisch gebackenes Brot und Erdbeeren in allen Variationen kaufen, etwa in Form von Erdbeerkuchen, selbstgemachtem Erdbeereis, Konfitüre oder Erdbeersecco. „In zwei Wochen sind die Erdberren besonders süß und aromatisch. Dann eignen sie sich hervorragend zum Kochen von Marmelade“, verrät der Landwirt. „So hat man im Herbst und im Winter noch etwas vom Sommer.“

Auch an Feiertagen geöffnet Die Verkaufsstände für Selbstpflücker in Wachenbuchen (an der Straße Richtung Hochstadt) und Brüchköbel (An der Landwehr Richtung Langendiebach) sind täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet. 

 

Diese Regeln gelten jetzt auch auf dem Erdbeerfeld 

Auch auf den Erdbeerfeldern werden Kunden dazu angehalten, die allgemeinen Hygieneregeln wegen der Infektionsgefahr durch das Coronavirus einzuhalten. Auf den Selbstpflück-Feldern der Familie Steup in Wachenbuchen und Bruchköbel gelten daher ähnliche Regeln wie etwa in Geschäften und Supermärkten, mit einer Besonderheit: Erdbeeren, die sonst beim Pflücken als kleine Kostprobe im Mund landen können, dürfen in diesem Jahr nicht auf dem Feld verzehrt werden. Ebenso kontrolliere das Ordnungsamt, ob auch auf den Erdbeerfeldern Gesichtsmasken getragen werden. Auch auf dem Feld sollte der empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten und nicht in größeren Gruppen gepflückt werden. jj

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