Ekin Sancak würde mit einem Bürojob nicht glücklich werden. Foto: Ulrike Pongratz

Maintal

Ekin Sancak hat als Erzieherin ihren Herzensberuf gefunden

Maintal. Am Tag unseres Gesprächs strahlte Ekin Sancak noch mehr als üblich: Sie hatte vor ein paar Stunden ihren unbefristeten Arbeitsvertrag unterschrieben. Eine letzte Prüfung liegt noch vor ihr, danach wird sie nach fünf Jahren Ausbildung ab 22. August als staatlich anerkannte Erzieherin in der Kita Gänsseestraße arbeiten.

Von Ulrike PongratzIm Team sei sie schon lange anerkannt, versicherte Ulrike Neumaier. Auch die Leiterin freut sich, dass Ekin Sancak in Kürze in der „Tüftlergruppe“ aktiv sein wird. Die angehende Erzieherin hat im letzten „Anerkennungsjahr‘ der Ausbildung bereits vier Tage pro Woche in der Kita Gänsseestraße gezeigt, dass sie hier genau richtig ist.

„Wir betreuen hier sieben Gruppen – insgesamt etwa 140 Kinder – und sind ein großes Team. 28 Erzieher plus Praktikanten, Sozialassistenten. Schüler im Praktikum arbeiten hier eng vernetzt im ganzen Haus und in ständigem Austausch. Ekin hat sehr schnell und sehr feinfühlig mit den Kollegen zusammengearbeitet“, erläutert Ulrike Neumaier. „Wir waren uns schon früh im Anerkennungsjahr einig, dass wir sie gerne als Kollegin behalten wollen.“ Gutes Einfühlungsvermögen und die Gabe, genau beobachten zu können, müsse man als Erzieherin ebenso mitbringen wie Teamfähigkeit, Offenheit und Flexibilität.

Von Anfang an habe man ihr hier sehr viel Vertrauen entgegengebracht, sagte Ekin Sancak. „Ich durfte viel ausprobieren. Vor allem aber bin ich nicht nur vom pädagogischen Konzept überzeugt, sondern die gute Atmosphäre im Haus hat mir von Anfang an sehr gut gefallen.“

"Haus der kleinen Forscher"

Ganz aktuell hat die Kita Gänsseestraße das Zertifikat „Haus der kleinen Forscher“ erhalten. Die gleichnamige gemeinnützige Stiftung fördert mit der Zertifizierung Kitas, Horte und Schulen in ihrer Qualitätsentwicklung. So fördert die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ gute Bildung in den Themenfeldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) und hat das Ziel, Mädchen und Jungen zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Die praktischen Experimente und Erkenntnisse zum Thema Luft, welches das Team und Ekin Sancak mit den Kindern seit Herbst 2018 erforscht haben, überzeugten auch die Stiftung.

Auch das Thema Kinderrechte wie Bildung oder Freiheit spielen eine große Rolle in der Gänsestraße. „Wir begleiten und unterstützen die Kinder in ihrer Entwicklung, holen sie dort ab, wo sie stehen“, sagte Ulrike Neumaier. Ekin Sancak beispielsweise erstelle sehr gerne Portfolios gemeinsam mit den Kindern und schreibe die Aussagen wortgetreu auf. „Ein Kind sagte zu einem Gruppenfoto: ‚Dann haben wir auf dem Ausflug ein Familienfoto gemacht.‘ Da geht mir das Herz auf“, erklärt Ekin Sancak ihre Freude bei dieser Tätigkeit.

Zu ihren Lieblingsaufgaben als Erziehern zählen kleine und größere Projekte, die sie den Kindern anbieten kann. So steht bereits ein selbstgebautes Insektenhotel im neu gestalteten Garten der Kita. „Die Kinder können hier auch kleine Beete selbst gestalten und bepflanzen, natürlich brauchen die Johannisbeeren und Blumen jetzt auch Pflege und vor allem Wasser.“

"Jeder Tag ist anders"

Auch für diese Alltags-Projekte kann die junge Erzieherin die Kindern begeistern. Kurze Ausflüge in Wald und Streuobstwiesen, Tagesausflüge in die Teddyklinik oder zum Flughafen, Einkäufe auf dem Wochenmarkt oder Kochen mit den Eltern, Elterngespräche, Gespräche im Team, Organisatorisches gehören ebenfalls zum Alltag einer Erzieherin. „Jeder Tag ist anders. Und jeden Tag komme ich gerne hierher, es macht mir Spaß. Natürlich ist es auch manchmal laut, dann brauche ich gute Nerven“, sagt die 27-Jährige. Doch sie ist sich ganz sicher, sie hat nicht nur einen Bildungs-, sondern ihren „Herzensberuf“ gefunden.

Nicht auf Anhieb allerdings. Nach dem Realschulabschluss 2010 machte sie zunächst an den Kaufmännischen Schulen Hanau ihr Fachabitur im Bereich Wirtschaft-Verwaltung. Allerdings spürte die junge Frau während des Betriebspraktikums, dass sie im Büro wohl nicht glücklich werden würde. „Ich wollte nicht ohne Abschluss von der Schule gehen“, sagte Sancak, „musste mich dann aber neu orientieren.“

Sie jobbte und bewarb sich unter anderem als Praktikantin in einer Hanauer Kita. „2014 habe ich dann den klassischen Ausbildungsweg zur staatlich anerkannten Erzieherin eingeschlagen.“ Zwei Jahre dauerte die Ausbildung zur Sozialassistentin, die Schulbesuch und Praxis beinhaltete. Danach schlossen sich zwei Jahre Vollzeit-Schule und ein Anerkennungsjahr mit einem praktischen Schwerpunkt an. Dieses wird die Hanauerin in wenigen Wochen an der Eugen-Kaiser-Schule mit Abschlusszeugnis und Zertifikat beenden.

Weitere Informationen

Der Flyer der Stadt Maintal „Wir suchen Vorbilder“ informiert über die Ausbildungsmöglichkeiten zumErzieher. Auskunft gibt Tina Knorr, Familienzentrum Ludwig-Uhland-Straße, unter Telefon 0 61 09/6 15 06oder per E-Mail an t.knorr@maintal.de

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