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Eis-Verkäuferin Ewa Schäfer aus Wachenbuchen hat die Pandemie bislang gut überstanden

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Von: Kristina Bräutigam

Zwölf Sorten Eis gibt es bei Ewa Schäfer. Bei der Auswahl setzt sie auf die Klassiker.
Zwölf Sorten Eis gibt es bei Ewa Schäfer. Bei der Auswahl setzt sie auf die Klassiker. © KRISTINA BRÄUTIGAM

Wie ausgestorben wirkt die Bachstraße in Wachenbuchen am frühen Nachmittag. Nur vor der Hausnummer 20 herrscht reger Betrieb. Knapp 27 Grad zeigt das Thermometer. Und der kleine Hofladen von Ewa Schäfer hat Hochkonjunktur. „Im Becher oder in der Waffel?“, ruft die 44-Jährige, während sie im Akkord Kugeln rollt. Eine Gruppe Lehrer der Hanauer Friedrich-Fröbel-Schule samt Schülern hat einen Zwischenstopp in Wachenbuchen eingelegt, einer nach dem anderen gibt seine Bestellung auf.

Maintal – Ins Schwitzen kommt Ewa Schäfer nicht. Es ist bereits die achte Saison für „Eis-Engel Ewa“. 2015 war die gebürtige Polin ins kalte Wasser gesprungen. Ohne gastronomische Erfahrung eröffnet sie ihren Eisladen. Sie baut dafür die Waschküche auf ihrem Hof in ein kleines Büdchen um. Der Name ist eine Reminiszenz an die legendäre „Eis-Anni“ aus der Hainstraße. Die Fußstapfen sind groß. Doch die Wachenbucher sind gnädig. „Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt“, sagt die 44-Jährige.

Die meisten Kunden kommen aus dem Ort. Kinder, auf dem Heimweg von der Schule, Nachbarn. Otto Bach wohnt direkt gegenüber. Mehrmals die Woche holt er sich sein Eis in der Waffel. Sagen muss er nichts. Wie bei allen Stammkunden weiß Ewa Schäfer, welche Sorte es sein soll. Bei Otto Bach ist es immer Sahne-Kirsch. Eine Kugel isst er selbst, eine bekommt Hund Akira. „Wir haben beide denselben Geschmack“, sagt der Rentner und lacht. Auch viele Radfahrer, die vom Hühnerberg kommen, legen einen Stopp ein. Vor allem am Wochenende läuft der Laden gut, erzählt Ewa Schäfer.

Ewa Schäfer alias „Eis-Engel Ewa“ vor ihrem kleinen Eisladen im Herzen von Wachenbuchen. Es ist ihre achte Saison.
Ewa Schäfer alias „Eis-Engel Ewa“ vor ihrem kleinen Eisladen im Herzen von Wachenbuchen. Es ist ihre achte Saison. © KRISTINA BRÄUTIGAM

Als die Pandemie im Frühjahr 2020 über das Land hereinbricht, muss sie improvisieren. Für einen Monat schließt sie ihren Eis-Laden, dann beschließt sie, mit Auflagen wiederzueröffnen. Über der Theke bringt sie eine Plexiglas-Scheibe an, führt Maskenpflicht und Abstandsregeln ein, sperrt die Sitzgelegenheiten im Hof ab. Insgesamt sei der Zulauf während der Pandemie gut gewesen, berichtet sie. Ihren Plan, im Hof ein kleines Café einzurichten, hat die Mutter zweier Töchter jedoch pandemiebedingt auf Eis gelegt. Zu unsicher sind die Zukunftsaussichten.

Das süße Geschäft ist für die gebürtige Polin, die seit 2001 in Deutschland lebt, echte Schwerstarbeit. Dienstags bis samstags hat ihr Lädchen von 13.30 bis 20 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 19 Uhr. Halbtags arbeitet Ewa Schäfer als Reinigungskraft. Wenn sie vormittags nach Hause kommt, heißt es vorbereiten. Die Eisbehälter, die über Nacht bei Minus 22 Grad in der Tiefkühltruhe lagern, müssen rausgestellt werden. Zwischen minus 15 und minus zwölf Grad kalt sollte die Masse sein, wenn sie in der Verkaufstheke steht, erklärt Schäfer. „Sonst bricht man sich den Arm, wenn man die Bällchen rollt“.

Ihr Eis bezieht Ewa Schäfer von der Firma Köhler aus Hainburg. Zwölf Sorten hat sie im Angebot, darunter vor allem die Klassiker Vanille, Schokolade, Stracciatella oder Erdbeere. Anfangs habe sie auch ausgefallenere Sorten wie Malaga oder After Eight ausprobiert, erzählt die 44-Jährige. Doch der Wachenbucher mag es nicht allzu exotisch, die Sorten verkaufen sie nicht.

Auf eine Kugel Sahne-Kirsch: Nachbar Otto Bach kommt mehrmals die Woche vorbei.
Auf eine Kugel Sahne-Kirsch: Nachbar Otto Bach kommt mehrmals die Woche vorbei. © KRISTINA BRÄUTIGAM

Der Renner, auch in dieser Saison, ist das klassische Spaghetti-Eis mit selbst gemachter Sauce, die Kinder lieben vor allem das Eis mit Schoko-Hut. Die Sorten Waldmeister und Delfino, eine Art Schlumpfeis, stehen bei den Kleinsten ebenfalls hoch im Kurs. Dass es in der Kühltheke nicht mehr beide Sorten gleichzeitig gibt, hat einen guten Grund. „Die Kinder konnten sich nie zwischen blauem und grünem Eis entscheiden. Das hat ewig gedauert“, erzählt Ewa Schäfer und lacht.

Am Dienstag ist die Schul-Gruppe gerade gegangen, da geht die Arbeit für die 44-Jährige im Nachbarhaus weiter. Die beiden Töchter warten auf das Mittagessen, Schäfer muss kurz rüber laufen. Damit ihre Kunden nicht zu lange auf sie warten müssen, gibt es eine Klingel an der Theke.

Gefragt, ob sie manchmal von einem Laden in einer belebten Fußgängerzone träumt, schüttelt Ewa Schäfer entschieden mit dem Kopf. „Ich komme aus einem kleinen Ort in Polen. Ich liebe die Ruhe und die Landschaft hier.“

Von Kristina Bräutigam

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