In Grün unterlegt: Ganz abgesehen von den sachlichen Argumenten, die beide Seiten vorhalten, wirkt diese Landesgrafik tatsächlich so, als würde Maintal dem großen Nachbarn Frankfurt zugeschlagen. Foto: Land Hessen

Maintal

Eingemeindung Maintals nach Frankfurt? Ministerium widerspricht

Maintal. „Planen die Grünen die langfristige Eingemeindung Maintals nach Frankfurt?“, fragt sich der Maintaler FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Schäfer angesichts der Überlegungen zur Landesentwicklung im Wirtschaftsministerium.

Von Christian Balke

Diese Überlegungen zielten darauf ab, die Struktur der Mittelzentren im Rhein-Main-Gebiet neu zu gestalten. Danach könne Maintal nur dann Mittelzentrum bleiben, wenn es sich zwangsweise zu Kooperationsverträgen mit Frankfurt verpflichte. „Mir liegen Karten vor, aus denen hervorgeht, dass nicht nur Maintal, sondern auch Bad Vilbel und Kelsterbach mit Frankfurt zu einem Verbund zusammengeschlossen werden sollen“, sagt Schäfer gegenüber der Redaktion. Er gehe davon aus, dass das Wirtschaftsministerium in seinen Überlegungen weit vorangeschritten sei: „Ironischerweise ist das Gebiet in der Karte auch noch grün eingefärbt. Vom Kooperationsraum zur Eingemeindung ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.“

Auf solche Gedanken könnten seiner Meinung nach nur, „urban sozialisierte Grüne“ kommen, die nichts von den besonderen Strukturen einer Stadt wie Maintal verstünden. Er habe keinerlei Verständnis für diese Gedankenspiele eines grün geführten Ministeriums. Es gelte, sich an die Auseinandersetzungen rund um die Gründung Maintals zu erinnern: „Eine solche Debatte wie in den 1970er-Jahren können wir uns nicht mehr erlauben!“ Maintal müsse seine kommunale Souveränität behalten.

Wirtschaftsministerium widerspricht

„Wir sind froh, dass die Stadtverordnetenversammlung früh die drohende Gefahr erkannt und einstimmig beschlossen hat, sich gegen die Bestrebungen des Wirtschaftsministeriums zu wenden“, sagt Thomas Schäfer. Er sei erfreut, dass zumindest die lokale Politik bei der mutmaßlich bevorstehenden Gefahr nicht schlafe.

Wolfgang Harms, Sprecher des hessischen Wirtschaftsministeriums, widerspricht den Befürchtungen des Liberalen: „Wir arbeiten gegenwärtig an einer Änderung des Landesentwicklungsplans, die im Wesentlichen die Einordnung der 426 Städte und Gemeinden nach ihrer Zentralitätsfunktion oder ihrer Zuordnung zu ländlichem, verdichtetem oder hochverdichteten Raum betrifft.“

Die gegenwärtige Zuordnung der Haupt-, Mittel- und Nebenzentren stamme aus den 90er Jahren und entspräche nicht mehr der heutigen Situation: „Daher hat das Land im vergangenen Jahr die unabhängige Expertenkommission 'Zentrale Orte – Raumstruktur' einberufen.“

Magistrat skeptisch

Die Kommission habe Empfehlungen für eine Reform vorgelegt; ihr Bericht sei im Landesplanungsportal veröffentlicht: „Unter anderem schlägt die Kommission vor, dass benachbarte Zentren miteinander kooperieren, um gegenseitig Defizite auszugleichen“, schreibt Harms in seiner schriftlichen Antwort auf die Redaktions-Anfrage.

Diese und alle anderen Empfehlungen dienten als Grundlage für die Diskussion: „Eingemeindungen sind jedoch nicht vorgeschlagen und auch nicht Gegenstand der Debatte.“

Auch der Magistrat der Stadt Maintal steht dem Neuentwurf des Zentrenkonzepts im Stadtentwicklungsplan sehr kritisch gegenüber, wie spätestens seit der Stadtverordnetenversammlung im August auch öffentlich klar ist. Die Stadt teile die Bedenken der Verbandskammer des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain vom 19. Juni zur geplanten Änderung des Zentren-Systems. Die Mittelzentren im Ballungsraum FrankfurtRheinMain seien zu stärken und nicht zu schwächen: „Eine Herabstufung von Mittelzentren, hier insbesondere dem Mittelzentrum Maintal, wird abgelehnt.“

Maintal als Mittelzentrum erhalten

Die Stadtverordnetenversammlung habe diese Resolution beschlossen, schreibt die Pressestelle der Stadt, und der Magistrat habe die Resolution an die Landesregierung gesendet. Zumal bereits heute zahlreiche Kooperationen zwischen Maintal und den umliegenden Kommunen auf freiwilliger Basis bestünden. Etwa zur Bioabfallkompostierung oder im Stadtverkehr.

Bürgermeisterin Monika Böttcher will sich dafür einsetzen, Maintal als Mittelzentrum zu erhalten: „Maintal entwickelt sich als Wohnort mit viel Lebensqualität und als attraktiver Wirtschaftsstandort dynamisch weiter. Diese positive Entwicklung würde durch die Pläne der Landesregierung, unsere Stadt zu einem Grundzentrum herabzustufen, gefährdet.“

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