Das Nebengebäude samt Garten wird verkauft werden, um die Kosten für die Sanierung zu finanzieren.

Maintal

Eine Sanierung für das EGZ nur durch einen Verkauf möglich

Maintal. Die meisten Scheiben sind blind, manche sind gesprungen. Teile der Dachdämmung hängen als dünne schwarze Lappen von der Decke. Und wenn es stark regnet, ist der klassische Eimer im Einsatz.

Von Martina Faust

Die marode Bausubstanz des Evangelischen Gemeindezentrums (EGZ) Dörnigheim wird im großen Saal besonders anschaulich und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass eine Sanierung dringend geboten ist. Die könnte 2020 erfolgen.

Voraussetzungen sind, dass die Stadtverordneten den Bebauungsplänen der Gemeinde zustimmen, der Verkauf eines Teils des Grundstücks der Kirchengemeinde vertraglich festgehalten wird und die Ausschreibung der Gewerke erfolgreich verläuft. Dann wäre das Vorhaben planungsrechtlich und finanziell in trockenen Tüchern.

Mehr als nur ein Gemeindezentrum

Die Entscheidung über die Zukunft des EGZ hat sich die Gemeinde nicht leicht gemacht. Der markante Backsteinbau in der Ortsmitte ist weit mehr als ein Gemeindezentrum. Er ist ein Treffpunkt, ganz unabhängig von der Konfession, ein Bildungsort, eine Betreuungsstätte. Zahlreiche Vereine und Institutionen nutzen die Räumlichkeiten. Eine Sanierung bedeutet daher auch eine mindestens einjährige Pause aller Aktivitäten – und eine erhebliche finanzielle Last.

Wenngleich das EGZ in Dörnigheim auch die Funktion eines Bürgerhauses hat, trägt allein die Gemeinde sämtliche Kosten. Und die waren in den vergangenen Jahren nicht unerheblich. „Allein für die Notausgangsbeleuchtung, die aus Sicherheitsgründen notwendig war, sowie den Blitzschutz für das Nebengebäude mit dem Kindergarten haben wir fünfstellige Beträge ausgegeben“, erzählt Eckhard Sckell, einer der drei Pfarrer der Gemeinde.

Viele Baustellen aufgrund von niedrigem Budget

Die Ausgaben waren zwar unvermeidlich, haben allerdings nicht zum Erhalt des Gebäudes beigetragen. Dabei ist die Liste dessen, was getan werden müsste, lang. „Die Heizungsanlage ist uralt, die Isolierung längst nicht mehr zeitgemäß. Allein die Heizkosten verschlingen Unsummen. Hinzu kommen diverse Undichtigkeiten im Dach, da plätschert es regelmäßig durch. Und auch die Elektroinstallation müsste erneuert werden“, listet Sckell auf.

Dass sich die Maßnahmen derart summiert haben, liegt vor allem daran, dass seit dem Bau des EGZ 1974 nie größere Investitionen erfolgten. Schließlich ist das Budget von Kirchengemeinden überschaubar. Mittlerweile aber sind die baulichen Mängel erheblich. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, so der Pfarrer. Um die finanzielle Ausstattung ist es allerdings nicht besser bestellt. Im Gegenteil. Daher hat man sich entschieden, die geschätzten ein bis zwei Millionen Euro an Planungs- und Baukosten durch den Verkauf eines Teils des Grundstücks zu finanzieren, nämlich jenes gut 3000 Quadratmeter großen Areals des Kindergartens samt rückwärtigem Bereich.

Wohnbebauung passend zum EGZ

„Das ist ein Wahnsinns-Pfund, das die Gemeinde damit aus der Hand gibt. Aber es gibt keinen anderen Ausweg. Oder wir müssen das Gemeindehaus schließen“, sagt Sckell.

Für das Grundstück läuft seit Jahresbeginn ein Bieterwettbewerb mit mehreren Interessenten. Zwei seien in der engeren Auswahl, so Sckell. Schließlich ist der Verkauf an Bedingungen geknüpft. So muss der erzielte Preis die Kosten für die Sanierung decken. Außerdem soll die Wohnbebauung, die auf dem Grundstück entstehen wird, hinsichtlich Architektur und Nutzung zum EGZ passen. „Ein Mehrgenerationenhaus würde gut passen“, nennt der Pfarrer ein Beispiel.

Die Gebäudehülle ist für die Ewigkeit

Auch wenn der Verkauf voraussichtlich im Sommer erfolgt, bleibt der Kindergarten in dem Gebäude weiterhin geöffnet. So lange, bis das Hauptgebäude saniert ist. Denn der Korpus bleibt erhalten. „Die Gebäudehülle ist für die Ewigkeit gebaut“, sagt Sckell. Nach dem Abschluss der Arbeiten werden die drei Gruppen ins Hauptgebäude ziehen und dort ihren eigenen Bereich erhalten. Im großen Saal indessen soll die Raumaufteilung flexibler gestaltet und es soll heller werden. „Ein richtiges Schmuckkästchen“ wünscht sich Sckell.

Kirchengruppen und externe Nutzer sowie Mieter müssen in dieser Zeit jedoch ausweichen oder mit ihrem Angebot pausieren. „Wir beschäftigen uns seit anderthalb Jahren intensiv damit, wie wir die Bauphase organisieren“, sagt die Kirchenvorstandsvorsitzende Silke Hartmann-Rauch. Vieles könne man in andere Räumlichkeiten verlagern, etwa ins Nebengebäude oder ins Jugendzentrum. „Manches wird leider entfallen müssen. Wir können kein Septemberfest auf einer Baustelle ausrichten“, sagt Eckhard Sckell. Aber es soll nur eine einjährige Pause sein. 2021 möchte die Dörnigheimer Gemeinde wieder feiern – dann im neuen alten EGZ.

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