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Einblicke hinter die Kulissen des Federweißenfests

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„Maablick“, Trollinger Rosé, Riesling und Roter Hochstädter: Sorten, die in Hochstadt an den Garagen, Pergolen, Spalieren oder richtigen Rebhängen gezogen werden. Foto: rh
„Maablick“, Trollinger Rosé, Riesling und Roter Hochstädter: Sorten, die in Hochstadt an den Garagen, Pergolen, Spalieren oder richtigen Rebhängen gezogen werden. Foto: rh

Maintal. Der Hochstädter Winzerverein feiert den neuen Wein: Bis das Federweißenfest so berauschend ist wie man es kennt, steckt viel Arbeit dahinter. Wir erklären, wer hinter Federweißen und Zwiebelkuchen steht.

Von Rainer Habermann

Stress! Gleich kommen die ersten Gäste. Der hübsch geschmückte Strohl'sche Hof in der Bischofsheimer Straße füllt sich langsam, aber sicher. Es ist 15 Uhr, am Samstag. Das Federweißenfest der Hochstädter Winzer beginnt, und es soll zwei Tage dauern. Zwischen „Jubel, Trubel, Heiterkeit“ muss es aber Leute geben, die die Sache richten, am Laufen halten. Die zapfen, bedienen, vorbereiten und organisieren. Wer sind diese Leute?

Da „quirlen“ zunächst Heike Huhn und ihr Team der „Mädchen für alles“. Schon am Vorabend haben sie gewerkelt und gebacken, den ganzen Vormittag hindurch aufgebaut. Im „wirklichen Leben“ ist Huhn Friseurmeisterin, hat ihren eigenen Salon im Kopfsteinpflaster-Stadtteil Maintals. Hier, auf dem Federweißenfest, das der 1. Hochstädter Winzerverein ausrichtet, ist sie ebenfalls voll in ihrem Element.Backen, kochen, rühren für das Wohl der BesucherKein Wunder: seit rund 16 Jahren ist Huhn Mitglied im Vergnügungsausschuss und „Lustwart“ des Clubs, der sich am 6. Dezember 1987 gegründet hat. Er nennt sich 1. Hochstädter Winzerverein, obwohl auch Dörnigheimer, Bergener, Bieberer oder solche aus der Hohen Tanne oder dem Riederwald zu den Gründervätern und -müttern gehörten. Doch dies ist eine andere Geschichte.Mit Huhn stehen (neben weiteren) Gaby Laupus, Renate Arnold und Conny Mohr „ihren Mann“. Zwiebelkuchen backen, Rindswürste kochen, den leckeren Spundekäs zaubern oder die ebenfalls selbst gemachte Leberknödelsuppe rühren: Frauenarbeit. Samstagnacht geht’s kurz ins Bett, dann früh raus: die Kuchen und Torten für das sonntägliche Buffet wollen frisch gebacken werden, damit sie herrlich duften, wenn sie dann auf die Theke kommen.Zahlreiche Helfer werkeln hinter den Kulissen„Die 'Hühner' haben aber ebenfalls hart mit angepackt“, protestiert Conny Huhn. Klar: die ehrenwerte Verwandtschaft hatte am Samstagmorgen das Zelt aufgebaut, die Girlanden gehängt, allgemein für die Deko gesorgt. „Und die 'Mohrs' ebenfalls!“, insistiert Conny Mohr. Eine Geschichte von „Mohren und Hühnern“, also?Weit gefehlt.Da sind auch mindestens noch die Fromms, die Laupus', und all die anderen, die zum Gelingen des Fests beitragen. Egon Fromm zapft den „Maahzwicker Ruuhsch“ vom Fass (ja, so heißt der wirklich). „Der wird der Hit beim diesjährigen Federweißen aus Hochstadt, herrlich süß und süffig“, sagt Fromm.1700 Liter FederweißerAber auch Jürgen Mohr und Helmut Laupus wissen, wo der Bartel seinen Most holt. Denn nichts anderes ist Federweißer: „Most mit Prozenten“, der auch als „junger Wein“ bezeichnet und getrunken werden kann oder der dann seinen Weg in die Fässer findet, wo er zum edlen Riesling, zum gediegenen Trollinger, Dornfelder oder „Maablick“ heranreift.Sorten übrigens, die in Hochstadt „an den Garagen, Pergolen, Spalieren oder richtigen Rebhängen gezogen werden“, wie Fromm weiß. Und die – aus den Jahrgängen 2014 und 2015 auf Flaschen gezogen, ebenfalls beim Federweißenfest genossen werden dürfen. Neben immerhin rund 1700 Litern Federweißer. Und neben zwei Schnapssorten: einem braunen und einem weißen Weinbrand.Auch die jüngsten Helfer packen mit an„Der braune wird in Eichenfässern gelagert, der weiße kommt frisch aus der externen Brennerei. Denn Schnaps brennen: das machen wir noch nicht selbst“, erklärt Mohr. Doch „Schnaps ist nicht das letzte Wort“: Da ist nämlich noch Julia Roller. Sie ist die jüngste im Verein, mit ihren gerade mal elf Jahren. „Sie hilft bei jedem Fest, seit sie sechs Jahre alt wurde“, sagt Huhn.An der Spülmaschine, beispielsweise, denn die vielen Gäste wollen ja schließlich immer frische Gläser, Teller und Bestecke. Da geht es hoch her, an der Spülmaschine. „Ach, ist gar nicht so schlimm“, lächelt die Elfjährige cool. Und wenn alle so cool sind: dann kann es ja nur ein gelungenes Fest werden, das Federweißenfest.Veranstalter hoffen auf ein rauschendes FestUnd wenn hunderte von Besuchern des Strohl'schen Hofs am Sonntagabend sagen: „Das war ein rauschendes Fest!“: dann sind auch die Hühner, die Mohren, die Laupus und wie sie alle heißen, zufrieden. Und können sich selbst ein klein wenig feiern, bevor's ans Aufräumen geht.

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