Sie greift ein, bevor Gerichte tätig werden müssen: Iris Klapper ist Schiedsfrau in Hochstadt und betreut derzeit auch das Schiedsamt in Dörnigheim mit.
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Sie greift ein, bevor Gerichte tätig werden müssen: Iris Klapper ist Schiedsfrau in Hochstadt und betreut derzeit auch das Schiedsamt in Dörnigheim mit.

Ehrenamtler für Dörnigheim gesucht

„Ein spannendes Ehrenamt“: Iris Klapper ist Schiedsfrau in Hochstadt

Iris Klapper ist Schiedsfrau. In dieser Funktion greift die Hochstädterin nicht regulierend in ein sportliches Spielgeschehen ein, sondern fungiert ähnlich wie ein Schiedsrichter als Vermittlerin, wenn Uneinigkeiten bestehen. Denn Schiedsmänner und -frauen schlichten als vorgerichtliche Instanz zivilrechtliche Konflikte.

Maintal - „Ein spannendes Ehrenamt“, sagt Klapper und möchte gemeinsam mit der Stadtverwaltung um Interessenten für diese Aufgabe werben. Denn in Dörnigheim soll das vakante Schiedsamt zeitnah neu besetzt werden.

Iris Klapper wurde im Jahr 2004 zufällig auf das Ehrenamt aufmerksam, als sie die Stellenausschreibung für die Besetzung des Schiedsamts in Hochstadt im MAINTAL TAGESANZEIGER entdeckte. „Ich war damals in Elternzeit und suchte nach einer ehrenamtlichen Aufgabe. Die Beschreibung der Tätigkeit hat mich augenblicklich interessiert“, erzählt sie.

Es sind vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei denen die Kommunikationstrainerin vermittelt. Ziel ist, gemeinsam mit den beteiligten Parteien, eine außergerichtliche Lösung des Problems zu finden. Damit wird vermieden, dass Konflikte eskalieren und ein friedliches Miteinander nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig ersparen sich die Beteiligten teure und aufwändige juristische Verfahren und entlasten die Gerichte. Denn meist lassen sich Streitigkeiten über Herbstlaub vom Nachbargrundstück, Grillgeruch auf dem Balkon, Ruhestörung oder den Parkplatz lösen, wenn die Parteien kompromissbereit sind und im Austausch bleiben.

„Meine Aufgabe ist, deeskalierend auf den Konflikt einzuwirken. Als neutrale außenstehende Person ermittele ich mit den Beteiligten die Ursachen des Zerwürfnisses, um gemeinsam einen Kompromiss zur Lösung des Streits zu finden“, erläutert Klapper. Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und Kommunikationsgeschick sind deshalb wertvolle Schlüsselqualifikationen, die eine Schiedsperson mitbringen sollte. Juristische Vorkenntnisse sind hingegen nicht erforderlich. Das notwendige fachliche Wissen für dieses Ehrenamt vermitteln Fortbildungen des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. Die Schiedsleute können auf diese Weise ihr Wissen erweitern.

„In den allermeisten Fällen gelingt die Einigung“, erzählt Klapper. Kommt im Rahmen der vorgerichtlichen Streitschlichtung trotz guter Erfolgsquoten kein Vergleich zustande, ist das Schiedsverfahren gescheitert. In diesem Fall bekommen die Antragssteller eine Erfolglosigkeitsbescheinigung und können Klage bei Gericht einreichen. „Das wird nicht nur teuer, sondern bedeutet in der Regel auch, dass das Nachbarschaftsverhältnis endgültig zerrüttet ist“, so die langjährige Schiedsfrau. Doch wer am runden Tisch das Problem löst, kann sich hinterher immer noch in die Augen sehen und kommt mit Gebühren von unter 100 Euro glimpflich davon.

Weitere Informationen

Wer Interesse an der ehrenamtlichen Tätigkeit als Schiedsperson hat, kann sich unter folgender Anschrift bewerben: Magistrat der Stadt Maintal, Christina Naumann, Klosterhofstraße 4-6, 63477 Maintal. Aus der Bewerbung müssen Name und Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, Berufsbezeichnung sowie der Wohnort und die Straße hervorgehen.

Der zeitliche Aufwand für dieses abwechslungsreiche Ehrenamt ist überschaubar. „Für Hochstadt sind es durchschnittlich fünf Anfragen jährlich, aus denen maximal zwei Fälle resultieren“, sagt Klapper. Für die berufstätige Mutter war die Vereinbarkeit dieser freiwilligen Tätigkeit mit beruflichen und privaten Verpflichtungen ein entscheidendes Kriterium. „Das klappt vor allem deshalb sehr gut, weil ich mir die Zeiten frei einteilen kann“, ergänzt die 51-Jährige.

„Im Vordergrund stehen der Spaß und das Interesse, mit Menschen zu arbeiten“, sagt Klapper. Die erforderliche technische Ausstattung stellt die Stadtverwaltung zur Verfügung. Bei Fragen, die im Verlauf der Mediation auftauchen, helfen Ansprechpartner beim Amtsgericht weiter. In Maintal gibt es in jedem Stadtteil eine eigene Schiedsperson, die in dem jeweiligen Stadtteil wohnt.

Wer Schiedsmann oder Schiedsfrau in Dörnigheim werden möchte, muss also im größten Stadtteil leben, darf nicht vorbestraft sein und sollte neben der erwähnten Menschenkenntnis und einiger Lebenserfahrung außerdem Geduld, etwas Zeit, die Fähigkeit zur Abfassung von schriftlichen Vergleichsprotokollen sowie die Bereitschaft, an Aus- und Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen, mitbringen. Gewählt werden Schiedspersonen durch die Stadtverordnetenversammlung, zunächst für die Dauer von fünf Jahren.  ccc

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