Symbolisches Lenkrad für die leidenschaftliche Autofahrerin: Von Rocco Leonzi erhielt Gisela Schnatterbeck im Rahmen von „Engagiert! Maintal sagt Danke“ mit Moderatorin Simone Kienast im März 2018 diese eher ungewöhnliche Auszeichnung. Rechts "Schmidtchen Schleicher" alias Günter Schmidt. Archivfoto: Ulrike Pongratz

Maintal

Ehrung für Gisela Schnatterbeck für Engagement bis ins hohe Alter

Maintal. „Ihr werdet euch noch wundern, wenn ich erst Rentner bin . . .“ sang Udo Jürgens in seinem Hit „Mit 66 Jahren“. Die Maintalerin Gisela Schnatterbeck jedenfalls hat sich dieses Motto ganz sicher zu eigen gemacht. Als Rentnerin, mit über 60 Jahren, hat sie noch einiges Neues ausprobiert.

Von Ulrike Pongratz

Sie stand das erste Mal – zusammen mit ihrer Tochter – auf „Rollschuhen“ und begann, Mode für Senioren vorzuführen. „Das hat mir richtig Spaß gemacht“, sagt die rüstige Seniorin, „schicke Kleider für ältere Menschen zu präsentieren“. In verschiedenen Einrichtungen und Veranstaltungen für Senioren war Schnatterbeck auf dem Laufsteg unterwegs, bis gesundheitliche Einschränkungen dies nicht mehr zuließen.

„Mutti, was machst du denn wieder?“, diese Frage hörte Schnatterbeck oft von ihren Kindern. Auch die Freude an der Musik hat sie spät entdeckt, für sich selbst und für andere. „Als mein Mann gestorben ist, habe ich mir ein Keyboard gekauft“, sagt sie, „und Noten gelernt. Es macht mir so großen Spaß, zu Hause Musik zu machen.“

Große Familie: Sie hat sechs Kinder, acht Enkel und fünf Urenkel

Am 8. April wird die geborene Altenstädterin ihren 91. Geburtstag im Kreis der Familie feiern; Gisela Schnatterbeck ist Mutter von sechs Kindern, Großmutter von acht Enkeln und auch schon Urgroßmutter von fünf Urenkeln. Mit 19 Jahren, erzählt sie, habe sie ihren Mann kennengelernt. „Den oder keinen“, habe sie damals gedacht und dann wurde 1949 geheiratet. 1953 wurde der Polizist nach Maintal versetzt, im August 1954 baute das Ehepaar in Selbsthilfe das Eigenheim.

Mit dem dritten Kind schwanger stand sie damals am Betonmischer, aber bereits im Februar 1955 bezog die Familie das Haus in der Rathenaustraße, in dem Schnatterbeck noch heute wohnt. Selbst sechs Kinder – eine halbautomatische Waschmaschine wurde erst beim sechsten Kind gekauft – konnten die engagierte Frau nicht davon abhalten, nebenbei ein wenig zu arbeiten.

Leidenschaftliche Autofahrerin

Sie fahre leidenschaftlich gerne Auto, und so habe sie für Firmen Autos zugelassen, was damals noch sehr viel mehr Aufwand und Fahrerei bedeutet habe als heute. Außerdem hätte sie als einzige Frau im Kreis ein Motorrad der Marke Sachs gefahren, mit 20 Jahren hatte sie den Führerschein in der Tasche. Gemeinsam mit ihrem Ehemann sei sie jahrelang Versicherungsmaklerin gewesen, so Schnatterbeck.

Man glaubt ihr sofort, dass sie auch diese Tätigkeit mit großer Freude und ganzer Leidenschaft angegangen ist und auch aufgrund ihrer Freundlichkeit und Offenheit bei ihren Kunden beliebt war. Und wie sang Udo Jürgens: „Und sehen mich die Leute / entrüstet an und streng / dann sag ich meine Lieben / Ihr seht das viel zu eng / Ich kauf' mir ein Motorrad /und einen Lederdress / und fege durch die Gegend / mit 110 PS“. Motorrad fährt sie nun nicht mehr, aber sie sitzt immer noch hinter dem Steuer.

„Ich habe extra in einer Fahrschule zwei Fahrstunden genommen, um mich überprüfen zu lassen“, sagt sie stolz. Sicher erinnern sich einige Maintaler an ihren mit viel Beifall bedachten Auftritt bei der Gala des Lions-Clubs und der Stadt Maintal „Engagiert! Maintal sagt danke“ im März 2018, als Schnatterbeck von Rocco Leonzi symbolisch ein Lenkrad als Preis überreicht bekam. Die Seniorin erinnert sich: „Was sollte ich mit einem Wellness-Wochenende oder dergleichen? Meine Kupplung war kaputt. Und ich brauche mein Auto doch für den Tanztee.“

Füße hochlegen - für die 90-Jährige keine Option

Im Februar allerdings, zum Faschings-Tanztee, konnte Schnatterbeck nicht selbst fahren. Zum Glück habe sie viele Unterstützer und Helferinnen. „Fußkrank“ sei sie, sie müsse sich fahren lassen. Zu Hause die Füße hochzulegen, ist für die aktive 90-Jährige keine Option. Vieles ließe sich ja telefonisch organisieren. So habe sie eine Büttenrednerin von der Karnevalsabteilung Blau-Weiß der Freien Turnerschaft Dörnigheim undfür Tanzmusik Werner Obermeier in Vertretung von „Schmidtchen Schleicher“ gewinnen können.

Fußkrank hin oder her – Gisela Schnatterbeck backt immer zwei Kuchen, so auch dieses Mal. Das linke Bein auf einem Hocker sitzt die Organisatorin freundlich lächelnd hinter der Kuchentheke, verwaltet die Kasse und unterhält sich bestens. Viele Gäste kommen regelmäßig, man kennt sich. „Wenn ich hier bin und die Musik höre, die Menschen tanzen sehe, dann vergess' ich meine Schmerzen.“

Gehört seit über 28 Jahren zum Organisationsteam des Tanztees

Seit über 28 Jahren gehört Schnatterbeck zum Organisationsteam des Tanztees. Einmal pro Monat, immer mittwochs nachmittags, schwingen bis zu 100 Gäste aus Maintal und Umgebung bei gemütlicher Atmosphäre das Tanzbein zur Musik von „Schmidtchen Schleicher“ alias Günter Schmidt. Vor allem Gisela Schnatterbeck, Sibylla Harth und weitere Unterstützerinnen kümmern sich um die Vorbereitungen: Plakate müssen geklebt werden, die Tische gestellt, geschmückt und eingedeckt, Kaffee und Kuchen müssen bereitstehen.

Mit fast 91 Jahren hat man schon die eine oder andere schwere Krankheit überwunden, so auch Schnatterbeck. Trotzdem bleibt sie aktiv. Sie besucht regelmäßig ihren Reha-Sport, ist Mitglied der Frauenhilfe, sie spielt gerne Bingo und geht zu Spielenachmittagen, sieht gerne Ratesendungen. „Ich will ja noch was lernen“, sagt sie und lacht, wippt und schunkelt und würde zu gerne auf dem Parkett stehen. Schließlich ist sie ja auch jahrelang in die Bütt gegangen. Auch beim Tanztee wusste sie als „Lustige vom Hessenland“ ihr Publikum zu begeistern – und tut es immer noch.

BaumpflanzaktionDie Baumpflanzaktion, mit der das ehrenamtliche Engagement von Gisela Schnatterbeck, Ursula Aurbek und Barbara Soff gewürdigt wird, findet am morgigen Sonntag, 10. März, um 14 Uhr im Frauenhain am Dörnigheimer Mainufer statt.

Das könnte Sie auch interessieren