Warb vorgestern für eine Politik von morgen: Philip Krämer, Landesvorsitzender der Grünen im zarten Alter von 27 Jahren, war in Maintal zu Gast. Foto: Christian Balke

Maintal

Dynamisch, jung, grün sucht: Mitstreiter(innen)

Maintal. So wie er vor den Besuchern steht, der 27 Jahre junge Philip Krämer, Landesvorsitzender der hessischen Grünen – niemand würde sich wundern, priese er im Stile eines Steve Jobs ein schickes, neues Mobiltelefon an. Aber Krämer ist zwar Innovator, aber kein technischer. Sondern durch und durch politisch.

Von Christian Balke

Im modisch-modern und doch funktional gestalteten Büroloft des Gastgebers und Unternehmers Ahmet Cetiner beeindruckt der junge Darmstädter an diesem Mittwochabend die Besucher. Die Politik, für die der noch jugendlich wirkende Mann steht, der erst seit 2015 bei den Grünen aktiv ist, diese Politik ist (vermutlich) die Politik von morgen.

Eine Politik mit „niederschwelligem Zugang“, wie man heute so schön sagt, die Mitwirkung wünscht und auch ermöglicht, eine projektorientierte Politik, die sowohl bei persönlichen Treffen als auch in Netzwerkforen funktioniert, und eine Politik – wie Krämer sagt –, bei der weniger geredet und mehr gemacht wird. In diesem Sinne wird auch gar nicht lange um den heißen Brei herum geredet. Krämer kommt auf den Punkt, sagt, was er möchte, was er sucht: „Menschen, die die Welt verändern wollen!“

Von denen sind an diesem Abend potenziell 25 bis 30 in den „SPACE“ des umtriebigen Unternehmers Ahmet Cetiner gekommen. Nur knapp ein Drittel hat nach eigenen Angaben ein grünes Parteibuch, die anderen sind potenzielle grüne „Neuzugänge“. Die treten mit ganz konkreten Projekten an die Maintaler Grünen und ihren Landesvorsitzenden heran. Baumpflanzungen, Öffnung eines „Unverpackt“-Ladens, Kunst für die Stadt, genossenschaftliche Anschaffung von Solarpanälen und viele Punkte mehr schreibt Krämer auf eine Pinnwand.

Nicht weit weg und abgehoben seien diese Ziele, sondern umsetzbar: „Das ist ja das Faszinierende an Politik, dass man tatsächlich Dinge erreichen kann, ändern kann.“ Als Darmstädter Stadtverordneter und Vorsitzender eines kommunalen Ausschusses sei es toll zu sehen, wie Projekte erst in Anträgen und Vorlagen stünden, um dann innerhalb von Monaten tatsächlich umgesetzt zu werden: „Da hat man das Gefühl, dass man selbst mitgearbeitet, etwas beigetragen hat.“

Etwas beitragen könnten auch die Besucher, versichert der junge Mann glaubhaft. Sie sollten sich vernetzen und gemeinsam mit den Maintaler Grünen engagieren: „Dann werden sie daran mitarbeiten können, diese Dinge, die ja gut und sinnvoll sind, umzusetzen.“

Kritisiert wird an dem Abend die Angewohnheit anderer Parteien, Neuzugänge erst einmal jahrelang auf das Wartegleis zu schieben: „Man muss den Leuten von Beginn an Verantwortung übertragen“, sagt Krämer. Er weiß, wovon er spricht, und findet die Anregungen der Maintaler Besucher „voll gut!“

Monika Vogel und Friedhelm Duch von den Maintaler Grünen sind beeindruckt vom Besuch und ziehen ein Fazit, dem wohl viele Anwesende zustimmen würden: „Halten wir mal fest, dass von den Punkten, die wir hier zusammengetragen haben, in der aktuellen Maintaler Politik keiner eine Rolle spielt“, sagt Duch. Und schließt mit Worten des großen niederrheinischen Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch aus Moers. Aus dessen pointiertem Zitat der Hamburger Humorist Hans Scheibner einst in den 1970er Jahren ein Lied textete: „Das macht doch nix, das merkt doch keiner – das Motto, nach dem Politik hier offensichtlich funktioniert.“

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