Die Tauchergruppe der Feuerwehr Maintal bei einem Übungseinsatz am Mainufer. Taucht gerade auf: Tobias Müller.
+
Die Tauchergruppe der Feuerwehr Maintal bei einem Übungseinsatz am Mainufer. Taucht gerade auf: Tobias Müller.

Einsätze im Main und in Badeseen

Doppelt so viele Einsätze: Taucher der Maintaler Feuerwehr in diesem Jahr besonders gefordert

  • Mirjam Fritzsche
    vonMirjam Fritzsche
    schließen

Die Taucher der Maintaler Wasserrettung werden regelmäßig zu Einsätzen in Badeseen und Flüssen gerufen. Der Job ist anspruchsvoll und voller Nervenkitzel. In diesem Jahr waren die Taucher besonders oft Im Einsatz.

Maintal – Bevor Tobias Müller in den Main steigt, wird er von Kollegin Kerstin Haardt angeleint. „Wir tauchen aus Sicherheitsgründen nur mit Leine“, erklärt Till Hübner, Leiter der Maintaler Feuerwehrtaucher. An diesem sonnigen Herbsttag ist er mit drei Leuten aus seinem 19-köpfigen Team für eine Übungseinheit oberhalb der Schleuse in Hanau am Main. In Ufernähe parkt der Gerätewagen der Wasserrettung. So sind es nur wenige Meter bis ins Wasser.

40 Kilogramm Ausrüstung in 15 Minuten angelegt

Den Taucheranzug hat Tobias Müller bereits in der Feuerwache an der Berliner Straße in Dörnigheim angelegt. „Wenn es schnell gehen muss, kann man das in 15 Minuten schaffen“, erzählt Hübner. Auch Tobias Trepte steht in voller Montur bereit.

Er ist heute der Sicherungstaucher, muss sich im Notfall nur noch die Maske aufsetzen, sollte sein Kamerad Hilfe brauchen. Weil die Ausrüstung schwer ist – sie wiegt um die 40 Kilogramm – hat er auf einem großen Sitzsack Platz genommen.

Taucher der Feuerwehr müssen regelmäßig üben

Regelmäßige Übungen sind bei der Maintaler Tauchergruppe ein Muss. Zehn Tauchgänge pro Jahr sind Voraussetzung, um die Befähigung für Taucheinsätze bei der Feuerwehr zu behalten. Tauchanwärter müssen sogar 50 Tauchgänge absolvieren.

In Wartestellung: Tobias Trepte ist an diesem Tag Sicherungstaucher. Die Ausrüstung ist schwer. Deshalb nimmt der 30-Jährige auf einem großen Sitzsack Platz.

Geübt werden soll an diesem Tag das sogenannte Halbkreissuchverfahren. Am anderen Ende der Leine steht Kerstin Haardt. Die 26-Jährige ist die einzige Frau der Tauchergruppe und heute Signalgeberin. „Als ich vor acht Jahren die Taucherausbildung angefangen habe, musste ich mich ganz schön durchsetzen. Damals gab es noch nicht mal separate Duschen für Frauen“, erzählt sie.

Kontakt zu den Tauchern über eine Leine

Kerstin Haardt hält den Kontakt mit dem Taucher über das sogenannte „Tauchertelefon“ und dirigiert ihn über die Leine. „Zweimal ziehen bedeutet links, dreimal ziehen heißt rechts“, erläutert sie. Kommt der Taucher zu nah in Ufernähe, schickt sie ihn zurück in die andere Richtung. Ist der Halbkreis vollendet, gibt sie mehr Seil und weitet damit den Suchradius aus.

Hübner dokumentiert derweil den Übungseinsatz. Er muss die Gefährlichkeit für sein Team einschätzen: Strömung, Sichtweite, Temperatur. Die Voraussetzungen an diesem Tag sind gut.

Taucher der Feuerwehr finden öfter Tresore

Nach einigen Minuten meldet Tobias Müller einen Fund. Er ist nicht besonders groß, deshalb bringt er ihn an Land. Der Gegenstand könnte eine Metallbox sein, ist jedoch sehr verrostet. Mit einem Messer, das die Taucher unter Wasser dabei haben, können sie testen, ob es sich bei Fundstücken um Metall oder etwa Stein handelt.

„Bei Metall hört man ein hohes Klingeln“, erläutert Tobias Trepte. Und Hübner fügt hinzu: „Wir finden viel Müll: Einkaufswagen, alte Fahrräder, aber auch Tresore. Die sind natürlich für die Polizei von großem Interesse. Oftmals stammen sie von einem Einbruch.“

Herzklopfen und Aufregung bei den Einsätzen

Während der Übung wirken alle sehr entspannt. Das kann bei einem echten Einsatz natürlich ganz anders sein. „Da hat man schon mal Herzklopfen“, sagt Tobias Trepte. Vor allem, wenn es eng ist und man wenig sieht. „Gerade am Anfang spürt man da ein Unbehagen“, so der 30-Jährige. „Ein Ast fühlt sich dann schnell wie ein Arm an.“ Da hilft irgendwann die Routine.

Für die Sicherheit: Kerstin Haardt leint Tobias Müller an. So können Taucher im Notfall geortet oder an Land gezogen werden.

Körperliche Fitness ist zudem eine wichtige Voraussetzung. „Das Tauchen gegen die Strömung ist ungefähr so anstrengend wie das Kraulen im Schwimmbad“, gibt Trepte einen Vergleich. Einmal im Jahr müssen sich die Mitglieder der Tauchergruppe einer medizinischen Untersuchung unterziehen.

Taucher der Feuerwehr in diesem Jahr am Kinzigsee gefordert

Die Taucher kommen unter anderem bei Schiffsunfällen zum Einsatz. Sie sichern die Einsatzkräfte ab. In diesem Sommer wurde die Tauchergruppe beispielsweise alarmiert, als ein Pkw in den Kinzigsee gerollt ist. Die Tauchergruppe wird auch gerufen, wenn Personen im Main oder im Badesee vermisst werden, aber auch, um Leichen zu bergen.

„Damit lernt man umzugehen, aber wirklich gewöhnen kann man sich daran nicht“, sagt Till Hübner, seit 2014 Leiter der Gruppe. Manche Fälle bleiben einem lange im Gedächtnis, gibt er zu. Wie der Fall des vermissten Bischofsheimers, der schließlich zwischen Nato-Rampe und Rumpenheimer Fähre gefunden wurde.

Wegen Corona: Zahlreiche Einsätze für die Taucher der Feuerwehr

Corona hat der Gruppe nicht nur eine Vielzahl von Einsätzen beschert, sondern auch die Übungsroutine ins Stocken gebracht. „Den theoretischen Teil haben wir online machen können. Aber die Arbeit der Feuerwehr ist eben ein Handwerk, sie muss praktisch geübt werden“, betont Hübner.

Die Tauchergruppe der Feuerwehr Maintal

Ein Unglücksfall gab 1965 den Ausschlag, in Dörnigheim einen Wasserrettungsdienst aufzubauen. Ein kleiner Junge war beim Spielen in den Main gefallen und ertrunken. Daraufhin wurden zwei Schlauchboote und drei Tauchgeräte angeschafft. Das Tauchen war damals noch eine echte Pionierleistung. Mangels Taucherschutzanzügen mussten die damals sechs Kameraden der Tauchergruppe bei jeder Jahreszeit in Badehosen ins Wasser steigen. Heute gehören der Fachabteilung Wasserrettung der Maintaler Feuerwehr 19 Mitglieder an, davon sind drei Lehrtaucher. Ihr Einsatzgebiet umfasst den gesamten Main-Kinzig-Kreis und die Osthälfte des Kreises Offenbach. 2020 gab es bereits 20 Einsätze für die Feuerwehrtaucher – etwa doppelt so viele wie im Jahresdurchschnitt. „Im Sommer waren viele Freibäder und Badeseen wegen Corona geschlossen. Deshalb sind viele Menschen im Main schwimmen gegangen“, erklärt Abteilungsleiter Till Hübner den Anstieg der Einsatzzahlen. Ausgebildet werden in Maintal Feuerwehrtaucher der Stufe 2. Das heißt, sie dürfen unter Wasser auch hämmern, meißeln und sägen. Die Tauchanwärter müssen im praktischen Teil 50 Tauchgänge absolvieren. Der Lehrgang dauert etwa ein halbes Jahr und gehört damit zu den langwierigsten bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Die Maintaler haben im Kreis ein Alleinstellungsmerkmal – sie sind die einzigen mit einer Tauchergruppe. „Wir sind so etwas wie eine kleine Spezialeinheit. Das macht den Reiz für mich aus“, erklärt der 29-Jährige. Zudem sei die Aufgabe abwechslungsreich. Der technische Aspekt interessiere ihn ebenfalls.

Tauchgeräte müssen für den Ernstfall immer bereit sein

Hübner taucht auch privat. So könne man auch die schönen Seiten des Tauchens genießen. „Vorkenntnisse sind aber keine Voraussetzung, um eine Ausbildung zum Feuerwehrtaucher zu beginnen“, erklärt er. Vorteile hätte es allerdings, bereits den Atemschutzlehrgang absolviert zu haben. „Dann kennt man sich zumindest schon damit aus, wie es ist, über ein Gerät zu atmen“, so Hübner.

Nach 20 Minuten ist der Übungseinsatz für Tobias Müller beendet. Die Nachbereitung erfordert allerdings noch einiges an Zeit. Alle Geräte werden im Anschluss überprüft, damit sie für den Ernstfall sofort bereit stehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema