Ursula Wenkemann ist Lesepatin und gibt Leseanfängern Starthilfe, wenn es etwas holpert. Foto: Faust

Maintal

Dörnigheimerin engagiert sich ehrenamtlich als Lesepatin

Maintal. Wenn aus Buchstaben Worte werden und aus Worten Sätze, dann entstehen plötzlich Geschichten. Die wollen aber hart erarbeitet werden. Vor allem von Leseanfängern. Zum Glück gibt es Menschen wie Ursula Wenkemann, die auf dem manchmal holprigen Weg in diese neue Welt eine helfende Hand reichen.

Von Martina Faust

Ursula Wenkemann ist Lesepatin. Ehrenamtlich. Damit ist die Dörnigheimerin eine von vielen Maintalern, die sich in ihrer Freizeit unentgeltlich für eine gute Sache engagieren und die wir rund um den Tag des Ehrenamts stellvertretend vorstellen.

Es ist früher Nachmittag, als Ursula Wenkemann im Hort Berliner Straße eintrifft. Sie wird herzlich begrüßt – von den Erzieherinnen, schließlich „gehört sie längst zum Team“, wie Hortleiterin Elke Muth unterstreicht, und natürlich von den Kindern. Die meisten kennt sie bereits aus der Wilhelm-Busch-Schule, wo sie bereits am Vormittag als Lesepatin unterwegs war.

Zusätzliche Einzelförderung

Lesepaten, das sind Menschen, die Grundschüler beim Lesestart unterstützen. Denn nicht jedem Erstklässler fällt das Erlernen dieser Kulturtechnik leicht. Vor allem Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, tun sich anfangs schwer. Damit diese Jungen und Mädchen nicht gleich beim Einstieg ins Schulleben ins Hintertreffen geraten, erhalten sie durch Lesepaten eine zusätzliche Einzelförderung – wenn sie das selbst wollen. Denn das Angebot der Lesepaten ist freiwillig. „Es ist unglaublich schön zu erleben, wie sich die Kinder entwickeln“, sagt Ursula Wenkemann und kann berührende Geschichten erzählen, die sie in ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Lesepatin erlebt hat.

Etwa von einem polnischen Jungen, der bei seiner Einschulung kein Deutsch sprach. Die Kommunikation erfolgte zunächst mit Bilderbüchern und Zeichensprache. Heute steht der Jugendliche kurz vor dem Abitur. Unvergessen ist auch Meryem (Name von der Redaktion geändert). Schließlich hat mit dem türkischen Mädchen, das unbedingt lesen lernen wollte, vor zehn Jahren alles angefangen. „Ich kam extra für Meryem in die Buschschule“, erinnert sich Wenkemann. Nach und nach wurden es mehr Kinder.

Interessiert und ehrgeizig

„In der Schule sind es die Lehrer, die eine Empfehlung aussprechen, im Hort die Erzieher“, erklärt die Rentnerin. Etwa 20 Minuten liest sie mit jedem Kind, mit den Jungen meist Fußballgeschichten, mit den Mädchen vor allem Erzählungen, in denen es um Pferde geht. „Ich stelle mich da ganz auf die Interessen der Kinder ein“, unterstreicht sie.

Für Ida, die in die zweite Klasse geht, hat sie die „Feriengeschichten“ eingepackt. „Aber mit dem Buch sind wir doch schon fertig“, wirft Ida ein. „Oh, Ida, du hast recht. Dann such dir doch ein neues Buch aus“, lädt Wenkemann ein, und schon flitzt Ida los und kommt kurz darauf mit „Conni und das Familienfest“ zurück. Conni kennt Ida schon, aus dem Fernsehen und von Hörbüchern. Nun schlägt sie das Buch auf und beginnt zu lesen. Etwas unsicher noch, aber interessiert und ehrgeizig.

Leselust statt Lesefrust

Nach einigen Sätzen reicht sie das Buch Ursula Wenkemann. „Jetzt du“, sagt sie. Die Lesepatin lächelt und liest weiter. Tandemlesen heißt das Prinzip, das sich im Lesealltag mit den Kindern bewährt. „Meist lese ich die längeren Passagen“, lacht die Dörnigheimerin. Aber das ist egal. Es geht nicht um die Textlänge, die die Kinder meistern, sondern darum, sie für das Lesen selbst zu begeistern und zu motivieren, sich mit den Worten zu beschäftigen.

Also liest Ursula Wenkemann die Geschichte weiter. So, wie sie schon ihren Kindern und Enkeln vorgelesen hat. „Doch nicht alle Kinder sind so privilegiert“, bedauert sie. Daher auch ihre Motivation für das Ehrenamt als Lesepatin. Und natürlich auch die eigene Begeisterung für Literatur, für Biografien und historische Romane. „Das Trümmerkind“ liest sie aktuell – zu Hause. Im Hort ist es jetzt „Das magische Pony“ oder eben Conni, die für Leselust statt Lesefrust sorgen sollen.

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