Der Dörnigheimer Germanist und Historiker Dr. Bernhard Adamy hat die Gedichtsammlung der „Domlieder“ des Speyrer Domkapitulars Wilhelm Molitor wiederentdeckt und neu herausgegeben. Die dritte und bisher letzte Auflage der im 19. Jahrhundert entstandenen Werke stammt aus dem Jahr 1926. Foto: Gerth

Maintal

Dörnigheimer sorgt für Wiederentdeckung einer Gedichtsammlung

Maintal. Oft führen reine Zufälle dazu, dass längst vergessene Persönlichkeiten oder Werke wiederentdeckt werden. So stieß der Dörnigheimer Germanist und Historiker Dr. Bernhard Adamy beim Lesen einer Dokumentation über die Speyrer Domfresken auf einen Hinweis auf die kaum noch bekannten „Domlieder“ von Wilhelm Molitor.

Von Lars-Erik Gerth

Damit war seine Neugierde erwacht und er machte sich auf die Suche nach den Gedichten. Herausgekommen ist dabei nun die erste Neuauflage des Werks nach über 90 Jahren.

Wie aber kommt ein seit seiner Kindheit in Dörnigheim lebender Oberstudienrat, der bis ins vergangene Jahr hinein an einem Gymnasium in der Region als Lehrer tätig gewesen ist, dazu, sich näher mit der Geschichte rund um den Speyrer Dom zu beschäftigen?

„Ich habe bereits seit 20 Jahren eine enge Beziehung zu Speyer, da ich dort für mich sehr wichtige Bekannte habe, bei denen ich auch wohne. Bevor ich im vergangenen Jahr in Pension gegangen bin, war ich immer an den Wochenenden in Speyer, nun verbringe ich mehr als die Hälfte der Woche dort. Und der Speyrer Dom und seine Geschichte haben mich schon immer interessiert. So stieß ich in der Bibliographie zu dem Buch über die Speyrer Domfresken von Johann Baptist Schraudolph auf den Hinweis zu den 'Domliedern' von Wilhelm Molitor“, erläutert der 64-Jährige die Hintergründe für seine Arbeit über den im 19. und noch Anfang des 20. Jahrhunderts sehr bekannten Speyrer Domkapitular Wilhelm Molitor.

Aber nicht nur die Literaturgeschichte hat es dem seit 1963 in Dörnigheim wohnenden Adamy angetan. Nicht zuletzt durch die große Schallplattensammlung seines Vaters, die er später dann selbst – mittlerweile auch durch zahlreiche CDs – erweitert hat, kam er früh ebenso mit der klassischen Musik und der Oper in Berührung. Und auch auf diesem Gebiet war er wissenschaftlich tätig.

So ist er Herausgeber der Schriften und Briefe des Komponisten und Schriftstellers Hans Pfitzner. Auch dieser ist eine Persönlichkeit, die zwar nicht in Vergessenheit geraten ist, deren Werke aber eher ein Schattendasein im Opern- und Konzertbetrieb fristen.

Und auch im Fall Pfitzner kam der Dörnigheimer rein zufällig auf den 1949 in Salzburg verstorbenen Musiker. „Ich blätterte in einem alten Opernführer meines Vaters und stieß auf Ausführungen zu Pfitzners bekanntestem Werk 'Palestrina'. Und die dort abgedruckten letzten Zeilen der Oper ('Nun schmiede mich, den letzten Stein an einem deiner tausend Ringe, Du Gott – und ich will guter Dinge und friedvoll sein') faszinierten mich so sehr, dass ich mehr über diesen Komponisten erfahren wollte.

Und so stellte ich fest, dass es noch keine umfassende Beschäftigung mit dessen Arbeit gegeben hat“, erzählt Adamy, der sich dann mit der Hans-Pfitzner-Gesellschaft in Verbindung setzte, die sofort begeistert von der Idee des Dörnigheimers gewesen sei, dass dieser sich wissenschaftlich mit dem Komponisten auseinandersetzen und dessen Schriften herausbringen wollte, was Anfang der 80er Jahre auch geschehen ist.

Seit 2013 beschäftigt sich Bernhard Adamy nun mit Leben und Werk von Wilhelm Molitor. Der Dörnigheimer hat in seiner Neuausgabe auch die späteren Domgedichte Molitors aufgenommen und kommentiert. Die eingehende Beschäftigung mit dem Theologen, Dichter und Schriftsteller führte außerdem bereits zu einem Aufsatz über Molitor, der 2015 erschien.

„Aktuell arbeite ich nun an einer Monografie, die anlässlich seines 200. Geburtstags im August 2019 erscheinen wird. Sehr dankbar bin ich für die Unterstützung durch das Speyrer Bistumsarchiv, ohne die meine Arbeiten über Leben und Werk Molitors gar nicht möglich wären. Dort bin ich auf großes Interesse bezüglich meiner Nachforschungen zu den 'Domliedern' gestoßen“, streicht der Dörnigheimer die gute Zusammenarbeit mit den Vertretern des Bistums Speyer heraus. Das Diözesan-Archiv Speyer ist auch der Herausgeber von Adamys Neuauflage der „Domlieder“.

Wilhelm Molitor „Domlieder“, vierte erweiterte und kommentierte Auflage, herausgegeben von Dr. Bernhard Adamy, Schriften des Diözesan-Archivs Speyer, Band 52. Zum Preis von 19,80 Euro erhältlich. Erschienen ist das Werk im Pilger-Verlag Speyer unter der ISBN-Nummer 9 78-3-94 67 77-06-9

Wilhelm Molitor schrieb nicht nur die „Domlieder“

Der 1819 in Zweibrücken geborene Wilhelm Molitor war nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg und München zunächst Regierungssekretär im bayerischen Staatsdienst, schloss dann aber ein Theologiestudium in Bonn an und wurde im Jahr 1851 zum Priester geweiht. Seine „Domlieder“, die 76 Gedichte rund um den Speyrer Dom umfassen, waren bereits im Jahre 1846 erschienen und machten ihn in der Region sehr bekannt.

Molitor war aber auch politisch aktiv und saß in den Jahren 1876 und 1877 sogar für die Vaterlandspartei als Abgeordneter im Landtag in München, der bayrischen Landeshauptstadt. Außerdem gab er von 1868 bis 1879 die katholische Speyrer Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ heraus, sozusagen eine Vorläuferin der Zeitung gleichen Namens, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Ludwigshafen gegründet wurde. Nach langer Krankheit starb Wilhelm Molitor 1880.

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