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Das freitägliche gemeinsame Singen in der Mainaue ist wohl nicht bei allen gut angekommen. Drei Beschwerden sind dazu beim Ordnungsamt eingegangen.

„Es war eine schöne Abwechslung“

Dörnigheimer Nachbarschaft darf nicht mehr gemeinsam Musik machen

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„Es war für alle eine willkommene Abwechslung“, sagt Johanna Giussani. Drei Wochen lang haben sie und ihre Nachbarn in der Dörnigheimer Mainaue immer freitags gemeinsam gesungen und getanzt. „Natürlich immer unter Wahrung des Mindestabstands“, sagt die Maintalerin.

„Die Anwohner standen auf dem Balkon, haben geklatscht und mitgesungen. Es war einfach so schön, in die glücklichen Gesichter zu schauen, gerade der älteren Nachbarn.“ In Zeiten der Corona-Krise, in der soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert sind, seien solche Aktionen wie die von Johanna Giussani und ihrem Mann doch besonders wichtig, um einander trotz Mindestabstand näherzukommen und eine Abwechslung vom Alltag zu haben, sagt sie. Doch nach drei Wochen war Schluss: „Wir haben vom Ordnungsamt strikt die Anweisung bekommen, das zu unterlassen, wenn wir nicht ein Bußgeld oder eine Anzeige riskieren wollen.“

„Wir sehen solche Maßnahmen aufgrund der möglichen Gruppenbildung in der Öffentlichkeit zurzeit wegen der besonderen Lage kritisch“, heißt es auf Anfrage dazu aus dem Rathaus. Beim Ordnungsamt seien drei Beschwerden aufgrund der Aktion eingegangen. „Nachdem wir darüber informiert wurden, dass die Aktion jeweils mindestens 90 Minuten dauern sollte, haben wir die Empfehlung ausgesprochen, von der Aktion abzusehen. Hinzu kommt, dass die gesamte Wohnanlage beschallt werden sollte. Aufgrund der bereits eingegangenen Beschwerden muss deshalb mit Lärmanzeigen gerechnet werden“, so Stadtsprecherin Martina Faust. 

„Viele standen auf den Balkonen oder auf der Wiese hinter dem Haus und haben mitgesungen“

Für Johanna Giussani ist das unverständlich. „Die meisten Bewohner haben sich über die Abwechslung gefreut“, sagt sie. „Viele standen auf den Balkonen oder auf der Wiese hinter dem Haus und haben mitgesungen“, sagt die Maintalerin. Für die Nachbarn sei das gemeinsame Singen freitags schon ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden. „Wir haben zum Anfang immer die 'Ode an die Freude' gespielt und zum Schluss den 'Gefangenenchor', was für eine gute Stimmung in der Wohnanlage sorgte“, sagt Giussani. 

Bei einer Aktion hätten die Initiatoren Musik für die Nachbarn mit Migrationshintergrund gemacht – zum Beispiel auf russisch, türkisch oder italienisch. „Und wir hatten sogar dann jemanden in der Nachbarschaft, der einige Lieder live gesungen hat“, so Giussani. Hin und wieder wären auch Leute auf dem Fahrradweg stehen geblieben und hätten der Musik gelauscht. „Es gibt bei uns in der Wohnanlage viele ältere Bewohner, die nicht rausgehen können und sich die ganze Woche schon auf diese kleine Abwechslung gefreut haben“, ist die Maintalerin sicher. Doch eines Freitags sei die Polizei gekommen. 

Giussani: „Natürlich halten wir uns daran“

„Die wurde wohl von einem Anwohner, der sich in seiner Ruhe gestört fühlte, gerufen“, so die Maintalerin. „Die Polizisten waren sehr freundlich und haben uns sogar gelobt, dass alle Corona-Sicherheitsmaßnahmen, wie Abstand, eingehalten wurden. Die Polizisten haben uns dann empfohlen, nicht mehr so lange zu machen, woran wir uns auch gehalten haben.“ Um auf der sicheren Seite zu sein, hat Giussani anschließend das Maintaler Ordnungsamt kontaktiert und dort angefragt, ob sie ihre freitägliche Aktion weiterführen könnte – und vielleicht auch Gymnastikkurse für die Anwohner, wie zum Beispiel Zumba, organisieren könnte. 

„Da wurde mir sehr klar zu verstehen gegeben, dass ich das lieber sein lassen soll“, sagt Giussani, die darauf mit Unverständnis reagiert. „Natürlich halten wir uns daran“, sagt sie. „Aber schade finde ich das trotzdem. Denn dass die Musik eine willkommene Abwechslung war, zeigte die Vielzahl der Teilnehmer und deren glückliche Gesichter.“

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