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Dörnigheimer Fährleute haben es nicht leicht

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Pay the ferryman: Jürgen Spiegel steuert die Mainfähre. Außer ihm und seiner Mutter arbeiten noch seine Schwester sowie deren Lebensgefährte im Familienbetrieb Spiegel. Foto: Kalle
Pay the ferryman: Jürgen Spiegel steuert die Mainfähre. Außer ihm und seiner Mutter arbeiten noch seine Schwester sowie deren Lebensgefährte im Familienbetrieb Spiegel. Foto: Kalle

Maintal. Betriebsausfälle und Reparaturen machen den Fährleuten in Dörnigheim zu schaffen. Der Kreis Offenbach verhandelt derzeit mit den Betreibern über einen neuen Pachtvertrag.

Von David Scheck

„Die Schweißarbeiten sind jetzt abgeschlossen“, betont Helga Spiegel. Die 61-Jährige ist die Pächterin der Fähre über den Main zwischen Maintal-Dörnigheim und Mühlheim. Sie betont es deshalb so, weil sich die notwendigen Reparaturarbeiten verzögert hatten. Und weil die Fähre in der jüngsten Vergangenheit mehrfach durch Betriebsausfälle von sich reden machte. Derzeit verhandelt der Kreis Offenbach, dem die Fähre gehört, mit den Spiegels über einen neuen Pachtvertrag.

Eiskalt bläst der Wind über den Main, als Redakteur und Fotograf zum vereinbarten Termin an einem Dezembertag an der Fähre in Dörnigheim eintreffen. Helga Spiegel, die an diesem Nachmittag kassiert, und ihr 37-jähriger Sohn Jürgen, der die Fähre steuert, begrüßen uns freundlich. Schranke runter, Rampe hoch und los, auf die andere Mainseite: Der Fährbetrieb läuft auch während des Pressegesprächs weiter. Er muss es auch, denn er ist eine wichtige Verkehrsverbindung für die Region über den Main. Die nächstgelegenen Brücken sind im Westen erst in Frankfurt-Fechenheim, in Richtung Osten in Hanau-Steinheim zu finden. Pendler, die die Mainseite wechseln und sich diese Umwege sparen wollen, nehmen entweder die Dörnigheimer Fähre oder jene von Maintaler Seite aus nach Offenbach-Rumpenheim einige Kilometer weiter westlich, die privat betrieben wird.

Betrieb immer wieder mal unterbrochen

Trotz ihrer Bedeutung für den Pendlerverkehr: Reich wird man durch die Mainfähre nicht, sagt Helga Spiegel. Sie übernahm vor knapp vier Jahren, nach dem Tod ihres Mannes Peter Spiegel, das Geschäft. Ein Familienbetrieb: Neben der 61-Jährigen und ihrem Sohn arbeiten noch ihre Tochter und deren Lebensgefährte auf der Fähre. Es ist ein Knochenjob, den die Familie Spiegel macht: im Zwei-Schicht-Betrieb jeweils zu zweit – einer fährt, einer kassiert –, sechs Tage die Woche, von Montag bis Samstag, das ganze Jahr über. „Urlaub haben wir nicht“, so Helga Spiegel. Nur am Sonntag ruht der Betrieb, „den brauchen wir“, so die Pächterin. Frei haben die Spiegels auch dann, wenn der Main Hochwasser hat und der Fährverkehr eingestellt werden muss. Doch genau genommen sind dies natürlich auch Tage, an denen keine Einnahmen gemacht werden.

Zur Untätigkeit verdonnert waren die Spiegels auch im vergangenen Mai, als ihre Fähre den gesamten Monat sowie die ersten Junitage stillstand – wegen Reparaturarbeiten. Doch schon vorher war der Betrieb immer mal wieder unterbrochen, was die Maintaler Stadtverordnetenversammlung im November 2015 dazu veranlasste, einen Beschluss zu fassen, der den etwas staatstragenden Titel „Sicherung des Fährbetriebs über den Main“ trägt. Der Haken an der Sache ist, dass die Fähre im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Offenbach liegt, die im Beschlusstext ebenfalls erwähnten Städte Offenbach, Mühlheim und Maintal lediglich beim Kreis vorstellig werden können.

Weitere Reparaturarbeiten stehen vorerst nicht an

Im Falle von Maintal ist das bereits geschehen, Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) ist Ende November zum Gespräch auf der südlichen Mainseite gewesen. Was er inhaltlich aus diesem Zusammentreffen mit den dortigen zuständigen Verwaltungskollegen mitgenommen hat, ist, dass der Landkreis Offenbach über eine Modifizierung des Pächtervertrags die Bedingungen für einen Sieben-Tage-Betrieb in der Woche schaffen wolle. Bei der Bitte um eine Bestätigung dieser Aussage hält man sich in Dietzenbach (dem Sitz der Kreisverwaltung Offenbach) gegenüber unserer Zeitung allerdings bedeckt und verweist darauf, dass man sich aktuell in laufenden Verhandlungen mit der Pächterfamilie befinde und sich zu Details nicht äußern wolle. Von Vertragsverhandlungen spricht auch Helga Spiegel, von dem angeblichen Plan, zukünftig auch sonntags zu fahren, erfährt sie allerdings erst durch unsere Zeitung. „Das können wir als vierköpfiges Team gar nicht leisten“, so ihre unmissverständliche Aussage.

Wie geht es also nun weiter mit der Fähre? Die notwendig gewordenen Reparaturarbeiten sind beendet, weitere stehen nicht an – erst einmal. Die Anschaffung einer neuen Fähre steht laut Aussage des Kreises nicht zur Debatte. Nach der Information, die der Magistrat der Stadt Maintal veröffentlichte, will Offenbach den neuen Vertrag im ersten Quartal 2017 zum Abschluss bringen. Eine tragfähige Lösung ist jedenfalls allen zu wünschen, den Pendlern, aber auch der Familie Spiegel, die nach eigenen Angaben insgesamt bereits rund 100 000 Euro in verschiedene Reparaturen ihrer Fähre gesteckt hat – aus eigener Tasche, finanziert durch Kredite. Denn erst seit diesem Jahr beteiligt sich auch der Kreis Offenbach an den Kosten.

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