Mit Rauschebart und rotem Mantel macht sich Björn Kaiser im Dezember auf Geschenketour.
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Mit Rauschebart und rotem Mantel macht sich Björn Kaiser im Dezember auf Geschenketour.

Voller Terminplan

Die Rolle seines Lebens: Björn Kaiser aus Maintal sorgt als Weihnachtsmann für leuchtende Kinderaugen

  • VonBettina Merkelbach
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Im Dezember hat Björn Kaiser alle Hände voll zu tun. Genauer gesagt ist er am 24. Dezember ausgebucht. Am 6. Dezember hat er auch einige Termine. Dann schlüpft er in ein rotes Samtkostüm mit goldenem Gürtel, stopft den zu dünnen Bauch mit einem großen Kissen aus, zieht eine rote Zipfelmütze auf und legt einen weißen Rauschebart an.

Maintal – Doch neben der goldenen Brille, dem goldenen Buch und dem prall gefüllten Geschenkesack ist sein wichtigstes „Accessoire“ die tiefe, fröhlich-liebevolle Stimme, mit der er seinen „Kunden“ ein lautes „Ho, ho, ho“ entgegenschmettert. Spätestens dann merkt man: Björn Kaiser, Graf von Falkenstein, wie er mit vollem Namen heißt, schlüpft nicht einfach nur in ein Kostüm, um den Weihnachtsmann zu mimen. Er schlüpft in die Rolle seines Lebens. Vor vier Jahren kam der Bischofsheimer auf die Idee, ein Weihnachtsmann-Business zu gründen.

„Ich habe erst mal ganz klein angefangen, mich dann aber schnell dafür entschieden, das professionell aufzuziehen“, sagt Björn Kaiser. Seitdem zählen alljährlich nicht nur viele Familien, sondern auch Kitas, Schulen, Seniorenheime und Vereine zu den Kunden, die er mit seiner Weihnachtsmann-Show beglückt. Sogar die Weihnachtsfeiern einiger Unternehmen mischt er mit seiner authentischen Santa-Claus-Einlage auf. Seine wichtigste Motivation: den Kindern Glück schenken. Also kaufte er sich ein professionelles Weihnachtsmann-Kostüm und einen weißen Rauschebart und legte los. Schauspielerische Erfahrung hat er in Soaps wie „Berlin Tag und Nacht“ oder „Auf Streife“ gesammelt.

Im Hauptberuf Fernfahrer - privat Santa-Claus-Mime

Zunächst inseriert er seinen Weihnachtsmann-Auftritt über Kleinanzeigen und merkt schnell, dass die Idee ausbaufähig ist. E-Mail- und Mundpropaganda tun ihr Übriges, sodass sich sein Kalender im Dezember schnell füllt. „Aufgrund von Corona ist es dennoch etwas schleppender angelaufen als ich dachte“, bekennt er. Viele Veranstaltungen, auf denen er Geschenke verteilen könnte, finden derzeit einfach nicht statt. Dennoch macht es ihn glücklich, bei der Bescherung in leuchtende Kinderaugen zu blicken. „Ich hatte selbst eine schlimme Kindheit, aber an Weihnachten erinnere ich mich trotzdem gerne zurück“, sagt Kaiser, der im Hauptberuf Fernfahrer ist. Privat ist der Santa-Claus-Mime allerdings etwas kleiner motorisiert: Zu Kunden in der näheren Umgebung schwingt er sich auch gerne mal mit Geschenkesack und goldenem Buch auf den Motorroller.

In das goldene Buch notiert sich der Miet-Weihnachtsmann alles, was die Eltern, die ihn buchen, vorab über die Beschenkten verraten. Wie werden die Hausaufgaben erledigt? Ist das Zimmer aufgeräumt? Wird gewissenhaft Klarinette geübt? Santa Claus weiß einiges über die Kinder, die er beschenkt. Und obwohl die bei der Bescherung neben Lob auch einiges an Tadel zu hören bekommen, schließt der Weihnachtsmann immer versöhnlich. „Eine Rute habe ich keine“, sagt er, der aus seinen eigenen negativen Kindheitserinnerungen gelernt hat und Gutes zurückgeben will.

Dennoch, berichtet er, reagierten vor allem kleinere Kinder anfangs oft ängstlich auf den großen Mann mit dem weißen Bart, hinter dem man Kaiser kaum noch erkennt. Doch in diesen Fällen hat er gelernt, mit seiner lustigen Art erst einmal langsam auf Tuchfühlung zu gehen. Spätestens wenn er selbst ein Weihnachtslied anstimmt, tauen auch die Schüchternsten auf und greifen begeistert in den mit Geschenken, Äpfeln, Nüssen und Plätzchen gefüllten Jutesack.

In seinem goldenen Buch vermerkt Kaiser alles Wissenswerte über die Beschenkten.

Obwohl Björn Kaiser seine Shows minutiös plant und vorbereitet, kommt es auch hin und wieder zu lustigen kleinen Missgeschicken. Etwa als er sich nach der Show selbst enttarnte, weil er das angebotene Würstchen mit dem Bart nicht essen konnte. Oder als er bei einem besonders reich beschenkten Kind glatt das wichtigste Geschenk – ein neues Fahrrad – in der Garage vergaß. „Einmal fragte mich sogar eine Kundin, ob ich den Auftritt auch ohne Kostüm machen würde“, verrät er zwinkernd.

Da es so gut läuft, plant er, sein Weihnachtsmann-Business auszubauen und weitere Akteure in anderen Städten zu casten. Denn Kaiser kriegt auch immer mal wieder selbst kurzfristige Anfragen von weiter weg. Dabei ist er nicht auf Santa Claus festgelegt. Der Bischofsheimer lässt sich auch als Osterhase und Elvis-Imitator buchen oder schlüpft für Kindergeburtstage in diverse Superhelden-Kostüme. „Mein Traum wäre es, einmal als Weihnachtsmann auf einem großen Kreuzfahrtschiff gebucht zu werden“, verrät Kaiser, der derzeit auch hauptberuflich neue Pläne schmiedet.

Zu helfen und Gutes zu tun, liegt ihm nämlich am Herzen. Nach einem dreimonatigen Freiwilligendienst im Hochwassergebiet spielt er mit dem Gedanken, sich als Rettungshelfer ausbilden zu lassen. Ob er trotz seiner rundum professionellen Ambitionen vor seinen Auftritten nervös ist? „Ja, ein bisschen Muffensausen habe ich anfangs schon“, gibt er zu. „Aber wenn ich dann mein Kostüm anhabe und zu den Kindern komme, ist das wie weggeblasen. Dann bin ich nicht mehr ich, sondern dann bin ich der Weihnachtsmann“. Heute ist er bis in den späten Abend damit beschäftigt, Geschenke und Glück zu verteilen, bis er selbst auch Weihnachten feiern kann.

Weitere Informationen und Buchungen gibt es bei Björn Kaiser mobil unter 0163 2693748 oder per E-Mail an alle.jahre.wieder@gmx.net sowie auf seiner Website. (Bettina Merkelbach)

» weihnachtsmann-auftritte.com

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