Lobte die Arbeit der Kammer: Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze forderte für Klaus-Peter B. lebenslang und für Claus-Pierre B. elf Jahre Haft.
+
Lobte die Arbeit der Kammer: Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze forderte für Klaus-Peter B. lebenslang und für Claus-Pierre B. elf Jahre Haft.

Aus dem Gericht

Details machen den Unterschied: Oberstaatsanwalt plädiert im Prozess um Morde auf der „Main-River-Ranch“

  • VonRainer Habermann
    schließen

Die Beweisaufnahme ist geschlossen, die entscheidende Phase im dritten Prozess wegen vermeintlichen Mordes und Totschlags am Vermieterehepaar Harry und Sieglinde K. auf der „Main-River-Ranch“ in Maintal-Dörnigheim hat begonnen.

Frankfurt/Maintal – Am Dienstag hielt Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze sein Plädoyer vor der Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts unter Vorsitz von Richter Volker Kaiser-Klan. Heinze forderte erneut eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gegen den Vater des Duos, Klaus-Peter B.

Bereits zweimal hatten Hanauer Gerichte beide Angeklagten freigesprochen, der Bundesgerichtshof (BGH) gab jeweils einer Revision statt und verwies die Verhandlung letztlich an die Frankfurter Kammer. Den Sohn Claus-Pierre B. beantragte der Staatsanwalt, wegen Totschlags an Harry K. zu elf Jahren Haft zu verurteilen. Damit stellte Heinze fast die gleichen Anträge wie zuvor in den beiden Hanauer Prozessen.

Prozess um Morde auf Main-River-Ranch: Details machen den Unterschied

Doch entscheidende Details würdigt die Staatsanwaltschaft jetzt anders, aufgrund der Revisionsbegründung des BGH und auch aufgrund neuer Sachverständigengutachten. Der BGH hätte nach Ansicht des Staatsanwalts den Hanauer Richtern für ihre Freisprüche aus den Jahren 2015 und 2017 „eine schallende juristische Ohrfeige“ erteilt. Heinze sprach auch von einer „Nebelbank namens in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten), welche die Verteidigung aufgebaut hätte und der die Kammern in ihren Urteilsbegründungen jeweils gefolgt seien.

Der BGH habe unter anderem den Umgang der Gerichte mit Fragen des Notwehrrechts, mit Einlassungen der Angeklagten im Rahmen der Beweiswürdigung, und nicht zuletzt mit den schriftlichen Darlegungen von Verteidigern gerügt. Die jetzige Kammer hingegen habe „alles unternommen, um die Beweismittel auszuschöpfen“, ohne sich von einer Seite „vernebeln“ oder „einnehmen“ zu lassen. Die dritte Hauptverhandlung sei „keine simple dritte Wiederholung derselben schon gehörten Musik“ gewesen, sondern habe „endlich das eingelöst, was die Strafjustiz den Opfern und deren Angehörigen in ihrem Leid schuldig ist“, sagte Heinze.

Staatsanwalt sieht keine Minderungsgründe

So ist das Tatgeschehen gegen Harry K. am Mittag des 6. Juni 2014 aus Sicht des Staatsanwalts ein klarer Totschlag, ohne dass Schuldminderungsgründe vorlägen, und keine wie auch immer geartete Notwehr des Claus-Pierre B. Und die anschließende Tötung der Sieglinde K. durch zwei Schüsse von hinten in Kopf und Schulter ein Mord zur Verdeckung der zuvor seitens des Sohnes begangenen Straftat durch Vater Klaus-Peter B. Also ebenfalls keine Notwehr. Hier spiele auch das Nachtatverhalten der Angeklagten eine maßgebliche Rolle, das von offenen Lügen geprägt gewesen sei.

So hatten bei Claus-Pierre B. beispielsweise auch keinerlei Beißspuren eines Hundes festgestellt werden können, die angeblich erfolgt seien. Die Behauptung sei schlicht eine Schutzbehauptung. Und dass der Vermieter angeblich mit „Jungs von der Fremdenlegion“ gedroht habe, um seiner Forderung auf Begleichung ausstehender Pachtraten für die Ranch Nachdruck zu verleihen, sei wohl eher unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass der Vater selbst früher Söldner in der französischen Fremdenlegion gewesen sei.

Vertreter der Nebenanklage sehen Tatbestand des Mordes erfüllt

Jedenfalls lasse eine Tätowierung bei Klaus-Peter B. darauf schließen. Die Tatsache, dass der Vater erst aus dem Raum gelaufen sei, um eine Waffe zu holen, die er zuvor extra besorgt hatte, „für alle Fälle“, wiege ebenfalls schwer. Die Vertreter der Nebenkläger, den Geschwistern und Kindern der Getöteten, die Rechtsanwälte Michael Bauer und Aida Hemmasi, gingen noch einen Schritt weiter. Sie sahen auch bei der Bluttat an Harry K., den 17 Messerstichen, mit denen er unbestritten von Claus-Pierre B. umgebracht worden war, den Tatbestand des Mordes erfüllt. Nun stehen die Plädoyers der Verteidigung an, bevor in Kürze zum dritten Mal ein Urteil fällt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema