Eigentlich steht seit Juni 2019 fest, dass das Bürgerhaus Bischofsheim abgerissen werden soll. Doch nun wollen einige Maintaler den Abriss verhindern.
+
Eigentlich steht seit Juni 2019 fest, dass das Bürgerhaus Bischofsheim abgerissen werden soll. Doch nun wollen einige Maintaler den Abriss verhindern.

Neubau geplant

Debatte um Bürgerhaus Bischofsheim: FDP stellt Kalkulationen des Magistrats in Frage

Der Neubau des Bürgerhauses in Bischofsheim ist seit über einem Jahr beschlossene Sache. In den vergangenen Wochen sind jedoch kritische Stimmen laut geworden, die sich für die Sanierung des Bestandsgebäudes aussprechen.

Maintal – Zur Berichterstattung im TAGESANZEIGER vom 24. Oktober meldet sich daher nun auch die FDP-Fraktion zu Wort, die findet, dass nicht alle Fakten dargestellt worden seien und die Ansicht des Magistrats zu stark vertreten sei – und die Berichte damit zu einseitig ausfielen.

In einer Pressemitteilung erklärt Klaus Gerhard, dass sich ihm im Zuge der Berichterstattung der Eindruck aufgedrängt habe, dass mit alten Zahlen jongliert wurde, um den Eindruck einer Wirtschaftlichkeit des Neubaus auf dem Gelände der evangelischen Kirchengemeinde zu erwecken.

Der ehemalige Erste Stadtrat Ralf Sachtleber habe in einer Versammlung der „Bürgerinitiative gegen Neubau“ dargestellt, dass seiner Meinung nach das Gelände des bestehenden Bürgerhauses in städtischem Eigentum behalten werden soll. „Anscheinend soll auf der Fläche ein Bürgerplatz entstehen“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wenn das stimmt, wofür aus unserer Sicht einiges spricht, dann dürfen die Erlöse für den Grundstücksverkauf nicht als mindernd auf die Investitionskosten angerechnet werden“, stellt Gerhard die Rechnung der Bürgermeisterin in Frage und ergänzt: „Wir müssen auf die 10 Millionen Euro Investitionen noch weitere 2,7 Millionen Euro für den Behalt des Geländes addieren.“

„Die Herstellung des Bürgerhausvorplatzes von mindestens 600 000 Euro, des Bürgerplatzes noch ohne Kostenangabe sowie die bisher nicht bezifferten Kosten für neues Mobiliar wurden bisher nicht erwähnt“, mahnt Gerhard. Zudem seien die Schätzungen von April 2019. Realistisch sei zudem, dass noch zehn Prozent für Risiken und Unvorhergesehenes sowie mindestens 15 Prozent für aktuelle Steigerung der Baupreise einkalkuliert werden müssten. Die aktuelle Auslastung der Baufirmen treibe die Preise am Markt nach oben.

Er sowie der FDP-Ortsvorsitzende Leo Hoffmann erwarten nach eigenen Schätzungen eine Gesamtsumme für den Neubau des Bürgerhauses Bischofsheim in Höhe von 16,5 Millionen Euro und damit deutlich mehr als die vom Magistrat veranschlagten 9,9 Millionen Euro. Hoffmann weist darauf hin, dass die Stadt mit dem 99-jährigen Erbbauvertrag für das Kirchengelände, auf dem das neue Bürgerhaus errichtet werden soll, zusätzlich noch eine Verpflichtung für 4,3 Millionen Euro zuzüglich Inflationsausgleich eingeht. „Auch die Landesmittel aus der Hessenkasse von 8,8 Millionen Euro hätten wir auf sinnvollere Investitionen übertragen können, dies wurde aber trotz Antrags der FDP nicht geprüft“, so Hoffmann.

„Auch die dargestellten Kosten für die Sanierung des bestehenden Gebäudes seien nicht plausibel, so wurden aus erstgenannten 600 000 Euro für Brandschutzmaßnahmen dann 950 000 bis nun rund 1,4 Millionen Euro“, moniert Hoffmann die stetige Erhöhung der Prognosen für den Erhalt des Bürgerhauses. Hier sei nicht zielorientiert kalkuliert worden.

Die FDP-Fraktion hatte einen Antrag auf Sanierung des bestehenden Gebäudes gestellt, jedoch ohne energetische Maßnahmen. Nach ihrer Vorstellung sollte in einem gesonderten Bauabschnitt die Gaststätte in der Sommerpause renovieret werden, danach die erforderlichen Brandschutzmaßnamen und einige notwendige Reparaturen und kleinere Umbauarbeiten durchgeführt werden, um das Gebäude für die nächsten 30 Jahre zu erhalten. „Dieser Antrag wurde aber im zuständigen Bau-Ausschuss nicht einmal zur Beratung zugelassen, obwohl es sich um eine Einsparung von über fünf Millionen Euro gehandelt hätte“, so Gerhard. „Hier war schon eine Durchsetzung des Neubauvorhabens mit der Brechstange erkennbar gewesen.“

Zu bedenken sei, dass durch die Sanierungen der letzten Jahre an Dach, Lüftung, Toiletten und des Parkettbodens der Gesamtzustand des Bestandsgebäudes als gut zu befinden sei. Daher sei es sowohl unökonomisch als auch unökologisch, das Gebäude abzureißen. Für Abriss, Neubau und Bebauung des Altgeländes müsse mit rund 6000 LKW-Fahrten durch den Dörnigheimer Weg gerechnet werden, was für die Anwohner nicht zumutbar sei. „Zudem gibt es im Neubau keine Kegelbahnen mehr, keinen Luftgewehrschießstand und keinen geeigneten Übungsraum für das Musik-Corps Bischofsheim“, sagt Gerhard, der mit weiteren ungeplanten Folgeinvestitionen rechnet.  jj

Das könnte Sie auch interessieren