+
Gemeinsam in Quarantäne: Colin und Lisa Stein haben sich freiwillig dazu entschieden, daheim zu bleiben.

SARS-COV-2-PANDEMIE

Colin und Lisa Stein berichten über ihre häusliche Quarantäne nach einem Urlaub in Tirol

  • schließen

Am Abend des 13. März forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn alle Bürger, die innerhalb der letzten 14 Tagen in Italien, Österreich oder der Schweiz waren, dazu auf, sich in freiwillige häusliche Quarantäne zu begeben.

Einer dieser Bürger ist der Kapitän von Kewa Wachenbuchen, Colin Stein. Gemeinsam mit seiner Frau Lisa hat auch er sich in freiwillige häusliche Quarantäne begeben. Vorher waren sie in Tirol zum Skifahren. „Wir wollten eigentlich bis Sonntag bleiben“, erinnert sich Stein. Als die Gruppe jedoch am Tag nach Spahns Appell erfuhr, dass Tirol zu einem Risikogebiet erklärt werden sollte, entschied sie sich für eine frühere Heimfahrt. „Wir sind dann morgens noch auf die Piste und nachmittags heimgefahren“, so Stein. 

Zu Hause angekommen, kontaktierten Stein und seine Frau die hessische Notfallnummer, die für die Corona-Krise eingerichtet wurde. „Dort sagte man uns, dass es nicht verpflichtend sei, sich in Quarantäne zu begeben. Wir sollten uns jedoch wieder melden, falls Symptome auftreten würden.“ Das Ehepaar entschied sich dann trotzdem für eine häusliche Quarantäne. „Wir halten uns daran, um der Allgemeinheit zu helfen“, erklärt der Kapitän der Kewa, stellte jedoch klar, dass man sich nicht verunsichert oder panisch fühle. „Es hat einfach was mit dem gesunden Menschenverstand zu tun.“ 

So wolle er beispielsweise auf seine Eltern Rücksicht nehmen, da diese zur Risikogruppe gehören. Generell zeige das gesamte Umfeld sehr viel Verständnis für die Entscheidung des freiwilligen Hausarrests. „Meine Schwiegereltern waren schon für uns einkaufen. Und auch andere Familienmitglieder haben ihre Hilfe angeboten.“ 

Colin und Lisa Stein haben noch keinen Lagerkoller

Lisa und Colin Stein hatten Urlaub in Tirol gemacht.

Auch beruflich gibt es für das Hochstädter Ehepaar keinerlei Probleme. „Ich arbeite bei der Stada in Bad Vilbel. Dort wurde ohnehin schon Homeoffice angeordnet“, berichtet Stein, „und meine Frau ist Geschäftsführerin eines familiengeführten Architekturbüros.“ 

Einen Lagerkoller hätten beide noch nicht, scherzt er weiter. „Wir merken auch, da wir noch keine Kinder haben und beruflich flexibel sind, dass es uns vergleichbar gut geht“, so der Hochstädter. Generell sei es ganz schön, dass man sich tagsüber auch sehen könne. „Wir arbeiten zurzeit Tür an Tür. Ich im Wohnzimmer, sie im Esszimmer“, beschreibt er die momentane Arbeitslage. Zudem sei Stein sogar ein wenig dankbar, dass er mit seiner Frau gemeinsam in Quarantäne ist: „So ist man nicht so einsam.“ 

Doch ganz auf soziale Kontakte möchte das Paar auch nicht verzichten: „Wir sind dazu übergegangen, häufiger zu skypen“, erklärt er. „Am Wochenende haben wir uns abends virtuell mit Freunden zum Spieleabend getroffen und uns ausgetauscht. Not macht halt erfinderisch“, schmunzelt Stein. 

Beide versuchen der Quarantäne etwas Gutes abzugewinnen

Der einzige Wermutstropfen, den der leidenschaftliche Fußballer verschmerzen muss, ist der Verzicht auf seinen Sport. „Als Fußballer ist es natürlich richtig doof“, sagt Stein: „Gerade ist die Wintervorbereitung rum und das geile Fußballwetter beginnt. Da blutet schon etwas das Fußballerherz.“ Jedoch stellt er gleich klar, dass er die Einstellung des Spielbetriebs trotzdem für die absolut richtige Maßnahme hält. „Man muss die Situation einfach ernst nehmen. Schade ist es jedoch trotzdem.“ 

Trotzdem wollen er und seine Frau, die nach eigenen Aussagen immer noch gesund sind, das schöne Frühlingswetter in den nächsten Tagen für den einen oder anderen Spaziergang nutzen. „Diese Quarantäne heißt ja nicht, dass man gar nicht mehr vor die Tür darf. Man muss halt nur aufpassen, dass man Kontakt vermeidet. Zurzeit werden Spaziergänge und joggen für uns immer wichtiger. Nur in der Wohnung zu sitzen, würde uns auf die Dauer verrückt machen.“ Etwas Gutes könne Stein der Situation jedoch trotzdem abgewinnen: „Durch die Quarantäne entschleunigt man auch mal, da man einfach weniger Termine hat. Das ist kurzfristig vielleicht sogar mal ganz gut. Solange es kein Dauerzustand wird.“

Das könnte Sie auch interessieren