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Bundesverdienstkreuz für MS-Gruppenleiterin Elisabeth Huhn

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Blättern in Erinnerungen: Elisabeth Huhn hat unzählige Fotos und Zeitungsausschnitte in Alben gesammelt, seit sie 1980 die Leitung der MS-Gruppe Hanau/Main-Kinzig-Kreis übernommen hat. Foto: Degen-Peters
Blättern in Erinnerungen: Elisabeth Huhn hat unzählige Fotos und Zeitungsausschnitte in Alben gesammelt, seit sie 1980 die Leitung der MS-Gruppe Hanau/Main-Kinzig-Kreis übernommen hat. Foto: Degen-Peters

Maintal. Zuhören konnte Elisabeth Huhn schon immer. Als Kind war sie still und zurückhaltend, erlebte, wie die Familie, die aus dem Sudetenland nach Hessen gekommen war, erstmal nicht unbedingt mitoffenen Armen empfangen wurde. Das liegt viele Jahrzehnte zurück.

Von Jutta Degen-Peters

Wenn Huhn jetzt das Bundesverdienstkreuz am Band in Empfang nehmen durfte, liegt das daran, dass sie ihr offenes Ohr und ihre geballte Hilfsbereitschaft seit fast 40 Jahren für Multiple-Sklerose-Kranke zur Verfügung gestellt hat.

Die Wahl-Hochstädterin mit den dunklen Locken strahlt eine große Ruhe und Zuversicht aus, als sie von sich erzählt. Dass sie aus der Hand von Justizstaatssekretär Thomas Metz im Gärtnerhaus der Hanauer Lebenshilfe geehrt werden sollte – wir treffen Huhn am Tag vor der Verleihung – hat sie sehr überrascht. Sie freut sich über die Auszeichnung – eine von vielen, die sie im Laufe ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erhalten hat – das ganz sicher. Und doch sagt sie: „Dafür, dass ich das so gerne mache, brauche ich keine Auszeichnung!“

Huhn wurde durch eine Anzeige aufmerksam

Zum Ehrenamt als Vorsitzende der damals frisch ins Leben gerufenen MS-Gruppe Main-Kinzig kam Elisabeth Huhn eher per Zufall. Aus dem Abitur, das sie nachholen wollte, um noch zu studieren, wurde wegen einer lang anhaltenden Erkrankung nichts. Damals war die nach Klein-Auheim und später nach Hanau umgezogene Mutter dreier Kinder, die nach ihrem Realschulabschluss beim Auslands-Fernmeldeamt gearbeitet hatte, auf der Suche nach einer sinnvollen Berufstätigkeit vergeblich beim Arbeitsamt gewesen. Die Kinder waren selbstständig, Huhn wollte sich wieder auch außerhalb der Familie engagieren.

Eine Anzeige und später ein Informationsgespräch mit dem Landesverband der Multiple-Sklerose-Kranken sprach sie so sehr an, dass Huhn beschloss, auf diesem Feld tätig zu werden. Mit Multipler Sklerose hatte sie bis dahin keinerlei Berührung gehabt. „Ich wusste nicht wirklich, was das für einen Menschen heißt“, schmunzelt sie rückblickend. Die Frage, ob sie Interesse habe, im Main-Kinzig-Kreis eine Gruppe aufzubauen, beantwortete sie spontan mit „Ja“. Voller Elan und Begeisterung suchte sie nach Räumlichkeiten und fand sie in der Großsporthalle Klein-Auheim. Es folgten Räume in der Martin-Luther-Stiftung in Hanau, in der Johanneskirchengemeinde und schließlich im Gärtnerhaus in Hanau. Dort, in den Räumen der Lebenshilfe, trifft sich die MS-Kontaktgruppe Hanau und Umgebung „Die MainSchwäne“ noch immer. Viele Maintaler sind darunter, Betroffene aus Hanau und umliegenden Kommunen.

Viele Erfahrungen durch ihre Tätigkeiten

„Anfangs hatte ich leichte Berührungsängste“, gibt Huhn offen zu, „immerhin traf ich mit ganz fremden Menschen zusammen.“ Doch diese Ängste schwanden schnell. Aus dem ersten Treffen mit elf Teilnehmern entwickelte sich bald eine größere Gruppe. „Es ging in erster Linie darum zuzuhören“, so Huhn, die sich als Helferin und Organisatorin verstand. Sie fragte nach Wünschen und Vorschlägen der Teilnehmer und versuchte alles, um diese zu realisieren. Freizeitausflüge, auch mehrtägige Reisen fanden statt, Feste, Infoabende. Der Austausch, etwa über Neurologen und Medikamente, stand im Vordergrund.

Profitiert von ihrem ehrenamtlichen Engagement habe sie in vielfältiger Weise, sagt die 78-Jährige. Die Reaktionen und der Dank der MS-Kranken und ihrer Angehörigen seien das eine. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die im Laufe der Jahrzehnte gesammelt, die Kontakte und Freundschaften, die sie geknüpft habe, das andere. „Den Main-Kinzig-Kreis habe ich beispielsweise durch meine Tätigkeit besonders gut kennengelernt“, resümiert die Hochstädterin.

Dinge haben sich geändert

Mittlerweile hat sich am Einsatzgebiet einiges geändert, so Huhn, die vor zwei Jahren den Vorsitz niedergelegt hat und noch als Stellvertreterin der MS-Gruppe fungiert. Dass ihre älteste Tochter Kerstin Wich den Vorsitz übernommen hat, freut sie. Die beiden arbeiten Hand in Hand. Doch für Huhn bedeutet es eine Erleichterung, nicht mehr für alles allein verantwortlich zu sein.

Mittlerweile ist der Gesprächskreis, der sich abends zusammenfindet, größer als die nachmittags angesetzten Gruppentreffen. Viele MS-Kranke sind berufstätig und haben abends keine Zeit oder sind dann zu müde von der Arbeit. „Heute bekommen Betroffene mit der Diagnose nicht mehr gleich den Rentenbescheid ausgehändigt“, sagt Huhn und ist froh darüber.

Das Interesse an den Treffen hat sich geändert

Bessere Medikamente und Therapien trügen dazu bei, dass Menschen länger aktiv und berufstätig bleiben könnten. Auch die Tabus in der Gesellschaft seien teilweise aufgebrochen. Was dazu führt, dass Erkrankte nicht mehr ausschließlich auf Reisen mit der Gruppe angewiesen sind. Viele Anbieter haben mittlerweile auch Reisen für Menschen mit Handicap im Programm.

Geändert hat sich auch das Interesse an den Treffen. Heute informierten sich viele Betroffene im Internet. „Ich äußere das nicht mit Bedauern, ich wundere mich nur manchmal“, so Huhns Fazit. Ganz einschlafen lassen könne man die Gesprächskreise und Gruppentreffen dennoch nicht. Denn manche Menschen seien schon sehr einsam, wenn sie eingeschränkt seien. Als besonders schöne Erinnerung bezeichnet Huhn die Sache mit der Kegelbahn. Bei einem Ausflug nach Bad Laasphe hatte die Gruppe eine Kegelbahn mit einer Rampe besucht, an der auch Rollstuhlfahrer spielen konnten. Das berichtete Huhn dem damaligen Hanauer Oberbürgermeister Hans Martin. Der sagte darauf zu, eine Kegelbahn mit Rampe auch in Hanau bauen zu lassen. Im Nachbarschaftshaus Tümpelgarten entstand eine solche Bahn. „Dort kegeln wir noch immer, und bei den Ferienspielen der Lebenshilfe gehen auch die Kinder dort spielen“, freut sich Huhn. Dieser Erfolg dürfte in ihrer Erinnerung schwerer wiegen als jede der Auszeichnungen, die sie im Laufe ihres langjährigen Ehrenamts erhalten hat.

Ansprechpartner der MS-Gruppe Hanau und Umgebung, „Die MainSchwäne“ ist Kerstin Wich, Kanalstraße 22, 63512 Hainburg, Telefon: 0 61 82/662 46.www.ms-gruppe-hanau.de

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