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Bundesgerichtshof überprüft im Januar Fall Klock

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Region Hanau. Der Bundesgerichtshof befasst sich demnächst mit dem wohl aufsehenerregendsten Kriminalfall der Nachkriegszeit in der Region Hanau: Am 25. Januar prüft der 2. Senat den Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft im Fall Klock, mehr als eineinhalb Jahre nach den spektakulären Freisprüchen für die beiden Angeklagten.

Von Dieter A. Graber

6. Juni 2014. Karfreitag. Es ist ein sonniger Frühlingsmorgen, als es auf der zwischen Fluss und Kennedystraße gelegenen „Main River Ranch“ am Rande von Dörnigheim zu einem tödlichen Drama kommt: Das Ehepaar Harry und Sieglinde Klock (beide 57) aus Frankfurt wollen bei Klaus-Dieter (59) und Claus Pierre B. (29) die längst überfällige Miete kassieren. Die beiden Männer, Vater und Sohn, hausen mit ihrer Ziegenherde auf dem heruntergekommenen Reiterhof. Sie leben von Gelegenheitsjobs als Weißbinder. Aber auch die Klocks brauchen jeden Cent. Sie wollen nach Spanien auswandern. Und eigentlich hätten sie die gepachtete „Ranch“ gar nicht untervermieten dürfen…Was an jenem Vormittag auf dem einsamen Gehöft vor den Toren Maintals geschah, rekonstruierte die 1. Große Strafkammer in einem monatelangen, aufwändigen Verfahren: Im Verlauf eines erbitterten Zweikampfs ersticht Claus Pierre B. den Vermieter; anschließend tötet Klaus-Dieter B. dessen Ehefrau mit einem Kopfschuss aus seiner Walther P38. Sie verstecken die Leichen unter einem Sand- und Misthaufen, wo sie erst vier Monate später gefunden werden.

Anklage lautete auf Mord und Totschlag

Die Hanauer Staatsanwaltschaft hatte Mord (im Falle des Vaters) und Totschlag angeklagt. Das Verfahren mit dem Aktenzeichen 1 Ks 3315 Js 4/14 geht in die Justizgeschichte ein; die Kammer entscheidend nämlich auf Notwehr, spricht die Angeklagten frei. Das Dilemma der Wahrheitsfindung: Es gibt keine Augenzeugen, nur Indizien und ein 400 Seiten starkes Dossier, das, je nach Interessenlage, mal „Pamphlet“ und mal „Chronik“ genannt wird, erstellt von Claus Pierre B. in der Untersuchungshaft. Darin schildert er den Vorfall aus seiner Sicht. Es ist schlüssig, nicht zu widerlegen. In dubio pro reo sagt Richter Peter Graßmück. Was in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet bleibt: Auch das OLG Frankfurt hatte in der Haftprüfung eine Notwehrsituation angenommen, weil Claus Pierre B. von Harry Klock ursprünglich mit dem Messer angegriffen worden sei.

Beweiswürdigung des Hanauer Gerichts wird überprüft

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklage gingen in Revision. Aber nur der Antrag der Anklagebehörde wird nun einer höchstrichterlichen Überprüfung unterzogen. Sie bezieht sich auf die Beweiswürdigung. Zwar kann eine Strafkammer alle Indizien, Zeugenaussagen und Gutachten nach eigenem Ermessen auslegen: „Über das Ergebnis der Beweisaufnahme entscheidet das Gericht nach seiner freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung geschöpften Überzeugung“, wie es in Paragraph 261 StPO heißt. Allerdings muss sie in der Urteilsbegründung schlüssig darlegen, wie sie zu eben dieser Überzeugung gelangt ist. Hier setzt die Anklagebehörde an.

Tatwaffe wurde nie gefunden

Beispiel Tatwaffe: Sie wurde nie gefunden. Handelte es sich dabei, wie Claus Pierre B. behauptet, wirklich um das Messer des Harry Klock, das er diesem bei dem Handgemenge entwunden haben will? Zeugen sagten aus, das spätere Opfer habe stets ein Taschenmesser dabei gehabt – die tödlichen Stiche aber wurden ihm mit einer großen Klinge zugefügt. Zwar besaß Klock laut Zeugenaussagen auch ein solches Messer – aber hatte er es am Tattag dabei?Beispiel Motiv: Die Kammer hält es für unwahrscheinlich, dass die Gewalt von Claus Pierre B., einem eher schüchternen, ängstlichen Mann, ausgegangen sein könnte. Er habe sich lediglich gegen den Angreifer, vor dem er sich fürchtete, zur Wehr gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hingegen findet, es sei nicht hinreichend geklärt, ob er eventuell doch ein Motiv für einen Angriff auf Harry Klock gehabt haben könnte. Zudem seien die Aussagen einer Zeugin und die Einlassungen der Angeklagten während des Prozesses nicht ausreichend gewürdigt worden.Sollte die Revision der Staatsanwaltschaft erfolgreich sein, könnte das Verfahren vor einer anderen Kammer in Hanau noch einmal aufgerollt werden. Es wäre jedoch auch möglich, das es vor einem anderen Landgericht, zum Beispiel in Frankfurt, geführt wird.

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