Neubau in der Nachbarschaft: Auf dem Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde (Grünfläche links im Bild) könnte ein neues, kleineres Bürgerhaus für Bischofsheim entstehen. Luftbild: Axel Häsler

Maintal

Bürgerhaus-Neubau ist nun doch denkbar

Maintal. Über die Zukunft des stark sanierungsbedürftigen Bürgerhauses Bischofsheim ist noch immer nicht entschieden. Aber es wird eine Option denkbar, die bisher mehrheitlich abgelehnt wurde: ein Neubau.

Von Martina Faust

Anlass für diese geänderten Vorzeichen ist die Bereitschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Bischofsheim, ein Grundstück für einen Neubau zur Verfügung zu stellen. Architekt Hans Pätzold stellte am Dienstagabend in einer Sondersitzung der drei Ausschüsse die verschiedenen Handlungsoptionen vor.

Die vom Magistrat bevorzugte Variante trägt die Nummer vier und sieht einen Neubau in reduzierter Größe auf einem dem jetzigen Bürgerhaus gegenüberliegenden Grundstück vor, das sich im Eigentum der Kirche befindet. Die Gemeinde habe in Aussicht gestellt, das Areal über einen Erbbaurechtsvertrag der Stadt zu überlassen, teilte Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) mit.

Diese Möglichkeit hat gegenüber einer umfangreichen Kernsanierung für rund 7,5 Millionen Euro, wie sie zuletzt favorisiert wurde, mehrere Vorteile: Architektur und Nutzungskonzept des neuen Bürgerhauses können den Anforderungen und Vorstellungen entsprechend gestaltet werden, das Bestandsgebäude bleibt während der Errichtung des Neubaus weiterhin nutzbar und kann anschließend abgerissen und das Grundstück veräußert werden.

„Damit ist die seit Jahren angestrebte städtebauliche Neugestaltung der Quartiersmitte möglich, die wir als Eigentümer nach unseren Maßgaben vornehmen lassen können“, so der Stadtrat und Baudezernent. Denn der Verkauf der rund 6000 Quadratmeter großen Fläche könnte mit einer Bauverpflichtung verbunden werden.

Denkbar wären Wohnbebauung in Kombination mit einem Verbrauchermarkt. „Damit kann dringend erforderlicher Wohnraum in erheblicher Größenordnung geschaffen werden“, heißt es in der Empfehlung des Magistrats. Weil zuletzt in den Ausschüssen vor allem auf die Schaffung von Sozialwohnungen und ausreichend Stellplätze in neu zu entwickelnden Gebieten gedrungen wurde, hatte Sachtleber auch hier gute Nachrichten: Unter dem Verbrauchermarkt würde eine Tiefgarage entstehen, um die notwendigen Parkplätze zur Verfügung zu stellen.

So könnte das neue Bürgerhaus aussehen

Gleichzeitig gäbe es ausreichend finanziellen Spielraum für die Errichtung von Sozialwohnungen, „weil durch die Errichtung eines Verbrauchermarkts ganz andere Grundstückspreise aufgerufen werden können“, so Sachtleber. Herzstück des neuen Bürgerhauses wären sowohl in der ein- als auch in der zweigeschossigen Ausführung ein großer Saal für 600 Besucher sowie ein kleiner Saal für 200 Besucher. Ein zweites Stockwerk würde zusätzlich ermöglichen, ein Restaurant und Mehrzweckräume zu betreiben. Die Bruttogeschossfläche würde 1900 beziehungsweise 2900 Quadratmeter umfassen und entspräche damit knapp 40 beziehungsweise knapp 55 Prozent der Größe des derzeitigen Bürgerhauses.

Damit einhergehen unvermeidliche Einschränkungen. „Wir hätten keine Kegelbahn und keinen Schießstand mehr. Das sind die Nachteile, die wir in Kauf nehmen würden“, ergänzte Sachtleber und verwies auf Kegelbahn und Schießstand in der Maintal-Halle in Dörnigheim. „Das ist eine organisatorische Aufgabe für die Vereine, sich hier abzusprechen, die sich aber meistern lässt“, zeigte er sich zuversichtlich.

4,5 Jahre bis zur Fertigstellung

Nach derzeitigem Stand würde die vom Magistrat bevorzugte zweigeschossige Variante 8,4 Millionen Euro kosten, die eingeschossige Ausführung 5,7 Millionen Euro, den Erlös aus dem Verkauf des jetzigen Bürgerhaus-Grundstücks eingerechnet. Bei einer Projektlaufzeit bis Ende 2024 wären für dieses Vorhaben zudem Gelder aus der Hessenkasse abrufbar. Ein Zeitplan, der realistisch scheint. Seitens der Stadt rechnet man – einen Beschluss der Stadtverordneten vorausgesetzt – mit knapp viereinhalb Jahren für das Gesamtprojekt, vom Vergabeverfahren bis zur Fertigstellung.

Eine weitere Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses, die sich auch mit diesem Thema befassen wird, ist für Montag, 27. Mai, um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses vorgesehen.

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