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Bürgerhaus Bischofsheim: Wird eine Straße zum Stolperstein?

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Von: Michael Bellack

Neues K.o.-Kriterium? Der Bertha-von-Suttner-Weg verläuft links des bestehenden Bürgerhauses und ist Hauptzugangsweg für den dahinterliegenden Schulkomplex. Bei den bisherigen Planungen für den Neubau des Bürgerhauses auf der Fläche links daneben, würde der Weg mitten über den Bürgerplatz verlaufen. Nach Wunsch der Stadtverordneten soll der Weg deshalb rechts neben das Bürgerhaus, das später abgerissen wird, verlegt werden. LUFTBILD: Axel Häsler
Neues K.o.-Kriterium? Der Bertha-von-Suttner-Weg verläuft links des bestehenden Bürgerhauses und ist Hauptzugangsweg für den dahinterliegenden Schulkomplex. Bei den bisherigen Planungen für den Neubau des Bürgerhauses auf der Fläche links daneben, würde der Weg mitten über den Bürgerplatz verlaufen. Nach Wunsch der Stadtverordneten soll der Weg deshalb rechts neben das Bürgerhaus, das später abgerissen wird, verlegt werden. LUFTBILD: Axel Häsler © -

Der neu gegründete Ausschuss für Kommunale Investitionsprojekte hat am Donnerstag erstmals seine Arbeit aufgenommen. Auf der Agenda stand direkt ein ganz dicker Brocken: Der Neubau des Bürgerhauses Bischofsheim.

Maintal – Und dabei wurde sofort deutlich, dass eines der größten Investitionsprojekte in den kommenden Jahren auch eines der größten Diskussionsobjekte bleiben wird. Nach fast zweieinhalbstündiger Beratung fiel sogar das Wort „Planungsstopp“. Doch wie kam es dazu?

Im thematischen Mittelpunkt der Sitzung standen die Ausführungen von Hans Pätzold vom beauftragten Architekturbüro Pätzold und Kremer. Dieser hatte im November von den Stadtverordneten eine elf Punkte umfassende Liste mit auf den Weg bekommen, welche Änderungen bei den Planungen wünschenswert sind, und sollte die Umsetzbarkeit überprüfen.

Dabei gab es Anpassungen wie zum Beispiel eine Empore im Großen Saal, die sich laut Pätzold leicht umsetzen ließen. Nicht umsetzen ließe sich demnach jedoch die Änderung der Ein- und Ausfahrt zur geplanten Tiefgarage unter dem neuen Bürgerhaus. Diese soll nach Wunsch der Stadtverordneten direkt über den Dörnigheimer Weg erfolgen und nicht auf der anderen Seite über den Bertha-von-Suttner-Weg. Denn dann würde Zufahrt zur Tiefgarage über den geplanten Bürgerplatz erfolgen. Zumal der Bertha-von-Suttner-Weg auch der Hauptzugangsweg für den dahinterliegenden Schulkomplex ist – keine ideale Lösung.

Laut Architekturbüro könne die erforderliche Länge der Rampe am Dörnigheimer Weg aber trotz einer Kurve nicht erreicht werden. Das liege zum einen am Höhenunterschied auf dem Grundstück und zum anderen auch an den gesetzlichen Vorgaben, die klar regeln, wie lang und mit welchem Steigungswinkel eine Ein- und Ausfahrt einer Tiefgarage gebaut werden darf. Die Wunschlösung der Stadtverordneten ließe sich demnach mit den jetzigen Gegebenheiten nicht umsetzen.

Die einzige Möglichkeit, eine Zufahrt zur Tiefgarage quer über den Bürgerplatz zu verhindern, wäre, den gesamtem Bertha-von-Suttner-Weg zu verlegen. Und zwar hinter das bisherige Bürgerhaus, das nach Fertigstellung des Neubaus abgerissen werden soll.

Die Verlegung einer Straße allerdings lässt sich nicht mal eben von einem Ausschuss beschließen, sondern muss sorgfältig geprüft und in das städtebauliche und verkehrliche Konzept mit eingebunden werden. Zwar gibt es für das Grundstück des jetzigen Bürgerhauses schon grobe Überlegungen, dort Wohnbebauung und Nahversorgung zu realisieren, konkrete Planungen sind allerdings noch ganz weit weg. Den Ausschussmitgliedern stellte sich also die Frage, ob der Neubau des Bürgerhauses losgelöst von der weiteren Entwicklung des Quartiers betrachtet werden kann oder ob man die mittelfristige Entwicklung schon jetzt einplanen müsse. „Wenn das die mehrheitliche Haltung ist, dass alles andere, was das Bürgerhaus angeht, nur im Rahmen von einem Gesamtkonzept zu sehen ist, dann reden wir hier von einem Planungsstopp von ein bis zwei Jahren“, machte Friedhelm Duch von den Grünen deutlich.

Auf die Fragen zur Machbarkeit einer Straßenverlegung konnte auch Architekt Pätzold keine Antwort geben. „Wir haben den Auftrag bekommen, ein Bürgerhaus zu planen und nicht, wie das ganze Quartier funktionieren könnte“, stellte er klar und wies darauf hin, dass die Zeitplanung durch die neuen Überlegungen nach hinten verschoben werden könnte. „Wenn wir jetzt stramm und zügig weiterplanen, könnte 2024 der Baubeginn erfolgen. Wenn wir jetzt auf ein verkehrstechnisches Konzept warten, drehen wir erst mal Däumchen“, so Pätzold. Auch eine genauere Kostenplanung sei noch nicht möglich, weil dafür die Fachplaner für die jeweiligen Bereiche mit ins Boot geholt werden müssen. Diese jedoch mit dem Wissen zu beauftragen, dass alles doch ganz anders kommen könnte, sei nicht sinnvoll.

Doch wie geht es jetzt weiter? Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) machte den Vorschlag, dass der Magistrat schnellstmöglich prüft, ob eine Verlegung des Bertha-von-Suttner-Weges grundsätzlich baulich und rechtlich möglich sei. Ansonsten könnte sich die Verlegung der Straße zum K.o.-Kriterium für den Standort des neuen Bürgerhauses entwickeln.

Von Michael Bellack

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