Erster Vorentwurf: So könnte das neue Bürgerhaus in Bischofsheim aussehen. Die Planungen wurden nun erstmals den Ausschüssen vorgestellt.
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Erster Vorentwurf: So könnte das neue Bürgerhaus in Bischofsheim aussehen. Die Planungen wurden nun erstmals den Ausschüssen vorgestellt.

Gebäude mit multifunktionalen Raumangebot

Bürgerhaus Bischofsheim: Vorentwurf für Neubau vorgestellt

  • VonBettina Merkelbach
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Mit Spannung wurden die ersten Entwürfe des neuen Bürgerhauses für Bischofsheim erwartet – und das nicht nur bei den Bürgern, die an der Sondersitzung im Hochstädter Bürgerhaus teilnahmen. Auch die Mitglieder des Bauausschusses, des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Ausschusses für Klimaschutz, Energie und Umwelt, die die Unterlagen üblicherweise vorab erhalten, bekamen das Konzept am Donnerstagabend erstmals zu Gesicht.

Maintal – Dieses als Geheimniskrämerei bezeichnete Vorgehen war der erste Kritikpunkt, dem sich Hans Pätzold vom Architektenbüro Pätzold Kremer gegenübersah. „Wir haben uns dafür entschieden, dass alle zeitgleich die Präsentation aus erster Hand präsentiert bekommen“, verteidigte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) die Entscheidung, die Unterlagen vorab unter Verschluss gehalten zu haben. Nur durch die Erläuterungen des Experten könnten Missverständnisse ausgeschlossen werden. Und tatsächlich warf Pätzolds Präsentation viele Fragen auf.

Der Architekt des Offenbacher Büros, das bereits die Voruntersuchung zur energetischen Sanierung des alten Bürgerhauses durchgeführt hatte, ging neben den Vorentwürfen auch auf die Historie des Projekts, die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Zertifizierung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und auf die Wünsche der im Bürgerhaus ansässigen Vereine ein. Ihm und seinem Team stellte sich die Aufgabe, auf kleinem Raum – nämlich auf dem Grundstück gegenüber dem derzeitigen Gebäude – ein kompaktes, aber dennoch ästhetisches Gebäude zu planen, das einen großen und einen kleinen Saal, mehrere Funktionsräume für die Vereine sowie einen Innen- und Außenbereich für die Gastronomie beherbergt. Weitere Rahmenfaktoren geben die DGNB-Kriterien vor, die nachhaltige Themen wie Photovoltaik, Gründachanlagen, grüne Fassaden und eine Fahrradgarage mit auf die Planungsliste setzen. Die Vereine wünschten sich außerdem eine Bühne, eine Garderobe, eine Tanzfläche und Lagermöglichkeiten – Vorgaben, an die die Architekten mit ihrem Vorentwurf viele Haken setzen konnten.

Vielfältige Nutzung: Mehrere Funktionsräume, ein großer Saal, Bereiche für Gastronomie und Vereine sollen im neuen Bürgerhaus Platz finden.

„Das eigentliche Geheimnis des neuen Bürgerhauses liegt in der multifunktionalen Nutzung der Räume“, beschrieb Hans Pätzold das Gesamtkonzept. „Das Raumangebot ist schon etwas anderes als in der alten Halle, die sich akustisch nicht voneinander trennen lässt. Das soll im neuen Bürgerhaus anders werden.“ Dort soll es beispielsweise möglich sein, dass mehrere Vereine Räume parallel nutzen, etwa zur Theaterprobe im großen Saal, für eine Ausstellung auf einer der Galerien und einer parlamentarischen Sitzung.

Dafür setzten die Vorplaner auf eine Mischung aus geschlossenen und offenen Bereichen und entwarfen eine dreischiffige Anlage: der große Saal mit Bühne über die komplette Höhe des Gebäudes mit dreigeschossigem Künstlertrakt auf der einen Seite, auf der anderen Seite hin zum Dörnigheimer Weg unten die Gastronomie und oben die Vereinsräume. Verbunden werden die beiden Seiten durch ein offenes Foyer in der Mitte, das über große Fensterfronten Licht von außen einlässt. Mit viel Glas soll auch eine sogenannte Stadtloggia versehen werden, die das Gebäude nach außen hin öffnet und in einen bedachten Vorbereich übergeht. Dieser setzt sich in dem Entwurf in einem Bürgerplatz über den Bertha-von-Suttner-Weg hin zur noch zu planenden Bebauung auf dem Grundstück des alten Bürgerhauses fort.

Die Fassade zu den Nachbargebäuden könnte begrünt werden.

„Vor allem die Außengastronomie in Verbindung mit dem Bürgerplatz soll zu einer spürbaren Belebung und Aufwertung des gesamten Quartiers beitragen“, so Pätzold. Obwohl er mehrfach betonte, dass es sich bei der Präsentation um einen Vorentwurf handelte, nahmen die Stadtverordneten die Skizzen im Detail auseinander. Wie weit der Abstand zur Nachbarbebauung sei, mit welchen Materialien geplant werde und wie hoch die CO2-Emissionen des Gebäudes werden, wollten die Mitglieder der drei Fachausschüsse wissen und zeigten sich skeptisch angesichts der knapp bemessen Parkplätze in der Tiefgarage.

Kritische Rückfragen gab es auch zum geplanten Bürgerplatz, der über den Bertha-von-Suttner-Weg und damit den Hauptzugangsweg zum dahinterliegenden Schulkomplex führt. „So ist dieser Bürgerplatz gerade für Leute mit Kindern ein gefährliches Terrain. Ist hier eine Verkehrsberuhigung geplant?“, wollte Margarita Duch (Grüne) wissen. Doch Fragen wie diese konnte Pätzold noch gar nicht beantworten, weil die Fachplaner sich erst im Anschluss an die Arbeit machen und das Konzept mit Leben füllen. „Wir befinden uns jetzt erst in einer Phase, in der es darum geht, die grundsätzliche Konzeption mitzutragen“, beschwichtigte er. Die eigentliche Vergabe der fachplanerischen Leistungen fand im Anschluss unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Von Bettina Merkelbach

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