Aufgereiht standen die Oldtimer am Wochenende in Wilhelmsbad in Hanau. Initiiert wurde das Treffen vom Maintaler Eckehard Jahr.
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Aufgereiht standen die Oldtimer am Wochenende in Wilhelmsbad in Hanau. Initiiert wurde das Treffen vom Maintaler Eckehard Jahr.

Buckelvolvo-Treffen

Buckel-Parade im Park: Oldtimer-Fans präsentieren ihre Fahrzeuge in Maintal und Wilhelmsbad

  • VonRainer Habermann
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Ausladender Bug, schlanke Taille und ein markant gekrümmter Rücken als durchgehende Linie von der Windschutzscheibe bis zur chromglänzenden Stoßstange: Charakteristika eines edlen Oldies. Gemeint ist der Volvo der Modellreihen PV 444 und PV 544, doch unter diesem Namen ist das rund 440 000 Mal in Schweden gebaute Auto, von dem die Rede ist, sicher nicht zur Legende und zum Liebling seiner stolzen Besitzer geworden.

Maintal/Hanau – „Buckelvolvo“ lautet das Zauberwort, das die Herzen von Oldtimer-Fans in Deutschland und anderswo vier Takte höher schlagen und ihre Augen verklärt strahlen lässt. Am Wochenende konnten sich die Bewohner des Dörnigheimer Westends rund um das Michel-Hotel und die Besucher des Wilhelmsbader Staatsparks förmlich nicht mehr retten vor dem Anblick: Buckel, so weit das Auge reicht. Wie an einer Perlenschnur reihten sich dutzende Buckelvolvos entlang der Kesselstädter Straße vor dem THC-Gelände und dem Minigolfplatz auf, einer schöner wie der andere.

Und so viele Fotografen, die verzückt mit Kamera oder Smartphone vom Fahrrad stiegen und die seltenen Schätze automobiler Baukunst ablichteten, hat man lange dort nicht gesehen. Hintergrund war das von Eckehard „Ecki“ Jahr an diesem Wochenende veranstaltete Buckelvolvo-Treffen (wir berichteten), bei dem die Teilnehmer im Michel-Hotel übernachteten und sich in Wilhelmsbad trafen, um zu Ausfahrten zu starten, im Restaurant des Tennis- und Hockeyclubs (THC) zu speisen und Führungen durch Park und Hessisches Puppenmuseum zu unternehmen.

Ihre Eltern haben sie für Oldtimer begeistert: Sina Stauder in ihrem Volvo PV 544 Baujahr 1963.

Mit dabei war beispielsweise Sina Stauder aus Königswinter. Sie ist die Jüngste in der Runde der begeisterten Buckel-Fahrer und hat ihren Oldie auch erst vor Kurzem gekauft. Es ist ein nebelgrüner PV 544 mit dem Baujahr 1963, also einer mit durchgehender Heckscheibe. „Meine Eltern haben mich angesteckt mit dem Oldtimer-Bazillus“, lacht Stauder. „Aber das Auto ist so zuverlässig, ich fahre jeden Tag damit.“

Die Heckscheibe stellt äußerlich auch das markanteste Unterscheidungsmerkmal älterer Baureihen dar, denn ab 1954 spendierte das schwedische Werk dem „Volks-Buckel“ eine durchgehende Heckscheibe statt der zwei ovalen Rückblick-Luken, die so frappant an einen ganz anderen Volkswagen aus deutscher Produktion erinnerten: den „Brezel-Käfer“. Einen solchen „Brezel-Buckel“ vor dem Facelift fährt heute noch Jürgen Scheller. Sein Gefährt erblickte im Jahr 1953 erstmals den Asphalt der Straße und kommt in Knallorange daher, mit roten Friedberger Kurzzeitkennzeichen.

Charakteristisch für die Modelle aus den Jahren vor 1954 sind die zwei Rückfenster. Der rote Volvo von Jürgen Scheller ist fast so alt wie er selbst.

„Original hatte der Wagen 40 PS, aber es musste im Lauf der Jahre mal ein neuer Motor rein, und der hat jetzt 76 Pferdestärken“, erzählt der Friedberger zur Leistung seiner Karosse. 1972 hat er ihn bereits gekauft und natürlich erhebliche Arbeit, Schweiß und Geld in sein Hobby gesteckt. „Ich würde mich nie von meinem ‘Brezel-Buckel‘ trennen“, sagt Scheller. „Wir haben etliche Reisen mit dem Wagen unternommen, und auch an Dolomiten-Pässen hat er nie schlappgemacht. Er war mein zweiter fahrbarer Untersatz, als ich ihn gekauft hatte. Da war ich 19 Jahre alt. Und meine Frau habe ich erst zehn Jahre später kennengelernt“, scherzt der Rentner Jahrgang 1952; also nicht wesentlich älter als sein „Buckel“. Damals waren solche Gefährte einfach nur „alte Alltagsautos“, gebraucht hat man sie für das berühmte „‘n Appel und ‘n Ei“ bekommen.

Die Buckelvolvo-Community trifft sich regelmäßig. Nun auch das erste Mal in Maintal.

Heute sieht das schon ganz anders aus. Für einen Buckelvolvo in gut restauriertem oder gar in originalem und nicht durchrostetem Erhaltungszustand legt man eine mittlere fünfstellige Summe auf den Tresen des Oldtimer-Händlers. Für perfekte Exemplare steigt der Wert kontinuierlich nach oben. Dafür genießen die Eigentümer dann das Gefühl, ein originelles Automobil durch das Straßenbild zu kutschieren, das sich bequem fahren lässt und ganz sicher ein Lächeln ins Gesicht der Passanten zaubert.

Von Rainer Habermann

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