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Brüder-Schönfeld-Forum lässt am Samstag Stolpersteine verlegen

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Brigitte und Herbert Begemann recherchieren für die Verlegung von Stolpersteinen auch in alten Briefen von während der Nazizeit Ermordeten. Foto: Bielesch
Brigitte und Herbert Begemann recherchieren für die Verlegung von Stolpersteinen auch in alten Briefen von während der Nazizeit Ermordeten. Foto: Bielesch

Maintal. Der Künstler Gunter Demnig kommt wieder nach Maintal um weitere 17 Stolpersteine in Hochstadt und Wachenbuchen zu verlegen. Es ist die fünfte Verlegung dieser Art in Maintal in Gedenken an die Verfolgten der nationalistischen Zeit. Vorbereitet und organisiert wurde diese Verlegung vom Verein Brüder-Schönfeld-Forum.

Von Monica Bielesch

Ein Name, das Geburtsjahr, das Jahr der Deportation und der Ermordung – mehr steht nicht auf den rechteckigen Messingplatten, die der Kölner Künstler und Bildhauer Gunter Demnig mittlerweile in ganz Deutschland verlegt hat.

Die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten sind überschrieben mit „Hier wohnte“ und werden von Demnig in die Bürgersteige vor den ehemaligen Wohnhäusern der zumeist jüdischen Opfer verlegt.

Verlegung in Hochstadt und WachenbuchenAm Samstag, 24. Juni, ist Demnig zum fünften Mal auf Initiative des Vereins Brüder-Schönfeld-Forum in Maintal zu Gast. In Hochstadt wird er drei, in Wachenbuchen 14 seiner Steine verlegen.

„Es klingt einfach, es ist wenig Text auf den Steinen, aber es muss alles richtig sein“, erzählt Brigitte Begemann, die federführend für den Verein die akribische Recherche in den Archiven betreibt, die jeder Verlegung von Stolpersteinen vorausgeht. So hat Begemann bereits vor einem halben Jahr mit den Vorbereitungen für die aktuelle Verlegung begonnen.

RechercheAls erstes recherchiert sie den Namen der Person anhand einer Liste der Stadt Maintal im Bundesarchiv Gedenkbuch in Koblenz. Mit den Daten, die sie von dort erhält, fordert sie vom jeweiligen Standesamt einen Aktenauszug an. Sie gleicht Datumsangaben ab, achtet penibel auf die korrekte Schreibweise von Namen und stimmt sich mit dem Vorstand des Maintaler Vereins sowie Demnig ab.

„Geschichtsschreibung ist nie abgeschlossen“, meint ihr Ehemann Herbert Begemann, der zu den Mitgründern des Vereins Brüder-Schönfeld-Forum zählt. Genau vor zehn Jahren wurden die ersten Stolpersteine in Maintal verlegt, insgesamt werden es am Samstag 77 Stück sein.

Erinnerung an fünf FamilienIn Hochstadt wird an die dreiköpfige Familie Haroch erinnert, die in der Nähe des Historischen Rathauses wohnte, heutige Adresse Am Rathaus 3. In Wachenbuchen sollen an die Familie Salomon und Berta Strauß, Hauptstraße 26, erinnert werden.

In der Hauptstraße 28 wohnte Louis Stern mit seiner sechsköpfigen Familie. Nachbarn von Stern war Irma Heippert. Und in der Bachstraße 8 in Wachenbuchen wohnten bis 1933 Samuel und Antonie Strauß. Die Steine werden vom Verein und durch Spenden finanziert.

Vielfältige ArbeitDie Begemanns betonen jedoch die vielfältige Arbeit des Forums. Dem Verein gehe es um eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte. „Es gab viele Verfolgte in der Nazi-Zeit, etwa Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Eutanasie-Opfer oder auch Kommunisten“, so Brigitte Begemann.

Den harten Kern des Vereins bilden aktuell rund zehn Mitglieder. „Schön wäre eine engere Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen“, wünscht sich Herbert Begemann. Dass der Verein durchaus mit der Zeit geht, zeigt eine Handy-App mit dem Namen „Stolpersteine-Guide“. Mit Hilfe dieser elektronischen Anwendungssoftware können Lagekarten der Stolpersteine aufs Handy geholt werden.

App und GedenktafelnEntwickelt wurde diese App von drei Leipzigern für den Südwestdeutschen Rundfunk, das Brüder-Schönfeld-Forum hat auch die Maintaler Daten hinzugefügt. Weil rund 1000 Verfolgte aus Frankfurt und Umgebung in einem Lager in Kaunas, Litauen, ermordet wurden, plant der Maintaler Verein in diesem Jahr dort eine Gedenktafel aufzustellen. „Das Brüder-Schönfeld-Forum hat dafür die Trägerschaft übernommen, momentan ist der Text der Gedenktafel in Abstimmung“, so Brigitte Begemann.

Samstag, 24. Juni, Verlegung Stolpersteine, Treffpunkt 9.30 Uhr Altes Rathaus in Wachenbuchen.

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