Philipp Marquardt und Marlene Seyfried übernahmen bei „Somethin' stupid“ den Part von Robbie Williams und Nicole Kidman. Foto: Habermann

Maintal

Blasorchester Wachenbuchen macht bei Konzert einfach gute Musik

Maintal/Hanau. Das Herbstkonzert am Samstagabend in der Mittelbuchener Mehrzweckhalle: Wer könnte verkennen, dass das Blasorchester Wachenbuchen (BOW) für die Parkplatzsuche an der Halle der benachbarten und demnächst kreisfreien Stadt Hanau in deren kleinstem Stadtteil verantwortlich zeichnete?

Von Rainer Habermann

Die Bürger der Region scherten sich allerdings nicht um lokalpolitische Voraussetzungen: Maintaler wie Hanauer applaudierten frenetisch einer Vorstellung, die diesmal etwas mehr von konventioneller Blasmusik gekennzeichnet war, als es allgemein für das ausgefeilt sinfonische Repertoire des BOW gilt. Ein Programm mit 20 Titeln umfasste aber sowohl die Kategorie Traditionelles wie auch den Swing und den Pop.

Um ein Fazit vorwegzunehmen: Das Blasorchester muss seine Qualität, seine Präsenz, seine Dynamik, unter ihrem sein zehnjähriges Jubiläum feiernden Dirigenten Dominik Thoma nicht wirklich mehr beweisen. Hätten die Musiker des bestechend klingenden Amateur-Orchesters ihr großartiges Handwerk plötzlich verlernt? Hätten sie den Spaß an der Musik plötzlich verloren? Hätten sie auch die gute Laune, die unter ihnen herrscht, auf ein Nu hin vergessen, aufs Publikum – gut 400 Menschen in der Halle – zu übertragen? Nein, ganz sicher nicht. Ein Konzert dieses versierten Maintaler Musikvereins zu besprechen, bedeutet in erster Linie, Respekt und Demut zu zeigen vor dem ganz hervorragenden musikalischen Können, welches das BOW auf den Brettern auszeichnet.

Hat hier ein Triller vielleicht zu grell geklungen, war dort ein Bass doch zu mächtig? Das müßige Klein-Klein der Musikkritik möge Musikwissenschaftlern überlassen bleiben, für die Gäste in der Mittelbuchener Halle stand der Spaß am Wohlklang des Orchesters, an dessen Spielfreude, an seiner manchmal durchbrechenden Unkonventionalität restlos im Vordergrund. Die Moderation, die Vereinschef Wolf-Günter Koch mit seinen Musikerkolleginnen ablieferte, war jedenfalls wie immer von großem Humor geprägt.

Marsch und Polka: Im ersten Drittel des Konzerts – wie im Eishockey waren sie durch Pausen getrennt – dominierte der traditionelle, volksmusikalische Charakter der Blasmusik. Hier setze ein erst 14-jähriger Otto-Hahn-Schüler auf dem Xylofon einen ersten Höhepunkt: Emil Nowak mit Anklängen ans Manegeleben im Stück „Zirkus Renz“. Nach zwei spanischen Märschen folgte das „Alte Kameraden“. Und ab dem ersten Takt klatschte das Publikum begeistert mit.

Was Pausen doch verändern können: Nach dem ersten Bargang erklang der gleiche Titel des Militärkomponisten Carl Teike, aber in einer durch und durch verswingten Version von Arrangeur Thomas R. Becker. Und leitete den Swing-Abschnitt des abendfüllenden Programms ein, mit weiteren Nummern à la „Swing when you're winning“. Für dieses Genre stehen weltberühmte Vokalisten wie Robbie Williams und Nicole Kidman. Welche das BOW aber nicht live einflog, dafür mit Eigengewächsen auf die Bühne zauberte. Philipp Marquardt und Marlene Seyfried übernahmen den Part des Weltduos mit viel stimmlichem Können, Ausdruck und Emotion, und bezauberten etwa mit „Somethin' stupid“ restlos.

Wenn schon Swing als Überleitung in die volle Moderne, durfte dann der Pop im dritten Drittel nicht fehlen. Auch hier bewies das Orchester einmal mehr seine große Variabilität und Anpassungsfähigkeit. Stücke wie „Greatest love of all“ (mit tollem Gesang von Seyfried), Michael Jacksons „Heal the world“ (das Pendant für Marquardt), aber auch ein schönes Tenorsax-Solo von Armin Jung im „Just a Gigolo“ rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Eine Musikgruppe steht in Deutschland schlechthin für den Begriff „Popmusik“ wie kaum eine andere: die vier Schweden von „Abba“. Und mit einem Medley jener Legenden sowie dem Dank ans Publikum – „Thank you for the music“ – und umgekehrt in Form nicht enden wollendem Applaus, verabschiedete das BOW die Gäste – unter vielen anderen Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Kaiser und der städtische Kulturbeauftragte Jochen Spaeth – in eine milde Herbstnacht.

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