In Erinnerungen schwelgen: Zum Treffen der Meistermannschaft der Saison 1968/69 wurden natürlich auch alte Bilder angeschaut. Foto: Robert Giese

Fußball

FSV Bischofsheims Meister von 1969 schwelgen in Erinnerungen

Fußball. Mit dem Autokonvoi durch Bischofsheim fahren und in der Kneipe mit Applaus empfangen werden: Es war eine ganz besondere Truppe des FSV Bischofsheim, die vor 50 Jahren in der Bezirksklasse Frankfurt-Ost den Meistertitel holte, in die Gruppenliga Mitte aufstieg und damit die erfolgreichste Zeit des Vereins begründete.

Von Robert Giese

Dieses Jubiläum wurde natürlich gebührend gefeiert. In den 32 Spielen der Saison 1968/69 mussten die Bischofsheimer gerade einmal eine Niederlage hinnehmen – dazu gab es vier Remis – wodurch sie in der Liga eine Klasse für sich waren. Die von den Zeitungen damals als „Superelf aller hessischen Bezirksklassen“ bezeichnete Mannschaft stieg durch ihre starken Leistungen in die Gruppenliga Mitte auf, und selbst die Kontrahenten zollten dem Team gehörigen Respekt: „Es kann keinen Spaß machen, mit diesem Konkurrenten die Klingen zu kreuzen“, ließen die Ligarivalen damals verlauten, die froh waren, den übermächtigen Gegner durch dessen Aufstieg „endlich los zu sein.“

Sichere Abwehr, bei Heimspielen unschlagbar

Ein Blick aufs Torverhältnis zeigt noch heute, weshalb die Konkurrenz so wenig erpicht darauf war, weiterhin gegen die Bischofsheimer anzutreten: Der FSV hatte mit seinen Torjägern Reinhold Beckert und Helmut Studenroth nicht nur eine schlagkräftige Offensive, die den gegnerischen Teams über die Saison hinweg insgesamt 83 Tore einschenkte, sondern auch eine extrem stabile Abwehr, die nur 18 Gegentreffer zuließ. In nicht weniger als 20 Spielen blieb der FSV sogar ohne Gegentor und war gerade bei Heimspielen praktisch unschlagbar – nur einen einzigen Punkt gab der Meister zu Hause ab.

Größte Stärke der Mannschaft war nach Egon Haubner, der Teil der Meister-Elf war, die Geschlossenheit: „Wir waren praktisch alle Bischofsheimer, die allermeisten kamen aus der Jugend des FSV.“ Eine gewichtige Rolle spielte auch Spielertrainer Helmut Studenroth, der unter anderem beim FSV Frankfurt höherklassige Erfahrung gesammelt hatte. Außerdem waren die Spieler sehr flexibel und konnten auf mehreren Positionen gut spielen. „Das war auch nötig“, erklärt Haubner, „schließlich waren wir nur 14 oder 15 Mann im Kader.“

Mit Autokonvoi auf Zuschauerfang

Generell sei damals „eine ganz andere Zeit gewesen“, erzählt der Bischofsheimer und erinnert sich an arg holprige Fußballplätze mit nur wenig Gras oder Laufeinheiten auf Asphalt im Winter, weil die Trainingsbedingungen so schlecht waren. Die Spiele selbst waren dafür ein großes gesellschaftliches Ereignis: „Vor dem Anpfiff sind wir im Autokonvoi durch Bischofsheim gefahren, damit möglichst viele Zuschauer zum Spiel kommen“, so Haubner, „und wenn wir nach dem Abpfiff in die Dorfschänke gingen, kam es schon mal vor, dass die anderen Gäste applaudiert haben.“

Der FSV gab den Bischofsheimern in der Folge jede Menge Grund zum Applaudieren, denn mit dem Aufstieg in die Gruppenliga Mitte war ihr Höhenflug noch nicht vorbei. „Wir haben in der folgenden Saison den Durchmarsch in die Hessenliga geschafft“, erinnert sich Haubner, „das war damals die dritthöchste Liga und eine ganz andere Welt.“ Spiele gegen Teams wie Darmstadt 98 und vor teilweise mehreren Tausend Zuschauern – „eine gute Zeit und ein unvergessliches Erlebnis“, wie Haubner begeistert erzählt, auch wenn sich das Team letztlich nur zwei Jahre in der Hessenliga halten konnte.

Spieler bleiben "Fröschen" bis heute treu

Haubner und seine früheren Mitspieler treffen sich auch heute noch häufig, zum 50. Jubiläum ihrer Meisterschaft kamen sie noch einmal in großer Runde am Fußballplatz zusammen. Ihrem Verein sind die meisten Spieler bis heute treu geblieben – ob als Jugendtrainer, Schiedsrichter oder Zuschauer, die dem heutigen Kreisoberligisten bei jedem Spiel die Daumen drücken. Sich selbst wird die Meister-Elf im kommenden Jahr noch einmal richtig feiern: „Dann jährt sich ja unser Aufstieg in die Hessenliga zum 50. Mal, und das feiern wir etwas größer“, kündigt Haubner an.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema