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Ein Besuch bei der Einrad- und Jonglage-Abteilung in Bischofsheim

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Erster Fortbewegungsversuch auf dem Einrad: Marc Maier (links) und Trainer Klaus Rumrich stützen HA-Mitarbeiter Lennart Nickel. Foto: Privat
Erster Fortbewegungsversuch auf dem Einrad: Marc Maier (links) und Trainer Klaus Rumrich stützen HA-Mitarbeiter Lennart Nickel. Foto: Privat

Maintal – Quietschende Turnschuhsohlen, auf den Boden fallende Einräder und Jonglage-Kegel, ab und zu gepaart mit einem gezischten „Mist!“. In der kleinen Turnhalle am Fechenheimer Weg geht es samstags hoch her.

Von Lennart Nickel

Während sich manche noch einmal im Bett umdrehen, drehen die Grundschülerinnen Svea, Cecille und Alissa um 9 Uhr schon die ersten Runden auf ihren Einrädern. Um diese Zeit trifft sich die artistischste Abteilung der Turnerschaft Bischofsheim und setzt den volkstümlich bekannten Spruch „Übung macht den Meister“ in die Tat um. „Am Anfang ist alles schwierig“, berichtet der langjährige Trainer Klaus Rumrich aus eigener Erfahrung. Mit Übung und nach einer gewissen Zeit frage man sich dann: „Warum habe ich das nicht schon immer gekonnt?“ Der 55-jährige Bischofsheimer kennt die Gemütslage der Jongleure und Einradfahrer auch aus eigener Erfahrung. Doch was bringt einen Menschen überhaupt auf ein Einrad?

Umstieg auf das Einrad gestaltet sich schwer

Die in Dörnigheim lebende Melanie Weber erzählt, sie habe bei einem Umzug die Einrad-Abteilung des Vereins gesehen und sei begeistert gewesen. „Daraufhin habe ich gleich geschaut, wo man das hier machen kann.“ Der Umstieg von einem Zwei- auf ein Einrad fällt schwer. „Mein Ziel ist es, so lange wie möglich oben zu bleiben“, sagtWeber, die erst seit einigen Wochen dabei ist. Dass dieses recht konservative Ziel keineswegs zu vorsichtig ist, werde ich später selbst feststellen.

Zuerst werden die flüchtig antrainierten Jonglage-Fertigkeiten aus dem Schulsport auf die Prüfung gestellt. Doch schon beim Einstieg mit einem Ball erweisen sie sich als nicht mehr existent.Die Kunst sei es, durch das Perfektionieren des einfachen Wurfs eine Basis dafür zu schaffen, mit mehreren Bällen zu jonglieren, belehrt der geübte Eric Dietz den nach drei Würfen bereits ungeduldigen Redakteur. Mit knapp fünf Jahren Trainingsvorsprung hat er jene Stufe ohne Zweifel schon gemeistert. Die Anweisung von Trainer Rumrich, den Ball auf Augenhöhe zu werfen, erfordert bei ihm keine ständige Konzentration mehr, sondern erfolgt automatisch.

Können durch jahrelanges Training

Rumrich sowie alle weiteren Jongleure bestätigen, dass ihr Können jahrelanges und regelmäßiges Training, jedoch nicht unbedingt ein spezielles Talent erfordere. Es gibt also noch Hoffnung für mich. Aber ob es für die Königsdisziplinen reicht, ist fraglich. „Passing“ nennt sich die Variante, bei der nicht nur jongliert, sondern nach einem abgesprochenen Muster Bälle mit einem Partner ausgetauscht werden.Als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, funktioniert Jonglage mit jedem erdenklichen Gegenstand, der flug- und auffangfähig ist. „Der Fantasie sind beim Jonglieren keine Grenzen gesetzt, auch Obst eignet sich, so lange man es nicht fallen lässt“, verrät Tim Rumrich, Sohn des Übungsleiters, mit einem verschmitzten Lächeln und fügt schnell hinzu, „denn mit Essen spielt man nicht“.

Da sowohl die Jonglage als auch das Einradfahren Randsportarten sind, treten die Bischofsheimer nicht bei Meisterschaften an, sondern sind eher bei Veranstaltungen zu erleben. Marc Maier hingegen hat Wettkampferfahrung, und zwar mit einem Bad Vilbeler Einrad-Hockey-Team. Ja, richtig, nicht nur auf Eis, Kunstrasen oder zu Pferde kann diese Disziplin ausgeführt werden. Dafür würden die Spieler einfach Schläger verwenden, die ihnen eigentlich zwei Einheiten zu groß seien, so der 20-Jährige.Mit seinem Team hat er sogar schon auf Bundesliga-Niveau gespielt, was aber zumindest in ökonomischer Sicht leider nicht zur Bezeichnung „Profi“ berechtigt.

Selbstversuch des HA-Mitarbeiters

Gegen Ende des Trainings versuche ich dann selbst, das so simpel anmutende Gefährt fortzubewegen. An einer Vorrichtung sich festhaltend gelingt der Aufstieg, jedoch hat der erfahrene Rumrich einiges an meiner Haltung zu bemängeln. „Wie eine Marionette, nicht wie ein Fragezeichen!“, lautet der plakative Hinweis. Mit doppelter Hilfestellung gelingt es mir schließlich, einige Meter zu fahren, allerdings erinnert die zurückgelegte Strecke eher an den Laufweg eines Silvesterfeier-Heimkehrers.

Nichtsdestotrotz macht das einen Riesenspaß und auch die abrupten Stimmungswechsel zwischen höchster Konzentration und entspanntem Schwätzchen machen den Reiz des Trainings aus. Heute sind die artistischen Sportler zu neunt, Trainer Rumrich bekräftigt, dass er sich über Neuzugänge für die vielseitige Gruppe freuen würde.Und wem der Samstagvormittag zu heilig ist – manchmal trifft sich die Abteilung Einrad und Jonglage auch am Donnerstagabend zu einer zusätzlichen Trainingseinheit. Denn es soll ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen sein – dafür aber umso mehr Bälle beim Jonglieren und Sportler beim Einradeln.

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