Maintal

So besticht das Münchner Thalia Ensemble bei Hochstädter Premiere

Maintal. Eine künstlerisch auf hohem Niveau stehende Premiere in der Hochstädter Kirchenkonzertreihe feierte das Thalia Ensemble aus München.

Von Lars-Erik Gerth

Die vier Musiker beeindruckten die Besucher in der gut besetzten evangelischen Kirche durch homogene und differenzierte Wiedergaben der Kompositionen, deren zeitliche Spanne vom 17. bis zum 20. Jahrhundert reichte.

Vor allem im Zusammenspiel mit der Harfe entstanden faszinierende Klangmischungen. Das galt insbesondere für die romantische Fantasie für Violine und Harfe op. 124 von Camille Saint-Saëns, bei der die Harfenistin Sarah Coco und die Violinistin Katrin Ambrosius-Balsus ideal harmonierten und für eine überzeugende künstlerische Symbiose sorgten. Die an himmlische Klänge erinnernden Glissandi der Harfe verschmolzen dabei auf ideale Weise mit den fein gesetzten Trillern der Violine. Bruchlos gelang dem Duo auch der Übergang von den getragenen zu den vorwärts drängenden Abschnitten.

Verschiedene Konstellationen beweisen künstlerisches Können

Sein großes künstlerisches Können bewies das Quartett in verschiedenen Konstellationen, was dem Programm eine durchaus interessante Note gab. Lediglich zu Beginn und zum Schluss des ersten Teil des Abends sowie zum Finale traten alle vier Musiker gemeinsam auf. Durchweg schlugen Anette Hartig (Flöte), Klaus Kaemper (Violoncello) und die bereits erwähnten Coco und Ambrosius-Balsus dabei eine feine künstlerische Klinge. Das galt am Freitagabend bereits für das Eröffnungswerk, die Sonate D-Dur von Jean-Marie Leclair, bei der insbesondere der leichte Tonansatz im Flötenspiel von Hartig für sich einnahm. Und selbst im schwungvoll-tänzerischen Schlusssatz blieb die Klangbalance ideal austariert, achtete das Quartett stets auf eine ausgewogene Dynamik.

Den einzigen Soloauftritt des Abends hatte gleich im Anschluss die Harfenistin Sarah Coco, die bei Elias Parish-Alvars' „Introduction, Cadenza and Rondo from the Fantasy on Italian Airs“ op. 57 mit ihrem gefühlvollen und sehr facettenreichen Spiel verzauberte. Perfekt wechselte sie dabei von verinnerlichten Sequenzen zu schnellen Glissandi und brachte die verschiedenen Stimmungen des Werks sehr schön zum Klingen. Entsprechend groß war der Applaus des aufmerksamen Publikums.

Wiedergabe von Mozart

Ebenfalls vorzüglich gelang die Wiedergabe des ersten Trios für Violine, Flöte und Violoncello von Wolfgang Amadeus Mozart, bei dem erneut das geschmeidige und modulationsreiche Flötenspiel von Anette Hartig beeindruckte. Aber auch Ambrosius-Balsus' virtuoses Violinspiel und der konturierte Cellopart von Klaus Kaemper trugen ihren Teil dazu bei, dass die Feinheiten in der Musik des Salzburger Meisters uneingeschränkt zu Tage traten. Rhythmisch-pointiert schlossen die vier Künstler dann den ersten Programmteil mit Joseph Haydns viertem Trio in F-Dur ab, bei dem es im Finale sehr schwungvoll zugeht. Doch auch hier stimmte die klangliche Balance zwischen den beiden Streichern, der Harfe und der Flöte, bot das Thalia Ensemble eine überzeugende Interpretation, die bei den Besuchern auf kräftige Zustimmung stieß.

Das galt zu Beginn des zweiten Teils auch für die Wiedergabe von Johann Sebastian Bachs Trio in C-Dur BWV 1033 für Flöte, Harfe und Violoncello. Die drei Musiker arbeiteten dabei vor allem den tänzerischen Charakter der Komposition sehr plastisch heraus, wobei der silbrige Klang der Harfe und das konturenreiche Cellospiel für interessante Kontraste sorgten. Und wiederum faszinierte Hartigs superbes Flötenspiel, bei dem Triller und Läufe mühelos bewältigt wurden.

Duo mit anspruchsvollem Werk

Katrin Ambrosius-Balsus und Klaus Kaemper erfreuten im Anschluss mit einer spannungsvollen Wiedergabe der Adaption eines Themas von Georg Friedrich Händel durch den norwegischen Komponisten Johan Halvorsen. Das Duo brachte das spieltechnisch anspruchsvolle Werk mit bemerkenswerter Akkuratesse zu Gehör. Das galt dann ebenso für die Aufführung von Mozarts Andante in C-Dur für Flöte und Harfe, das klanglich den Zuhörer besonders verzauberte. Die silbrigen Triller der Flöte verwoben sich hier geradezu mit den genau gesetzten Glissandi der Harfe. Dass auch Cello und Harfe gut zueinander passen, demonstrierten Sarah Coco und Klaus Kaemper bei ihrer Interpretation von Marcel Tourniers „Nocturne“, die keine Wünsche offen ließ.

Zum Finale fanden sich dann wieder alle vier Künstler auf der Bühne ein und boten einen superben Abschluss dieses feinsinnigen Abends. Bei Jacques Iberts' „Deux Interludes“ kam der melancholische Duktus der Komposition zum Tragen, beeindruckte das Quartett durch gefühlvolle und sichere Intonation. Das Thalia Ensemble erwies sich auch hier als kompetenter Sachwalter der Partitur, wofür es reichlich Applaus gab, was die Künstler mit einer wiederum fein ziselierten Zugabe belohnten.

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