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Bescherung für Bedürftige

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So viele Geschenke: Da leuchten die Augen der beiden Mädchen und des Jungen einer syrischen Familie aus Maintal. Foto: Habermann
So viele Geschenke: Da leuchten die Augen der beiden Mädchen und des Jungen einer syrischen Familie aus Maintal. Foto: Habermann

Maintal. Leuchtende Kinderaugen, große Freude bei Müttern und Vätern: Dieses Bild bietet sich alljährlich vor dem Tannenbaum. Doch bei Weitem nicht alle Eltern können ihren Kleinen an Weihnachten prächtige Geschenke machen.

Von Rainer Habermann

Schlicht weil das Geld dazu fehlt. Umso größer war die Freude kurz vor dem vierten Advent bei den vielen Kunden von Tafel und Kleiderkammer der Bürgerhilfe Maintal: Ein riesiger Tisch voller hübsch verpackter Weihnachtsgeschenke wartete auf die Kinder mit ihren Eltern. Sie kamen zuhauf, es herrschten richtig Andrang und Trubel.

Die Aktion der Bürgerhilfe, Kinder von Bedürftigen glücklich zu machen – Mama und Papa natürlich auch – hat eine Vorgeschichte. Diese erklärt Brigitte Eggensperger, sie leitet ehrenamtlich die Tafel-Ausgabe und organisierte auch die Verteilung der Geschenke mit. „Die Galeria Kaufhof im Hessen-Center und der Real-Markt in Dörnigheim hatten jeweils einen 'Charity-Baum' für uns aufgestellt“, erläutert sie.

„Festlich geschmückt, an den konnten die Kleinen ihren Weihnachts-Wunschzettel hängen. Natürlich nicht für eine Playstation oder ähnlich kostspielige Geschenke. Kleinere Spielsachen, Kleidung, neue Sneakers, Bilderbücher: nützliche Dinge eben. Voraussetzung ist immer, dass die Familien oder Alleinerziehende einen Maintal-Pass haben, der sie für Tafel und Kleiderkammer berechtigt. Aber wir haben immer auch ein paar Präsente in Reserve, sodass also kein Kind ohne eine nette Kleinigkeit hier raus geht.“

Die Kundschaft der Kaufhäuser sorgt für die Geschenke, sie sind die eigentlichen Glücksbringer. Eine tolle Idee, denn wer sich selbst oder seine Lieben zu Weihnachten beschenken will und dafür einkauft, wirft vielleicht auch mal einen Blick auf den Charity-Baum, sieht die Wunschzettel und denkt sich: „Mensch, könntest ja auch mal anderen was Gutes tun“. Mitarbeiter der Kaufhäuser packen die Sachen dann liebevoll ein, die Bürgerhilfe leistet den ganzen organisatorischen Aufwand mit beschriften, Kontrolle, ob die Nummer vom Wunschzettel auch übereinstimmt, holt die Pakete ab und macht eben das, was wir am Donnerstag vor Weihnachten beobachten konnten: Sie lässt Kinder und Eltern strahlen, die nicht so ganz auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Ein Kuscheltierchen aus Plüsch: Das konnten sich die Kleinen auch noch aussuchen.

„Zurzeit sind natürlich viele Flüchtlingsfamilien unter der Tafel-Kundschaft“, erklärt Eggensperger weiter. „Aber es gibt auch genügend Deutsche, die auf Unterstützung angewiesen sind und zu unseren Kunden gehören.“ Wir merken das. Da ist eine afghanische Familie, Mahdya und Hossein sind mit Vater Bagir und Mutter Parvin zur Bescherung gekommen. Mahdya springt ganz aufgeregt von einem Bein aufs andere: „Ich bin so gespannt, ob auch das in dem Paket ist, was ich mir gewünscht habe“, schildert sie in perfektem Deutsch. „Es ist etwas für die Schule, ich gehe in die dritte Klasse.“

Eine syrische Mutter kommt mit ihren beiden Mädchen und ihrem Sohn herein. Sie sind ganz baff ob des langen Weihnachtspakete-Tisches und schauen, was für sie dabei ist. Dann folgt Jaden mit Mutter Christine. Auch der Sechsjährige kann es kaum erwarten, sein Päckchen in Händen zu halten. Und schließlich treffen wir im Gewusel auch noch Julia, die Mama mit Klara und Emely. Sie kommen aus Bischofsheim. „Mein Mann ist in Hanau geboren, muss heute Nachmittag arbeiten“, sagt die gebürtige Rumänin. „Es ist schwer, er verdient nicht so viel. Wir freuen uns immer auf die Tafel. Die ist sehr hilfreich, auch die Klamotten sind es, die es in der Kleiderkammer gibt. Das hilft uns über die Runden.“

Einzelschicksale? Nun, wie auch immer. Die glücklichen Kinderaugen bei der Bescherung zu sehen, macht deutlich: Auch bei uns, in unserem „reichen Land“, gibt es Millionen Menschen, für die Weihnachten eben nicht zum üppigen Konsumfest wird. Die Bürgerhilfe Maintal sorgt für sie. Auch an Weihnachten, und ganz im Sinne christlicher Nächstenliebe.

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