Maintals Behindertenbeauftragte Monika Klein-Lehmann (links) bei einem Ortstermin mit Bürgermeisterin Monika Böttcher vor zwei Jahren. Foto: Privat

Maintal

Behindertenbeauftragte: Monika Klein-Lehmann hat viel erreicht

Maintal. Die Behindertenbeauftragte Monika Klein-Lehmann setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein. Ihre körperlichen Einschränkungen können die Behindertenbeauftragte der Stadt nicht davon abhalten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Von Ulrike Pongratz

Die 70-Jährige Monika Klein-Lehmann setzt sich seit 17 Jahren mit großem Engagement dafür ein, dass Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Mobilität und Selbstständigkeit für Menschen mit Behinderungen in Maintal einfacher werden. Schwierigkeiten sollen nach Möglichkeit vermieden, überwunden oder abgemildert werden, schreibt sie im Jahresbericht. Sie selbst pendelt regelmäßig zwischen Maintal, der Pfalz und ihrem Feriendomizil in Italien hin und her.

Schon kleine Veränderungen helfen viel

Monika Klein-Lehmann, die seit einigen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie mühselig und aufwändig es für Menschen mit Behinderung ist, sich im öffentlichen Raum zu bewegen. „Manchmal kommt man mit einem Rollstuhl einfach nicht weiter,“ sagt sie, „dabei sind es oft nur Kleinigkeiten, die man ändern könnte, um es einfacher zu machen.“

Sie erzählt, wie sie vor Jahren mit der Jungen Union auf dem Maintaler Bahnhof stand und nicht in den Zug einsteigen konnte. „Der Einstieg für Behinderte lag ganz vorne, da musste ich über Schotter fahren, die Türe war mit 90 Zentimetern viel zu hoch.“ Die Planungen zum künftigen Maintaler S-Bahnhof werden von der Behindertenbeauftragten daher sehr genau unter die Lupe genommen. „Ich kann Pläne lesen“, sagt Klein-Lehmann lachend und lässt keinen Zweifel daran, dass sie Schwachstellen schonungslos offenlegt.

Blick auf Bauvorhaben

So forderte sie beispielsweise, dass der überdachte Bereich am Bahnsteig bis zum Aufzug reiche. „Warum muss ich noch 50 Meter fahren? Bei Regen bin ich tropfnass.“ Die Zusammenarbeit mit Architekten, Planern und verschiedenen Fachbereichen der Stadt sei sehr konstruktiv, so die Behindertenbeauftragte, die in diesem Ehrenamt, das sie gemeinsam mit ihrem ersten Ehemann innehat, in Maintal vieles für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps erreicht hat.

Monika Klein-Lehmann geht offen und kommunikativ auf Menschen zu, bezieht eindeutig Stellung; dabei ist die ehemalige Judoka auch verbal schlagfertig geblieben. „Ich weiß mir zu helfen“, sagt sie. Dank eines guten technischen und planerischen Verständnisses fällt es der Behindertenbeauftragten tatsächlich leicht, auf öffentliche Bauvorhaben einen kritischen Blick zu werfen und Vorschläge zu machen, damit Menschen mit Handikaps die Nutzung erleichtert wird. Fast alle Bushaltestellen seien inzwischen barrierefrei, so die Behindertenbeauftragte, Maintal sei in diesem Bereich schon sehr weit.

An die Probefahrten mit den E-Bussen erinnert sie sich allerdings mit gemischten Gefühlen. „Alle waren ausgestiegen, nur ich war noch im Bus. Dann ging die Türe nicht mehr auf, weil die Batterie leer war.“

Beratung in alle Richtungen

Klein-Lehmann berät nicht nur die städtischen Gremien, sondern auch Menschen mit Behinderung. „Die Nachfrage ist groß“, sagt sie. Sie gebe telefonisch Auskunft und weise den Weg. Die Anträge stellen und Formulare ausfüllen müssten die Menschen in der Regel aber selbst, nur in Ausnahmefällen würde sie Hilfestellung leisten können. Vor Ort ist die ehrenamtlich Beauftragte immer dann, wenn Behindertenparkplätze ausgewiesen werden oder taktile Leitstreifen angebracht werden. „Wer auf seinem eigenen Grundstück einen Stellplatz oder eine Garage ausgewiesen hat, hat keinen Anspruch darauf, dass ein Behindertenparkplatz im öffentlichen Straßenraum ausgewiesen wird“, erläutert sie die Bestimmungen.

Damit Parkflächen, Radwege, Bushaltestellen und Überquerungen für Menschen mit Einschränkungen in sinnvoller Lage und mit deutlicher Kennzeichnung gebaut werden, nimmt die Behindertenbeauftragte mit ihrem Rollstuhl zahlreiche Termine mit Privatpersonen und Behörden vor Ort wahr.

Die resolute Frau, die sich Humor und Schlagfertigkeit bewahrt hat, repräsentiert zudem die Stadt bei offiziellen Veranstaltungen und nimmt darüber hinaus an diversen Workshops und Fachdiskussionen teil. Sie wird weiterhin mit Tatkraft ihre Aufgaben wahrnehmen. Neu hinzu kommt in diesem Jahr der „Runde Tisch Palliativ- und Hospizversorgung Maintal“, ein Netzwerk, in dem Monika Klein-Lehmann eine gefragte Ansprechpartnerin sein wird.

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