Obwohl der Beruf körperlich anstrengend ist, würde Lukas Naumann immer wieder Verfahrenstechniker für Beschichtungstechnik werden. Wir haben ihn bei seiner Arbeit besucht. Foto: Ulrike Pongratz

Maintal

Azubis im Porträt: Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik

Maintal.Seit zwei Wochen hat er seinen Abschluss in der Tasche, die letzten Prüfungen mit der Gesamtnote „Gut“ bestanden. Lukas Naumann ist Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik mit Schwerpunkt Feuerverzinken bei ZINQ in Maintal.

Von Ulrike Pongratz

Ein Ausbildungsberuf mit Zukunftsperspektiven, über den der junge Mann in unserer losen Sommerserie „Azubis im Porträt“ gerne berichtet. Sein Betrieb hat Lukas Naumann übernommen und wird ihm ab November eine werksinterne Fortbildung ermöglichen. „Vom Azubi zum Werksleiter“ nennt sich das Trainee-Programm von Voigt undamp; Schweitzer, das den Mitarbeiter eine Weiterqualifizierung ermöglicht.

Gute Zukunftsperspektiven gehören zu den Vorzügen der Berufswahl, auch, weil Fachkräfte dringend gesucht werden. „Uns kennt kaum jemand“, sagt Nikolaus Loukas, der Werksleiter von Voigt undamp; Schweitzer in der Gutenbergstraße. „Wir suchen deutschlandweit Azubis.“

Ortswechsel für die Lehre

Für Lukas Naumann war es vor drei Jahren die richtige Entscheidung, im Werk in Maintal die Ausbildung zu beginnen. Das weiß er aller-dings erst im Rückblick. Damals, als er seinen Vertrag unterschrieben hatte, war ihm noch etwas mulmig zumute. „Ich hatte nach der Realschule zunächst als chemisch-technischer Assistent eine Ausbildung begonnen, aber nach einem halben Jahr gemerkt: Das ist für mich nicht das Richtige. Ich will handwerklich arbeiten, will mehr Kontakt mit Menschen.“

In Gelsenkirchen, dem Wohnort seiner Familie, wie auch im Großraum Ruhrgebiet gab es zu diesem Zeitpunkt keine freie Lehrstelle mehr. Nur in Maintal, seiner Geburtsstadt, konnte er sofort mit der Ausbildung beginnen. Also zog Lukas Naumann kurzerhand bei den Großeltern in Maintal ein und pendelte am Wochenende nach Hause zu seinen Eltern. Die zweimonatige Blockbeschulung in der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt in Gelsenkirchen war für Lukas sozusagen ein Heimspiel. „Für viele Bewerber ist dieser Ortswechsel oft ein Grund, die Lehre nicht anzutreten“, bedauert Werksleiter Loukas.

„Man muss diese Arbeit mögen und wertschätzen“

Aber nicht der einzige, wie Naumann und Loukas bei einem Werksrundgang erläutern. „Die Beschichtungstechnik ist mit anstrengender körperlicher Arbeit verbunden. Sie haben es hier mit großen, schweren Stahlteilen zu tun, die bewegt werden müssen.“ Doch man muss nicht nur körperlich Einsatz zeigen, man braucht technisches Verständnis für das Verfahren, handwerkliches Geschick und gute Umgangsformen mit Kollegen und Kunden.

Schon bei der Annahme der Stahlteile, dem ersten Arbeitsbereich von Lukas Naumann, muss man nicht nur mit dem Gabelstapler sicher umgehen können. „Ich begutachte die angelieferten Teile und muss sofort feststellen können, ob diese für unser Verfahren geeignet sind,“ erklärt der 22-jährige Verfahrensmechaniker. Auf dem riesigen Platz neben der Werkshalle liegen in Feldern geordnet lange Rohre, aber auch Stahlzäune und Tore, einfach alles, was Korrosionsschutz benötigt. In der Werkshalle hängen die Metall- und Stahlteile dann an der Kranbahn und werden der Reihe nach in verschiedene „Bäder“ getaucht – Beizen, Reinigen, Trocknen und schließlich das Verzinken in der 450 Grad heißen Flüssigkeit. „Man muss diese Arbeit mögen und wertschätzen“, sagt Nikolaus Loukas, „dann findet man hier ein Arbeitsleben lang Beschäftigung. Zwei Mitarbeiter feierten beispielsweise 35-jähriges Betriebsjubiläum“.

Hochbetrieb bei der Verzinkung

Lukas Naumann ist ebenfalls entschlossen, zu bleiben. Trotz der körperlich anstrengenden Arbeit in der nicht isolierten Werkshalle, trotz Rost und Dreck, hat er sich auch an harten Tagen durchgekämpft und für die Prüfungen gelernt. „Die Kollegen haben mich immer motiviert. Wir sind ein tolles Team hier“, erklärt Naumann. Zurzeit arbeitet der junge Verfahrensmechaniker nicht im Verzinkungs- und Kesselbereich, sondern in der Endkontrolle. „Jedes Teil wird genau überprüft, eventuell nachgearbeitet. Wenn es den Anforderungen nicht genügt, geht es wieder zurück, wird 'entzinkt' und erneut veredelt.“

Jetzt herrscht gerade Hochbetrieb bei der Verzinkung, es wird in zwei Schichten gearbeitet, denn auch für Schlosser und Landschaftsbauer ist Hochsaison: Leitplanken, Fahrradständer, Zaunpfosten, alle Stahlteile müssen vor dem Einbau Korrosions-schutz erhalten.

Bei 25 Grad Außentemperatur ist es auch in der Halle angenehm, die Tore sind weit geöffnet, es weht ein laues Lüftchen. Im Winter sieht das anders aus. „Man gewöhnt sich daran“, sagt Lukas Naumann achzelzuckend. „Schließlich bewege ich mich ja ständig.“ Etwa zehn Kilometer läuft er am Tag, das bringt eine gute Kondition fürs Fußballspielen. Zum Spielen und Gucken findet er genügend Zeit; wird im Einschicht-Betrieb verzinkt, dann endet der Arbeitstag von Lukas Naumann bereits um 14.30 Uhr.

Das BerufsbildDie Veredelung von Stahl- und Metallteilen durch Feuerverzinken und Pulverbeschichten ist die Aufgabe der spezialisierten Verfahrensmechaniker. Die betriebliche Verbundausbildung dauert drei Jahre. Vorausgesetzt werden Spaß an körperlicher Tätigkeit, handwerkliches Geschick und ein technisches Verständnis. Die Tätigkeit ist durchaus vielseitig: Wareneingang und Versand gehören ebenso zu den Aufgaben eines Verfahrensmechanikers wie die Vorbehandlung der Teile, die Arbeiten im Kesselbereich, das Nacharbeiten, Kontrollieren, Wiegen und Abrechnen. Das familiengeführte Unternehmen ZINQ betreibt an 45 Standorten Werke in Deutschland und Europa und bildet in 26 Werken aus. Weitere Informationen gibt es im Internet. upo››

zinq.com

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