Kämpfen in Maintal gegen die Trockenheit und für den Erhalt der städtischen Grünflächen: Gordan Behaderovic (links) und Jochen Pfeifer. Foto: Rainer Habermann

Maintal

Auswirkungen des Klimawandels: "Wir brauchen Regen"

Maintal. Der globale Klimawandel: einige können das Thema schon nicht mehr hören, andere (wenige) bezweifeln noch, dass er vom Menschen gemacht ist oder gar überhaupt stattfindet.

Von Rainer Habermann

Wieder andere demonstrieren jeden Freitag und machen sich intensiv Gedanken, wie der globalen und der regionalen Veränderung klimatischer Verhältnisse in den zurückliegenden 20, 30 Jahren Rechnung getragen und begegnet werden kann. Zu denjenigen, die planen und handeln, gehören Jochen Pfeifer und Gordan Behaderovic.

Pfeifer ist Planer und seit rund 28 Jahren für die Grünflächen – auch für den rund 700 Hektar großen Stadtwald – im Fachbereich Stadtentwicklung zuständig. Behaderovic kümmert sich seit Januar um die technische und personelle Umsetzung der planerischen Konzepte als Fachdienstleiter Grünbereich beim Betriebshof der Stadt Maintal, nachdem diese Stelle rund zwei Jahre lang vakant war.

Trockenheit ein Riesenproblem

Beide haben derzeit ein Riesenproblem zu bewältigen: die seit Anfang 2018 mehr oder weniger anhaltende Trockenheit, welche die Böden bis in große Tiefen hinein regelrecht ausgedörrt hat. Landwirte können ebenfalls ein (Klage-)Lied davon singen. „Seit etwa 2003 verlieren Bäume durch Wassermangel extrem an Vitalität und Widerstandskraft. Das Waldsterben, das wir in den 1980er Jahren beobachten konnten, hatte aber andere Ursachen“, sagt Pfeifer im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese seien inzwischen weitgehend beseitigt.

Saurer Regen durch Kohlenstoffdioxid-Immissionen und Ausfällung in der Luft wie im Boden gehören hauptsächlich durch den Einbau von Filteranlagen in Kohlekraftwerke und den Verzicht in der früheren DDR auf Braunkohle als Hausheizungsbrennstoff, sowie auf die Einführung des Katalysators bei Verbrennungsmotoren in Fahrzeugen, als Ursachen der Vergangenheit an. „Heute haben wir veränderte Herausforderungen: die anhaltende Trockenheit und stetig steigende Durchschnittstemperaturen“, meint der Stadtplaner. „Aber die Schädigung der Bäume, der Straßenbäume wie des Waldes, hat sich natürlich kumuliert. Es geht beim Lebenszyklus von Bäumen schließlich um Jahrhunderte, nicht um wenige Jahre.“

Pfeifer hat die Aufgabe, Konzepte zu entwickeln gegen die Auswirkungen des Klimawandels, gemeinsam auch mit Hessen-Forst und dem Maintaler Revierförster Heinrich Koch. Der Stadtwald ist aber nicht das einzige Objekt, es kommen sämtliche Sportplätze der Stadt, alle Außenflächen der Kitas und kommunaler Gebäude, Friedhöfe, die Mainwiesen oder das Maintalbad und die wohl größten Streuobstwiesen in der Region hinzu.

Verkehrssicherung ist eine Pflicht

Neben sämtlichen pflegerischen Maßnahmen wie Grün- und Gehölzschnitt gehört auch die Verkehrssicherung von Wegen zu den Pflichten der Stadt. Hierfür steht Behaderovic ein Personal von rund 28 Mitarbeitern zur Verfügung. Der Chef kommt aus der Praxis, in seinem Büro im Betriebshof liegt eine Kletterausrüstung für hohe Bäume.

Als Bachelor of Science sagt er ebenfalls: „Der Grundwasserspiegel erhöht sich durch die gelegentlich stattfindenden Starkregenereignisse nicht, auch nicht durch zeitweilige Schauer. Was wir tatsächlich bräuchten, ist ein so genannter Landregen über mehrere Tage oder sogar Wochen. Durch die anhaltende Trockenheit wird auch ein Pilzbefall von Bäumen, etwa mit der Massaria hauptsächlich an Platanen, aber auch anderen Rindenerkrankungen befördert, die zum Absterben der Gewächse führen.“

Die Stadtbäume haben es hier vergleichsweise gut, ebenso die Pflanzbeete. Sie werden von insgesamt sechs Wasser-Sprühfahrzeugen versorgt, mit Tankinhalten zwischen je 700 und 2000 Litern, die in allen vier Stadtteilen im Einsatz sind. „Wir haben in etlichen Pflanzstellen Drainagesysteme eingebaut, man erkennt sie an den Deckeln, die gerne mal von Bürgern als Fußballersatz benutzt werden“, sagt Behaderovic.

„Und verwenden an Straßenbäumen neben Schutzgittern und weißem Schutzanstrich auch neuartige, überfahrbare Baumscheiben. Die sollen bei beengten Platzverhältnissen eine bessere Verwurzelung ermöglichen“, ergänzt Pfeifer. So genannte „Gießsäcke“, die das Wasser nur allmählich in den Boden abgeben, zählen ebenfalls zum Instrumentarium des städtischen Grünamts.

Welche Bäume sollen ersetzen?

Das alles ist aber wohl das geringere Problem. Viel schwerwiegender ist die Frage, welche Baumarten denn die bereits abgestorbenen oder kranken Bäume ersetzen sollen: sowohl im Wald wie auch im innerstädtischen Gebiet. Fichte, Buche, Eiche, Ahorn: alle sind betroffen. Hier setzt die Stadt auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich der Robustheit und der Klimaverträglichkeit in einer zunehmend wärmer werdenden Region.

„Unsere Wahl fällt mehr und mehr auf mediterrane Arten und sogar Exoten wie den Gingko-Baum aus Asien, der sich bisher in der Dörnigheimer August-Bebel-Straße ganz gut entwickelt“, erklärt Pfeifer. Sie müssen bei relativ wenig Wurzelraum es trotzdem schaffen, als Straßenbäume zu überleben und ihren Zweck zu erfüllen: durch Photosynthese Sauerstoff für die Menschen zu produzieren. „Die Robinie etwa, in die wir große Hoffnungen gesetzt hatten, hat sich als klarer Verlierer des Klimawandels erwiesen“, meint der Stadtplaner im Grünbereich.

„Die Zukunft gehört wohl eher Hartriegelgewächsen oder beispielsweise der Felsenbirne. Wir müssen aber auch laufend dazu lernen. Mit den bisherigen Arten wie etwa der Hainbuche werden wir wohl auf längere Sicht Schiffbruch erleiden“, so Pfeifer.

Die gute alte Eiche

Die gute alte Eiche könnte sich als widerstandsfähig gegen klimatische Veränderungen erweisen; das weiß man noch nicht so ganz genau. Sie hat aber Jahrtausende als Art überstanden. Fichte und wohl auch die in deutschen Wäldern besonders häufige Buche stellen sich als zunehmend anfällig für Schädlingsbefall und Wassermangel aufgrund der Klimaveränderung heraus. Unser Bild vom Wald scheint ein trügerisches.

Doch auch die Bevölkerung kommt mit ins Spiel, wenn es um den Erhalt von Bäumen und Grünflächen geht. „Wir hatten mit Aktionen wie 'Maintal blüht!' oder auch den Patenschaften für Bäume bereits in der Vergangenheit an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, etwas für den Klimaschutz zu tun“, sagt der Stadtplaner.

„Mehrjährige Programme wie beispielsweise 'Zukunft Stadtgrün' werden auch mit Bundesmitteln gefördert. Wir müssen zukünftig vermehrt auch auf das Engagement der Bevölkerung setzen: einerseits Wasser zu sparen, andererseits hin und wieder die Gießkanne selbst in die Hand zu nehmen, für den dauerhaften Erhalt unserer Umwelt“, sagen die Verantwortlichen, die diese Verantwortung sehr wohl auch für die städtische Seite ernst nehmen.

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